Schwarzer Schwan
10. Januar 2013

Pay-to-play-Mandate: Eidgenossen als Amigos

Sie wünschen sich ein Mandat bei der renommierten und 20 Milliarden Franken schweren Pensionskasse des Kantons Zürich, der BVK? Ganz ohne mühseliges Auswahlverfahren? Kein Problem!

Dafür brauchten Sie nur viele Briefumschläge und noch viel mehr Bargeld. Dieses hätten Sie dann an den nun ehemaligen Anlagechef Daniel Gloor überreichen müssen, wenn dieser sagte: „Ich könnte finanzielle Unterstützung brauchen.“ Einem Finanzdienstleister erzählte Gloor von seinem Ferienhausbau in Frankreich und legte dabei sehr viel Wert auf die Feststellung, dass die Dachziegel sehr teuer sind. Mit diesen Geschäftspraktiken beschäftigte sich seit Sommer das Zürcher Bezirksgericht. Gloor soll von seinen Amigos meist beim Lunch in den teuersten Restaurants von Zürich insgesamt 1,7 Millionen Fränkli cash bekommen haben. Die BVK erhielt dafür Mandate, die mit „underperformend“ noch vorsichtig klassifiziert sind. 
Und das in der Schweiz, zu der einem doch zuerst der Begriff „anständig“ einfällt? Darunter verstehen die Eidgenossen wohl mittlerweile etwas anderes. Kombiniert man bei Google „Schweiz“ mit „anständig“, kommt als erstes folgendes Zitat: „Irgendwo müssen wir anständig verdienen.“
Schon wieder etwas gelernt! Die Lernkurve dürfte auch bei der BVK steil sein. Zum Beispiel darüber, wie man anständig diversifiziert. Die Allokation von Herrn Gloor: das besagte Ferienhaus in Frankreich, möglicherweise ein Geldspeicher in Peru, dem Heimatland seiner Ehefrau, und Gutscheine für Golfferien in Irland, Marokko und Mallorca.
Seine Expertise gibt Gloor aber gern auch an andere Anleger weiter – wie immer gegen Entgelt. Während seiner Gerichtsverhandlung gründete er nämlich den Berater „Gloor-FVT“. Auf der Homepage preist sich der ehemalige Anlagechef als bankenunabhängiger Berater in Finanz- und Vorsorgefragen und zuverlässigen Partner im Bereich „Treuhandwesen und Immobilienverwaltung“ an. Diese Expertise ist durchaus glaubwürdig. Genauso wie folgendes Versprechen: „Wir verzichten auf Retrozessionen und andere versteckte Kosten.“ Schließlich verzichtete er auch im Namen der BVK auf Retrozessionen in Millionenhöhe, ließ sich dann aber einen Großteil persönlich auszahlen.
Wer die Expertise von Gloor nutzen möchte, muss sich allerdings in Geduld üben. Die angegebene Kontaktadresse ist nicht mehr gültig, Gloor muss nämlich für sechs Jahre und drei Monate einsitzen.
Ob er im Zuchthaus vom Eidgenossen zum Leidgenossen wird? Nicht unbedingt. Gloors Bruder im Geiste, Bernie Madoff, soll es gut gehen. Madoff soll sich laut der Zeitung „Die Welt“ gut eingelebt haben. Er beschwere sich nie und kaufe auch nichts zur schmalen Gefängniskost hinzu. Es helfe, dass Madoff geizig und schlau war, kein Intellektueller mit einer Lebensart, die ihm fehlen würde, so „Die Welt“. Bei Daniel Gloor dürfte der Fall jedoch anders liegen.
Die Redaktion von portfolio institutionell wünscht Ihnen ein schönes Wochenende.
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