Schwarzer Schwan
26. September 2014

Out of Fashion

Im Niedrigzinsumfeld sind acht Prozent Rendite durchaus verlockend. Weniger attraktiv ist es, wenn der Anleihekurs dieses Niveau erreicht.

„Möchten Sie sich auch einmal etwas Luxus leisten und damit sogar noch Geld verdienen?“ Was nach einem zwielichtigen Jobangebot für kontaktfreudige Studentinnen klingt, ist tatsächlich die Einleitung für einen Artikel, in dem das Finanzportal „financial.de“ die Emission der Anleihe der Rena Lange Holding analysiert. Das war im November vergangenen Jahres. Damals wollte das im Hochpreissegment angesiedelte Modehaus über die Emission eines Bonds zehn Millionen Euro aufnehmen, auf diese Weise das Wachstum ankurbeln und den Anlegern jedes Quartal üppige Zinsen überweisen. Der Effektivzins lag bei 8,2 Prozent per annum.
Der amtierende Geschäftsführer Dr. Siegmund Rudigier, der das Modeunternehmen 2012 aus den Händen der Gründerfamilie erworben hatte, stellte Rena Lange vollmundig in eine Reihe mit Chanel, Dior, Valentino und wollte sich deshalb nicht mit anderen mittelständischen Modemachern aus Deutschland vergleichen lassen. Doch der Schuss des 1916 gegründeten Unternehmens ging nach hinten los. 
Rena Lange kreiert nach eigenem Bekunden luxuriöse Prét-à-Porter- und Accessoire-Kollektionen für ein internationales Klientel, das Qualität und Perfektion erwartet. Auch wenn man Äpfel und Birnen nicht vergleichen soll: Laut financial.de erzielte das Couture-Haus zuletzt einen Jahresumsatz von 24,6 Millionen Euro. Insofern scheint der angepeilte Erlös aus der Anleihe mit zehn Millionen Euro ziemlich vermessen. Das wäre ungefähr so, also ob der Siemens-Konzern (Jahresumsatz 76 Milliarden Euro) mal eben Anleihen im Volumen von 31 Milliarden Euro unterbringen wollte – geht’s noch? Letztlich konnte Rena Lange gerade mal fünf Millionen Euro fresh money bei der Emission im Dezember einsammeln. 
Pleite auf dem Parkett
Das finanzielle Desinteresse konnte der Autor von financial.de (offizielle Devise: „Information you can trust“) in seiner Vorabuntersuchung freilich noch nicht ahnen. Eine Verzinsung von acht Prozent schreit allerdings in Zeiten niedrigster Renditen: Vorsicht, Risiko. Dennoch kam er seinerzeit zu dem Schluss, dass das Unternehmen in einem attraktiven Geschäftsumfeld agiert: „Der Markt für Luxusmode ist im Jahr 2012 um zehn Prozent gewachsen; dieser Trend hat sich auch 2013 fortgesetzt – und sollte vor allem in Asien noch länger anhalten.“ Indem für die Nachfrage aus China ein immerwährender Frühling prognostiziert wird, lässt sich eben jede Unternehmensstory verkaufen. Heute, zehn Monate später, ist das Luxusmodehaus insolvent, und für die Rena-Anleihe wurde zuletzt ein Geldkurs angeboten, den man auf den ersten Blick für den Kupon halten könnte – neun Prozent. Die Anleihe ist sozusagen aus der Mode. 
Der modebewusste Anleger hätte sich vor seinem Rena-Lange-Engagement mal lieber den Spiegel vom größten Modezar, nämlich Karl Lagerfeld, vorhalten lassen sollen. Vielleicht findet er dann sein eigenes Spiegelbild wieder. Denn Karl sagt: „Ich wollte vom Geld und wie man es macht, nie etwas wissen. Welches zu haben, ist nur die Voraussetzung dafür, um welches ausgeben zu können. Ich verdiene mein Geld nur, um es auszugeben. Aber es interessiert mich nicht, wie viel ich verdiene. Ich weiß nur, dass ich viel Geld ausgebe."
In diesem Sinne wünschen Ihnen Karl und die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende. 
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