Strategien
30. September 2020

PGI schlägt Zombie-Alarm

Energiesektor besonders stark betroffen. IW Köln: 4.300 Zombie-Unternehmen bis Jahresende.

PGI warnt in einer aktuellen Studie vor einer „wachsenden Horde von Zombie-Unternehmen“. Um diesem angesichts hoher Unternehmensverschuldung bei schlechteren Zukunftsprognosen in die Mode gekommenen Begriff Gehalt zu geben, definieren sie fünf Indikatoren, um potenzielle Zombie-Firmen zu identifizieren. Das Ergebnis einer Auswertung des MSCI All-Country World Index: Die Anzahl ist gegenüber 2019 signifikant gestiegen.

Bei den fünf Kriterien handelt es sich um den Interest Coverage Ratio, Return on Common Equity Spread, den Altman Z Score, Low Sales Growth (YoY) und Low Sales Growth über drei Jahre betrachtet. Besonders hinsichtlich der verschlechterten Schuldentragfähigkeit, dem ersten Indikator, schlagen die Analysten Alarm. So stieg der Anteil derjenigen Firmen, die einen Zinsdeckungsgrad (EBIT dividiert durch Zinslast) von unter 2,0 vorweisen, im Jahresverlauf 2020 von 14 Prozent auf 30 Prozent. Besonders ausgeprägt ist dies im Energiesektor: Hier liegt der Anteil bei 71 Prozent, während dieser Wert 2019 noch bei 23 Prozent lag.

„Die Horde der Zombie-Unternehmen ist im ersten Halbjahr 2020 stark gewachsen. Für viele Unternehmen waren die Lockdowns im Zusammenhang mit dem Coronavirus der Auslöser, ein lebendiges Geschäftsmodell zu verwandeln in eines, das dem Untergang geweiht ist“, so die PGI-Analysten. Aktuell würden die staatlichen Rettungsprogramme und die lockere Geldpolitik viele Zombie-Firmen künstlich am Leben erhalten. Mit absehbarer Fortsetzung: „Am Ende werden solche Unternehmen doch scheitern. Für Investoren ist es entscheidend, sie aus dem Portfolio herauszuhalten.“

Aussetzen der Insolvenzpflicht

Vor einem künstlich herausgezögerten Überleben warnte auch das IW Köln Anfang des Monats mit Blick auf Deutschland. Das Institut kam auf eine Zahl von bis zu 4.300 Zombie-Unternehmen bis Jahresende. Grundlage der Schätzung ist die Schätzung, dass aufgrund des Wirtschaftseinbruchs im ersten Halbjahr selbst bei einer raschen Erholung ein Anstieg der Insolvenzzahl um 15 Prozent zu erwarten wäre, so Berechnungen vom IW und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Im Mai hatten jedoch aufgrund des Aussetzens der Insolvenzpflicht fast zehn Prozent weniger Unternehmen Insolvenz angemeldet als im Vorjahr. Auf das Jahr hochgerechnet sei bei einer Verlängerung der Regelung mit einem Einbruch der Insolvenzen um acht Prozent zu rechnen. Dies ergibt eine Lücke von 23 Prozent oder 4.300 Unternehmen zwischen den aktuell erwarteten Zahlen und den Insolvenzzahlen, welche ohne Aussetzung der Insolvenzpflicht erwartbar wären.

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