29. Mai 2013

Norwegischer Ölfonds in der Kritik

Der mit einem Anlagevolumen von rund 512 Milliarden Euro hantierende Staatsfonds soll Richtlinien der OECD verletzt haben. Das Management zeigt sich überrascht.

Der Statens Pensjonsfond Utland, besser bekannt als norwegischer Ölfonds, soll den Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über verantwortliches Wirtschaften nicht gefolgt sein. Presseberichten zufolge wird das Management um Yngve Slyngstad von einem OECD-Stützpunkt in Norwegen aus kritisiert, der vom Osloer Juraprofessor Hans Pettre Graver geleitet wird. 
Entzündet habe sich der Konflikt an einer Beteiligung des Ölfonds am südkoreanischen Stahlhersteller Posco, der in Indien eine Produktionsanlage erweitern will, wobei 20.000 Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren könnten. Nach Darstellung der Börsen-Zeitung kritisiert Graver, dass sich das Fonds-Management einer Zusammenarbeit verweigert habe und er auf seine Nachfragen keine zufriedenstellenden Antworten erhalten habe. Konkret wirft Graver den Verwaltern des weltweit größten Staatsfonds vor, ihren Einfluss nicht dafür genutzt zu haben, um die negativen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung zu verhindern oder zu reduzieren. Zudem mokiert er sich darüber, dass der Fonds über keine Strategie verfüge, wie Regelverstöße festgestellt und mögliche Menschenrechtsverletzungen dann auch abgestellt werden könnten. 
Der mit den Anschuldigungen konfrontierte Slyngstad zeigte sich von der Kritik verwundert und verwies auf die offene und transparente Investitionspolitik, die man verfolge. Graver habe bei zwei Treffen alle Informationen in mündlicher Form erhalten, die er gefordert habe. 
Wie die Debatte ausgehen wird, ist offen. Allerdings hat der Ölfonds inzwischen ein Volumen erreicht, bei dem er im Hinblick auf die Einhaltung von Richtlinien an seine Grenzen zu stoßen scheint. Laut Börsen-Zeitung kann davon ausgegangen werden, dass der Fonds bei allen Blue Chips weltweit investiert ist. Inwieweit es dabei von Bedeutung ist, dass die Anlagepolitik des Ölfonds, wie es heißt, engmaschig ethisch und wirtschaftlich überwacht wird, scheint vor diesem Hintergrund fraglich. 
portfolio institutionell newsflash 29.05.2013/tbü
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