Alternative Anlagen
30. November 2021

BAI: Pensionskassen gehen bei Alternatives in die Vollen

Deutsche Großanleger wollen den Anteil alternativer Anlagen in ihren Portfolios weiter hochfahren. Laut einer Umfrage des BAI wollen vor allem Pensionskassen kräftig aufstocken. Versorgungswerke setzen sich die höchsten SAA-Quoten.

Institutionelle Anleger haben auch während der anhaltenden Covid-19-Pandemie im Jahr 2021 ihre Portfolioallokation hin zu alternativen Anlagen verlagert. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands Alternative Investments e.V. (BAI).

An der jüngsten Befragung, die der Alternatives-Verband seit 2013 jährlich durchführt, haben 104 (im Vorjahr: 77) institutionelle Anleger deutschlandweit teilgenommen, darunter Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke. Zusammen verwalten die Befragten Vermögen im Wert von über 1.700 Milliarden Euro (i.V.: 1.300 Milliarden Euro). Sie gaben dem BAI, der sich selbst als zentrale Interessenvertretung der Alternative-Investments-Branche in Deutschland bezeichnet, vertiefte Einblicke in ihr Portfolio sowie in Bezug auf Chancen und Herausforderungen für die institutionelle Kapitalanlage in Deutschland.

Teilnehmerrekord schafft mehr Transparenz

BAI-Vorstandsmitglied Andreas Kalusche zeigte sich sehr erfreut über den neuen Teilnehmerrekord: „Ein Großteil der deutschen Altersvorsorge ist mittlerweile in unserem Survey repräsentiert und gibt eine klare Botschaft: Alternative Investments sind wichtiger denn je und sie spielen eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der nachhaltigen und digitalen Transformation.“ Der Wachstumstrend bei alternativen Anlagen setze sich fort, so Kalusche, vor allem im Segment der sogenannten Privatmarktanlagen, wie Private Equity und Private Debt.

Großanleger setzen auf Alternative Investmentfonds

Die am stärksten im institutionellen Portfolio verbreiteten Anlageklassen sind Real Estate Equity und Private Equity mit 77 Prozent beziehungsweise 75 Prozent, wie der BAI aus seiner Umfrage herausgefiltert hat. Ebenfalls weit verbreitet sind Infrastruktur Equity mit 70 Prozent und Corporate Private Debt mit 66 Prozent. Alternative Investmentfonds (AIFs) seien in diesem Zusammenhang weiter „bewährte und präferierte Zugangsvehikel für deutsche institutionelle Investoren“, heißt es beim BAI.

Deutsche Investoren verfügen nach Einschätzung von BAI-Geschäftsführer Frank Dornseifer „mittlerweile über eine hohe Expertise im Umgang mit Alternative Investments“. Anfängliche Berührungsängste seien – abgesehen vom Segment Hedgefonds – endgültig ad acta gelegt. Insgesamt beziffert der BAI den Anteil alternativer Anlagen an den Portfolios der Großanleger mit knapp 23 Prozent. Das sei „ein starkes Zeichen“, findet Dornseifer. „Vor allem auch für die AI-Branche, denn die Investoren setzen als Zugangsweg vor allem auf AIFs, egal, ob als Single- oder Dachfonds, und zwar nicht nur um das Portfolio zu diversifizieren, sondern vor allem auch um die ESG-Integration voranzutreiben.“

Große Dynamik bei Private Debt

Gegenüber portfolio institutionell betont Frank Dornseifer, dass sich der „Private-Markets-Trend“ der letzten Jahre verstärke. Man verzeichne einen regelrechten Nachfrageschub bei Infrastruktur-Equity, sowie bei Private Equity und Private Debt, wobei Letzteres „die größte Dynamik aufweist, auch mit Blick auf die strategische Asset Allocation“.

Mit Blick auf die unterschiedlichen deutschen Anlegergruppen, ihre Portfoliostrukturen und ihre Pläne erläutert Dornseifer, dass Versicherer bereits eine starke Allokation auf der Eigenkapitalseite in den Bereichen Real Estate, Infrastruktur und Private Equity haben. Auf der Fremdkapitalseite führe Private Debt vor Infrastruktur und Real Estate, wobei bei den Letztgenannten in den nächsten Jahren der stärkste weitere Ausbau angezeigt werde.

Bei Versorgungswerken seien die genannten Anlageklassen ähnlich stark vertreten, während Pensionskassen von einem etwas niedrigeren Niveau eine deutlich höhere weitere Allokation planen. Gemessen am Gesamtportfolio seien die Quoten der Strategischen Asset-Allokation (SAA) für die einzelnen Asset-Klassen bei den Versorgungswerken dabei am höchsten.

BAI: Beteiligungsquoten ändern sich

Laut der Umfrage sind 88 Prozent der Pensionskassen im Immobilien-Equity-Bereich investiert, gefolgt von Infrastruktur-Equity mit 63 Prozent und Private Equity mit 56 Prozent. Es wird jedoch erwartet, dass sich die Beteiligungsquoten ändern werden, insbesondere für Infrastruktur (Eigen- und Fremdkapital) sowie Corporate Private Equity und Debt. Hier streben 13 bis 19 Prozent der Kassen den erstmaligen Markteintritt an. „Wir werden unser Private-Debt-Programm durch Kreditspezialitäten weiter diversifizieren“, zitiert der BAI den Vertreter einer großen Pensionskasse.

Das Teilnehmerfeld der Umfrage ist sehr vielfältig. Mehr als zwei Drittel der Befragten repräsentieren Versicherungen (31 Prozent), Pensionskassen (15 Prozent) und Versorgungswerke (15 Prozent). Die Höhe der Assets under Management (AuM) variiert daher bei den Anlegern stark, von unter einer Milliarde Euro bis deutlich über 50 Milliarden Euro.

Den vollständigen Bericht über die BAI-Umfrage finden Sie auf der Homepage des Verbandes.

Alternatives können im Crash schützen

Vor wenigen Tagen hatte der BAI eine neue Studie („Der Diversifikationseffekt von Alternative Investments in Krisenzeiten – Tail Risk Mitigation im institutionellen Portfolio“) veröffentlicht. Die Autoren zeigen, dass alternative Investments insbesondere auch in Zeiten größerer Marktschwankungen der besseren Diversifizierung und Optimierung der Rendite-Risiko-Struktur des Portfolios dienen und zunehmend eine bedeutende Rolle in der Minimierung von Tail-Risiken im institutionellen Portfolio einnehmen.

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