17. September 2012

Performance per Portas

Gegenüber Volatilität wappnet man sich nicht zuletzt mit Information. Herangetragen wird das gestiegene Informa­tionsbedürfnis der Investoren vor allem an die Master-KAGen, die ihre Reportings permanent weiterentwickeln.
Den ­jüngsten Entwicklungssprung präsentiert nun Universal-Investment in Form eines umfangreichen Portals.

Aufsichtsrechtliche Änderungen, die Finanzkrise und Weiter­entwicklungen im Risikomanagement fordern Administratoren ­insbesondere beim Reporting. Bereits 2010 stellten die Master-KAG-­Spezialisten der HSBC Inka den Entwicklungssprung von einem statischen zu einem interaktiven Reporting vor. Im gleichen Jahr präsentierte die Helaba Invest ihren Master-KAG-Kunden ein E-Reporting-Update, welches „noch anwenderfreundlicher und individualisierbarer ist“. 2011 gab der Global Custodian State Street die Übernahme der ­Complementa Investment-Controlling AG bekannt, um seine ­Reporting-Kompetenzen zu erweitern. Nun hat Universal-Investment (UI) nachgezogen.

Der größte Master-KAG-Anbieter, der derzeit über 130 Milliarden Euro administriert, hat einiges in einen großen Wurf investiert. Allem voran ist hier die Verpflichtung von Carsten Steimer als „Produkt­manager Reporting“ im Januar dieses Jahres zu nennen. Steimer, der zuvor zehn Jahre beim Riskmetrics-Konkurrenten Statpro in London arbeitete, bekleidet eine Querschnittsfunktion, die keiner Abteilung zugeordnet ist. Neben dieser Personalie seien auch die ­Anforderungen der Fondsinitiatoren aus dem White-Label-Geschäft und aus dem Overlay-Angebot hilfreich für die Weiterentwicklung gewesen.

Die im bedienerfreundlichen sogenannten Kachelformat aufgesetzte Universal-Neuentwicklung betont den Portalgedanken besonders stark. „Unser Power-Portal ist mehr als ein E-Reporting“, erklärt Carsten Steimer. „Unser Portal bietet neben einer Vielzahl an neuen, intuitiv bedienbaren und interaktiven Reporting-Möglichkeiten ­zusätzlich für Investoren relevante Nachrichten, aktuelle Analysen ­unserer Steuer- und Rechtsexperten sowie künftig auch weitere praktische Funktionen, wie Dokumentenmanagement oder Frontoffice-Tools.“­ Wichtig war Universal-Investment bei der Entwicklung des Portals, dass der Kunde jederzeit und von überall darauf ­zurückgreifen kann. Er muss dafür keine App herunterladen, sondern braucht nur einen Internet-Browser. Die mobile Nutzung sei bei institutionellen Investoren noch lange nicht Standard, werde aber verstärkt genutzt und gefordert.

Eine Anlaufstelle für alle Fragen zu einer Asset-Klasse zu haben, hat natürlich Charme. „Der Portalgedanke und zentrale ‚Cockpit‘-Funktionen, wie in unserem interaktiven Reporting, sind en vogue“, bestätigt auch Alexander Poppe. Für den Administrationsspezialisten der HSBC Inka, die ihre Assets under Administration bei den deutschen Fonds deutlich von 70 Milliarden Euro 2010 auf derzeit 98 steigern konnte, stellt sich hier aber die Frage, welche Zusatzinformationen, die nicht mehr direkt die Fonds des Kunden, sondern den ­Gesamtmarkt betreffen, den Kunden letztlich einen Mehrwert bieten. Womöglich ist Universal-Investment ja auch versucht, an dieser Stelle Informationen zu thematisch passenden Publikumsfonds aus dem White-Labelling-Geschäft einzustellen? Universal-Investment weist allerdings darauf hin, dass jeder Kunde selbst bestimmt, welche Informationen in das Portal eingestellt werden sollen. Seine Benutzeroberfläche kann er individuell nach seinen Bedürfnissen gestalten. Ebenfalls individuell gestaltbar ist das Reporting. Je nach Kundengruppe und Funktion des einzelnen Nutzers müssen die Informationen mundgerecht aufbereitet werden. „Während der Buchhalter zum Beispiel einmal im Jahr 300 standardisierte Seiten für die GuV braucht, benötigt ein Leiter Kapitalanlage täglich kurze, maßgeschneiderte ­Reports“, erläutert Steimer. „Jeder Investor kann sein ‚Cockpit‘ individuell­ gestalten sowie mehrdimensionale Analysen selbst durchführen und erhält so einen Überblick über alle Anlagen.“ Zu den kunden­gruppenspezifischen Anforderungen zählt zum Beispiel die Durchschaumöglichkeit für Versicherungen im Hinblick auf Solvency II. Tendenziell schwerer als KAGen tun sich Global Custodians beim ­Angebot von individuellen Lösungen. „Mit unserem Angebot verbinden wir auch das Ziel, Anleger zu gewinnen, die ihr Reporting bislang nicht von uns bezogen haben“, sagt Steimer. 

_Sofortanalysen statt Hausaufgaben

Neben dem Portalgedanken und der Erweiterung des Reporting-Werkzeugkastens stehen bei der UI-Weiterentwicklung Performance-Analysen insbesondere für Fixed Income im Vordergrund. Universal-Investment betont, dass man bei den Service-KAGen mit der nun ­angebotenen Performance-Attribution für das Segment „Fixed ­Income“ ein Alleinstellungsmerkmal habe. Steimer: „Übersichtlich aufbereitet kann sich der Investor nun über wenige Klicks sofort ­anzeigen lassen, ob die Performance beispielsweise aus dem FX-­Management, aus Spreads oder von der Einzeltitelauswahl herrührt.“ Ebenfalls kann sich der Investor nun unter anderem in der Asset-­Klasse „Renten“ erstmals ad hoc seine Fonds, die darin enthaltenen Staaten, Bonitäten, Durationen und Wertpapiertypen über ­verschiedene Ebenen per Drill-Down anzeigen lassen.
Das Warten auf Berichte hat damit ein Ende. Auch neu im Angebot sind zum Beispiel Sensitivitätsanalysen zur Risikobeurteilung. „Ebenfalls möglich sind nun Simulationsmöglichkeiten zur Reagibilität des Portfolios: So können als ­historische Szenarien der Oktober 87, Russland 98 oder der 11. September simuliert werden. Individuelle Stresstests, wie ein Dollar-Rückgang von 20 Prozent, sind ebenfalls möglich, genauso wie Stresstests für das Asset-Liability-Management“, so Steimer. Wie Universal-Investment bietet aber auch die Inka Performance-Attributionen als integrierte Lösung an. Die Integration führt zu den Vorteilen „Flexibilität“ und „Schnelligkeit“. „Früher hat man Anfragen, wie die Performance ab zum Beispiel dem 17. März mit einer anderen Benchmark abzugleichen, dem Administrator als Hausaufgabe aufgeben ­müssen“, so Poppe. Nun können Zeiträume und Benchmarks ad hoc individuell gewählt werden.

_Die Zukunft der Administration

Wohlgefallen bei den Kunden sollte auf jeden Fall finden, dass mit dem Power-Portal selbst keine Mehrkosten verbunden sind. Diese ­bestehen aber für die aufwendigen Performance- und Risikoanalysen. Steimer verweist hier auf die entsprechenden Lizenzkosten.

Es wird interessant zu sehen sein, welche weiteren Dienstleistungen und Applikationen von der Administrationsseite künftig angeboten werden. Zu erkennen sind wichtige Treiber schon heute: Aufsichtsrecht und Risikomanagement sowie die damit verbundenen ­Reportings. „Für Emir laufen bei jeder Depotbank und KAG entsprechende Projekte“, sagt Poppe. Angebote für Collateral Management werde es zwar naturgemäß von Depotbanken geben, so Poppe, der hier auf die Auswahl des Central Clearing Counterparts verweist: „­Initiiert werden die Derivate-Geschäfte von den Asset Managern, und damit stellt sich für die KAGen die Frage, mit wem man eine Zusammenarbeit anstrebt.“

Ein weiter anhaltender Trend dürfte das konsolidierte Reporting sein. Dieses wird nicht nur die direkt gehaltenen Wertpapiere ­umfassen. „Wir können auch direkt gehaltene Immobilien, Immobilien­fonds oder Windkraftanlagen integrieren“, so Steimer. Poppe kann sich diesen Konsolidierungsplänen auch für alternative Assets anschließen – allerdings noch nicht für das „Mode“-Asset ­Infrastruktur. „Bei Infrastruktur sind die Kunden eher noch in der Phase der Investitionsentscheidung als bei Reporting-Fragen.“ Bei den Reporting-Trendsettern ist auch die Nord/LB Asset Management Gruppe zu nennen. Seit Mai bietet der Hannoveraner Administrator Risiko-Reporting als externe Dienstleistung an und liefert dem Anleihe­manager Bantleon monatlich ein umfangreiches Reporting für alle von Bantleon gemanagten Publikumsfonds. Damit, so die Nord/LB, erbringe man erstmals Dienstleistungen des Investment Controllings bei Assets, die von der Nord/LB weder gemanagt noch verwaltet werden. Die Nord/LB plant, dieses Angebot auszubauen.

Abzusehen ist, dass die weitere Entwicklung bei Risikomanagement und Reporting weniger von den Märkten als von aufsichtsrechtlichen Anforderungen bestimmt sein wird. „Wir planen unseren ­Reload für 2013. Dieser soll neben technischen die neuesten regulatorischen Facetten abbilden, also Funktionen für Meldewesen und ­Solvency-II-Anforderungen.“

portfolio institutionell, 17.08.2012

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