Schwarzer Schwan
24. April 2020

Peak Oil?

Covid-19 und WTI

Man lernt nie aus: Vor ein paar Jahren ließ man verblüfft die Erkenntnis sacken, dass Zinsen negativ sein können – und nun staunt man, dass auch der Ölpreis negativ sein kann. Für den Erwerb eines Barrels der Sorte WTI gab’s im Tief am Montag noch 40 Dollar dazu. Ursachen hierfür sind der Contango-Effekt, volle Öllager, Covid-19 und das zerbrochene Oligopol der Ölförderländer. Russland und Saudi-Arabien weiteten zum Verdruss von Donald Trump ihre Fördermengen aus. Für Trump wird das billige Öl teuer. Dabei war eigentlich doch „Peak Oil“ die Gefahr, also das Erreichen des Ölfördermaximums?

Ein Amt für Ölpreise?

Zur gänzlich uneigennützigen Unterstützung seiner texanischen Wähler – oder zur Ablenkung – legt Trump wieder reflexartig seine Importzölle-Platte auf. Diesmal für ausländisches Öl. Doch warum zum Schutz vor „unfairen“ Preisen und in nostalgischer Erinnerung an die schönen Oligopol-Zeiten nicht gleich ganz offiziell zur Planwirtschaft übergehen? In der DDR gab es das „Amt für Preise“, in dem der Ministerrat die staatliche Preispolitik für die einzelnen Güter festlegte. Mit einem festen Ölpreis könnte Trump auch gleich seinen besonders schützenswerten Freunden in den Regimes in Saudi-Arabien und Russland einen Gefallen tun.

Tipps für den Anleger

Derzeit besteht ein Überangebot des schwarzen „Golds“, die Lager sind voll. Darum der Anlagetipp der Redaktion: Chartern oder besser kaufen Sie noch heute einen Öltanker und warten dann ab, bis der Ölpreis wieder steigt! „Tanker sind der einzige Ort, wo das Kapital der Energiebranche hin kann, bevor sich das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wieder umkehrt“, sagte Jon Chappell, Analyst von Evercore ISI, dem Manager Magazin. Wie das Magazin berichtet, meldet Reuters aus Schifffahrtskreisen, dass derzeit der Rekordwert von 160.000 Millionen Fass Öl auf See zwischengelagert werde – fast doppelt so viel wie in der Weltwirtschaftskrise 2009. 60 Supertanker seien zu diesem Zweck gechartert worden, in den kommenden Wochen dürfte ihre Zahl auf 200 steigen, und das zu stark steigenden Preisen: Die Charterrate für einen Tag habe sich auf mehr als 100.000 Dollar vervielfacht, teils würden Spitzenpreise von 400.000 Dollar gezahlt, nur um Öl irgendwo aufbewahren zu können.

Kleinanleger können auch ihre Badewanne mit Öl volllaufen lassen. Im Schnitt fassen Badewannen etwa 150 Liter. Nimmt man noch all die überflüssigen Einmachgläser im Keller dazu, lässt sich ein Barrel, also ein Fass zu 159 Liter, zwischenlagern. Schöner Nebeneffekt: Man gewöhnt sich leichter das Rauchen ab.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell!

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