Jahreskonferenz
11. September 2023

Per Astoria ad Astra

Er ist Träger des Spinoza-Preises, der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung der Niederlande, sowie zahlreicher weiterer Ehrungen, Astrophysiker und Bestsellerautor: Prof. Dr. Heino Falcke. In seiner Abschluss-Keynote auf der Jahreskonferenz erinnerte er an einen ganz besonderen Tag, den 10. April 2019. Was dieser Tag, an dem ein Bild um die Welt ging, für die Menschheit und für portfolio institutionell bedeutet, lesen Sie in diesem Text.

Manchmal liegen wichtige Ereignisse so dicht beieinander, dass wir entscheidende Zusammenhänge erst erkennen, lange nachdem der Moment vorüber ist. So ist es vielleicht auch mit der „Reise ans Ende von Raum und Zeit“. So lautete nämlich der Titel des Vortrags von Professor Dr. Heino Falcke, Astrophysiker und Radioastronom am Institut für Mathematik, Astronomie und Teilchenphysik der Radboud Universität in Nimwegen, Niederlande, auf der portfolio institutionell Jahreskonferenz 2023. Dabei ging es um ein Ereignis, welches sich etwa vier Jahre zuvor, und damit ­genau einen Tag vor der damaligen portfolio institutionell Jahreskonferenz vom 11. ­April 2019, zugetragen hatte. Der Titel der Veranstaltung von ­damals hatte gelautet: „An einem Tag um die Welt“ und es ging ­dabei ­zuvorderst um Infrastruktur.

An diesem Tag um die Welt ging ­jedoch auch ein Bild, welches die Titelseiten der internationalen, nationalen, wie regionalen Tageszeitungen zierte und für ­welches Professor Falcke und sein Team verantwortlich zeichneten: Die weltweit erste Aufnahme eines Schwarzen Lochs – in einem ­komplexen Prozess sichtbar gemacht durch das virtuelle Zusammenschalten von Radioteleskopen auf der ganzen Welt. ­Diese ­wurden virtuell quasi zu einem Riesenteleskop zusammengesetzt, das so groß ist wie die gesamte Erde!

Ob es damals, im Jahr 2019, in den Pausen der Jahreskonferenz, auch um diese spektakuläre Aufnahme ging, ist nicht überliefert. Man darf freilich spekulieren, welche Zufälle noch hinzukamen, damit der Mann, der die bahnbrechende Aufnahme mit seiner inter­nationalen Forschungsgruppe, der sogenannten Event ­Horizon Telescope Collaboration, am 10. April 2019 in Brüssel der Weltöffentlichkeit vorgestellt hatte, etwa vier Jahre später im Berliner­ Waldorf Astoria sprechen sollte und witzelte, es ­seien ­zwischen Urknall und Apokalypse schon viele kreative Dinge entstanden, wie zum Beispiel das Hotel Waldorf Astoria, und viele, auch positive Dinge seien künftig noch zu erwarten.

War alles Zufall oder ein Wink des Schicksals? Es war jedenfalls wieder Donnerstag an diesem 22. Juni 2023 und im großen Ballsaal des Waldorf Astoria nahm Professor Falcke seine institutionelle ­Zuhörerschaft behutsam mit auf die Reise ins Weltall und führte sie mit ­Spannung heran an die erschütternde Ambivalenz dieses bis dato nur ­mathematisch bewiesenen Extremfalls der allgemeinen Relativitätstheorie: „Wir haben am Rand eines Schwarzen Lochs die größte Energie, die größte Hitze, die größte Helligkeit, die Sie sich im Universum vorstellen können, und im Zentrum die dunkelste Dunkelheit und die kälteste Temperatur. Das sind die größten ­Extreme, die zusammenkommen.“

Damit war der Spannungsbogen gezogen und die Reise in die ­„dynamische Welt, wo Sterne geboren werden und wieder sterben“, hatte begonnen. Wie Black Holes entstehen können, ­beschreibt ­Falcke anhand der Explosion einer Supernova: „Wenn die Kernfu­sion im Kern eines Sterns aufhört und der Stern implodiert, werden seine Elemente wieder zurückgegeben ans Weltall – Elemente ­Ihres Körpers waren schon einmal Teil einer Explosion einer ­Supernova“, sprach Falcke das Publikum an. Zugleich aber werde der Kern unter dieser Kraft zusammengedrückt und wo sehr viel Materie sei, steige die Anziehungskraft, was wiederum den Kern weiter zusammendrückt, dessen Anziehungskraft weiter steigt und so fort.

Und dann spricht Falcke einen denkwürdigen Satz: „Das ist ein Runaway-Prozess, der niemals aufhört, weil dann die allerkleinste aller Kräfte auf einmal durch die Vielzahl an Materie die ­allerstärkste aller Kräfte wird.“ Kaum vorstellbar scheint: Im Schwarzen Loch gibt es kein Halten mehr, der Raum selber dehnt sich weiter aus und hat Platz für immer mehr Materie, die bis zur Unkenntlichkeit schrumpft: „Unsere Erde, auf zwei Zentimeter Durchmesser komprimiert, wäre dann ein Schwarzes Loch.“

Dieser dunkelste aller Orte des Universums inspirierte so ­manchen Investor denn auch zu metaphysischen Gedanken zum Jenseits und über die Existenz Gottes, was in der angeregten Fragerunde im Anschluss an Falckes Vortrag seinen Nachhall fand. Wo wohnt Gott, so es ihn gibt, und kann ein Schwarzes Loch womöglich die Verbindung darstellen von unserer Welt und der des Universums hin zu ­etwas Größerem, das uns verborgen bleibt – zu einem höheren Selbst? Steht das Schwarze Loch für den Tod und das, was ­womöglich danach folgt? Und wie lange dauert es eigentlich, bis das ­Universum in all den Schwarzen Löchern verschwunden ist?

Mit der Antwort auf diese Milliarden-Frage befand man sich ­wieder in für institutionelle Anleger gewohntem Terrain, auch wenn es hier um Jahre geht und nicht um Euro oder Dollar. Alles wird hier nicht verraten, nur so viel: Die Antwort liegt eindeutig im mittleren bis ­höheren zweitstelligen Bereich. Und um die Brücke zum Jahr 2019 nochmal zu schlagen: Damals wurde auf der Jahreskonferenz von portfolio institutionell viel über die bis dato noch recht junge ­Neugründung der Initiative Deutsche Infrastruktur (IDI) diskutiert. Deren Mitglieder bringen heute ein Kapitalanlagevermögen von rund 400 Milliarden Euro auf die Waage.

Laut Professor Falcke entspricht diese Summe der geschätzten maximalen Anzahl der Sterne, mit der beispielsweise die Andromeda-Galaxie aufzuwarten hat. „Und nicht nur 200 bis 400 Milliarden Sterne, sondern auch 100 bis 200 Millionen kleiner Schwarzer Löcher fliegen durch diesen Raum“, konstatiert Falcke. Spekulationen über die Möglichkeit, die enorme Energie der Schwarzen Löcher auf der Erde einmal nutzbar zu machen, erteilte Falcke jedoch eine Absage, dies werde in ­absehbarer Zeit nicht möglich sein. Und ob Schwarze Löcher Endpunkte der Physik darstellen, darüber zeigte sich Falcke klar. „Das werden Endpunkte sein, es sei denn, wir finden eine ganz andere Physik. Ein bisschen Bescheidenheit werden wir vielleicht ­lernen müssen in den nächsten hundert Jahren“, so Falcke.

Ein weiterer unfasslicher Satz Falckes, der Zuhörern vermutlich noch länger im Gedächtnis bleiben wird: „Wir haben tatsächlich mehr Sterne am Himmel, als Sandkörner an den Stränden unserer Meere.“ Vielen Anwesenden im Saal dürfte der Astronom und Bestsellerautor, der in Köln geboren ist, damit eine Gänsehaut ­gezaubert und sie an ihre „sandkornhafte Existenz“ erinnert haben, wie Chefredakteur Patrick Eisele am ­Ende des Vortrags zusammenfasste. Demut durchzog­ denn auch die letzte Wortmeldung aus dem Publikum, zur Quantenphysik, die ­umgekehrt immer mehr in die kleinsten Bereiche vordringe, wo die Messfähigkeit – ganz ­ähnlich wie bei Schwarzen Löchern – ihre Grenzen finde. Das ­Universum bleibt, im Kleinen wie im Großen, ein Faszinosum.

Autoren:

Schlagworte:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert