Versicherungen
24. Oktober 2012

Nicht alle Lebensversicherer sind krisenfest

Die Lage am Kapitalmarkt bleibt angespannt. Einige Lebensversicherer verkraften die Krise besser als andere. Wer ihr erfolgreich trotzt, zeigen das aktuelle „Rating LV-Unternehmen“ sowie ein Belastungstest nach Kennzahlen, beides vorgelegt vom Analysehaus Morgen & Morgen.

DasLV-Unternehmens-Rating von Morgen & Morgen sieht unter 71 Gesellschaften zehn „stark überdurchschnittliche“ Anbieter: Allianz, Alte Leipziger, Debeka, Europa, Interrisk, Huk-Coburg, LVM, R+V, R+V a.G. und WGV. Als „stark unterdurchschnittlich“ wurden dagegen eingestuft: Arag, Inter, Münchener Verein, Rheinland Versicherungen und VPV.
Damit hat sich die Spitzengruppe der 27 sehr gut und ausgezeichnet bewerteten Anbieter auch in diesem Jahr trotz schwieriger Marktlage behauptet (2011: 26). Auch derBelastungstest von Morgen & Morgen zeigt, dass 50 Gesellschaften krisenfest sind und einem Zinsrückgang um 0,8 Punkte sowie einem Kursverfall ihrer Aktienbestände um 37 Prozent standhalten. 36 Versicherer haben den Test sogar mit der Bewertung „ausgezeichnet“ bestanden.
Hintergrund: Das Rating trifft eine Aussage darüber, wie die Gesellschaft sich langfristig am Markt behauptet und wie kundenfreundlich sie ist – also über Kosten, Sicherheitspolster, Erträge sowie ihre Marktstellung. Für die vergangenen fünf Jahre werden hierzu neun wesentliche Bilanzkennzahlen analysiert. Ergänzend zum Rating zeigt der Belastungstest eine Stichpunktbetrachtung, die den Versicherer hinsichtlich Solvabilität und damit seiner Krisenfestigkeit für die Zukunft beurteilt. Wer bestanden hat, ist in der Lage, in naher Zukunft einen Zins- und Aktien-Crash zu überstehen und weiterhin seinen Verpflichtungen nachzukommen.
Trotz des guten Gesamtergebnisses spiegeln einzelne Quoten des Ratings die schwierige Situation am Kapitalmarkt wider. So ist der durchschnittliche Verdienst der Branche, die Nettoverzinsung, von 4,32 auf 3,97 Prozent gesunken. Zusammen mit der Belastung durch die zu bildende Zinszusatzreserve hat dies negative Auswirkungen auf den Überschuss: Er ist ebenso gesunken wie die Rückstellungen für Beitragsrückerstattung. Die Wachstumsquote ist ebenfalls zurückgegangen. Nach dem durch den Boom bei Einmalbeiträgen ausgelösten Anstieg in den vergangenen zwei Bilanzjahrgängen hat sie sich damit wieder auf ihrem ursprünglichen Niveau eingependelt.
Auch der Belastungstest bestätigt die schwierige Situation der Gesellschaften. Auf der Passivseite stehen aktuell keine stillen Reserven mehr, sondern stille Lasten. Konkret heißt das: Der durchschnittliche Rechnungszins in den Beständen der Versicherer ist oftmals höher als der aktuelle Marktzins. Dies stellt die Versicherer vor die Herausforderung, die zugesagten Zinsversprechen für ihre Altkunden, die im Branchenschnitt bei 3,2 Prozent liegen, zu erwirtschaften. Das erscheint heute kaum noch möglich.
Kein Wunder, dass 22 Versicherer beim Belastungstest gemauert und ihre Teilnahme verweigert haben. Darunter sind so wichtige Anbieter wie Generali, Iduna, Gothaer, Asstel, LVM und zahlreiche öffentliche Versicherer.
„Aktuell sind die Ertragsaussichten für Versicherte folglich wenig erfreulich. Für 2013 wird die Gewinnbeteiligung voraussichtlich erneut sinken“, fasst Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen, die Lage der Kunden zusammen. „Noch schlägt sich der Großteil der Gesellschaften wacker, doch vor dem aktuellen Hintergrund wird die Wahl eines wirtschaftlich erfolgreichen Versicherers immer wichtiger“, betont Schinnenburg.
portfolio institutionell newsflash 24.10.2012/dpo

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