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25. Februar 2026

Plattformen sind ein Sprungbrett in Private Debt

Das Interesse institutioneller Anleger an Private Debt reißt nicht ab. Doch wie steht es um den Zugang? Wer bietet Hilfestellung? Und was braucht man, um erfolgreich in Kredite zu investieren? Eine Anlaufstelle sind Rechtsberater und Admin-Plattformen.

Die Vergabe von Unternehmenskrediten ist Sache von Banken und Sparkassen! Die Zeiten, in denen diese geradezu selbstverständliche Aussage Gültigkeit hatte, sind längst vorbei. Seit geraumer Zeit entwickelt sich abseits des öffentlichen Bankenlagers ein dynamischer Markt für nicht-börsennotierte Fremdfinanzierungen – und mit ihm die Anlageklasse Private Debt.

Infolge stetiger Zuwächse hat sich die Kreditvergabe durch Private-Debt-Fonds als alternative Finanzierungsoption etabliert, wie Zahlen des Datenspezialisten Preqin zeigen. Beliefen sich die Private Debt Assets under Management zu Beginn des Jahrtausends noch auf deutlich unter 100 Milliarden Dollar, sollen sie gegen Ende dieses Jahrzehnts die Marke von 2,6 Billionen US-Dollar übersteigen.

Dass sich das Private-Credit-Geschäft weiterhin dynamisch entwickelt, hat nach Angaben von Emmanuel Deblanc mehrere Gründe. Laut dem CIO Private Markets bei M&G Investments wird die Nachfrage unter anderem getragen vom Wunsch der Investoren nach Diversifikation, laufenden Erträgen und dem Floating-Rate-Charakter der Anlagen.

Die Bereitstellung von Fremdkapital durch Nichtbanken hat sich nach Einschätzung von Michael Theurer, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Finanzierungsquelle für die Realwirtschaft entwickelt. „Unternehmen, die keinen Zugang zu traditionellen Bankkrediten oder öffentlichen Anleihemärkten haben – etwa aufgrund ihres Risikoprofils oder ihrer Größe – wenden sich zunehmend an Private-Debt-Fonds und andere alternative Kreditgeber“, hob Theurer im Oktober in einer Rede hervor, bei der Fragen der Risikoprävention im Zentrum standen.

Die USA sind führend in puncto Private-Debt-Fonds

Wenn von Private Debt die Rede ist, dann verbirgt sich dahinter höchstwahrscheinlich ein General Partner (GP) aus den USA. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich werden bislang fast 90 Prozent des Privat-Debt-Kreditvolumens von amerikanischen Private-Debt-Fonds gehalten, gefolgt von Europa. Nach deutschem Recht werden hingegen bislang nur wenige Private-Debt-Fonds aufgelegt, wie Bundesbankvorstand Theurer in seiner Rede zu bedenken gab.

Das Vermögen deutscher Kreditfonds liege bei weniger als 0,5 Prozent des von deutschen Banken finanzierten Kreditvolumens. „Ein Grund dafür mag sein“, so der Bundesbankvorstand, „dass die Kreditvergabe durch Fonds in Deutschland erst seit rund zehn Jahren möglich ist.“ Das bedeute aber natürlich nicht, „dass Private Debt in Deutschland und Europa keine wichtige Rolle spielt, denn europäische und außereuropäische Fonds vergeben hierzulande Kredite. Unternehmen des Euroraums erhalten sogar den Großteil der Private-Debt-Finanzierungen von außereuropäischen Fonds. Und klar ist auch: Wir erwarten ein weiteres Wachsen von Private Debt in Europa.“

Wie die Rede des Bundesbankvorstands außerdem gezeigt hat, stehen sich Private Debt und der traditionelle Bankensektor nicht wie zwei Säulen ohne Berührungspunkte gegenüber. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: eine zunehmende Verflechtung beider Seiten. Banken können ebenso direkt wie indirekt mit dem Private-Debt-Markt verwoben sein. Sie finanzieren Fonds, halten Fondsanteile und haben möglicherweise Forderungen gegenüber Unternehmen, die auch von Private-Debt-Fonds Mittel erhalten. „Verflechtung im globalen Finanzsystem kann zwar grundsätzlich auch stabilisierend wirken, aber sie birgt immer auch das Risiko von Ansteckungseffekten“, erinnerte Theurer. Mahnende Worte gab es zuletzt auch von der Eiopa. Die Aufsichtsbehörde warnte im Dezember vor systemischen Risiken durch Private-Credit-Investitionen von Versicherungen und Pensionskassen. Sie gab zu bedenken, dass sektorale und geografische Klumpenrisiken bei mangelnder Risikosteuerung die mit der Anlageklasse verbundenen Vorteile der Diversifizierung zu überlagern drohten.

So gelingt der Einstieg in Private Debt

An der Kreditvergabe im weitesten Sinne führt in den Portfolien institutioneller Anleger schon länger kein Weg vorbei. Wie die jährliche Investorenumfrage des Bundesverbands Alternative Investment (BAI) im vergangenen Jahr gezeigt hat, sind insbesondere Investments in das Segment Corporate Private Debt mit einem Anteil von zuletzt 72 Prozent weit verbreitet. Vor wenigen Monaten gab beispielsweise die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) die Vergabe von zwei Mandaten für europäisches Infrastrukturfremdkapital in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Euro bekannt. Über die Mandate in Höhe von jeweils 750 Millionen Euro konnten sich Allianz Global Investors und die zu Blackrock gehörenden Global Infrastructure Partners freuen.

Doch eine solche Erfolgsmeldung, wie die VBL sie veröffentlicht hat, kommt nur selten vor. „Viele institutionelle Investoren suchen erst noch den Einstieg in Private Debt“, sagt Ralf Rosenbaum, Sprecher der Geschäftsleitung der Bayern-Invest Luxembourg. Private-Debt-Fonds sind für ihn und sein Team Tagesgeschäft. Das Unternehmen ist auf die Verwaltung Alternativer Investmentfonds (AIFs) spezialisiert, verfügt über eine Erlaubnis als Alternative Investment Fund Manager (AIFM) und übernimmt die vollständige regulatorische Verantwortung für institutionelle Investmentvehikel, einschließlich des Portfoliomanagements.

Auch die Fondsspezialisten von Universal Investment sind in Luxemburg präsent. Das Großherzogtum bildet damit neben Deutschland und Irland den dritten Standort der Gruppe. Und ebenso wie die Bayern-Invest bietet auch Universal Investment eine spezialisierte „Plattform“ an, genau genommen eine „Open-Architecture-Plattform“. Universal Investment Luxemburg ist laut der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC der größte AIFM in Luxemburg.

Markus Bannwart zufolge suchen institutionelle Investoren beim Thema „Private Debt“ nach Unterstützung. Bild: Universal Investment.

Markus Bannwart, Area Head of Alternative Investments & Structuring, umreißt das Geschäft im Redaktionsgespräch so: „Als Service-KVG oder als Third Party AIFM bieten wir den regulatorischen Rahmen für einen Fonds. Und wir liefern die Services innerhalb der Open Architecture, die der Kunde wünscht.“ An dem Gespräch mit Markus Bannwart nahm auch Markus Weiss teil. Er ist Department Head Capital Markets & Fund Structuring bei Universal Investment und beschäftigt sich mit Themen rund um die Strukturierung von Investmentvehikeln.

Fondsvehikel für GPs aus Übersee

Grundsätzlich unterscheidet man in dem Geschäft zwei Kernfunktionen: Das sind das Risikomanagement und das Portfoliomanagement – die Aufgaben eines AIFM. „Und regulatorisch muss der AIFM eine der beiden Kernfunktionen hauptverantwortlich ausführen, eine kann er an einen geeigneten Dritten delegieren“, sagt Markus Bannwart von Universal Investment. „Wir behalten in der Regel das Risikomanagement und delegieren das Portfoliomanagement, wenn der Kunde das wünscht. Aber natürlich können wir auch diese Aufgabe übernehmen.“

Häufig verfügen Fondsinitiatoren, zum Beispiel Asset Manager aus dem englischsprachigen Raum, über die notwendigen regulatorischen Anforderungen, um die Funktion des Portfoliomanagers des Fonds zu übernehmen. Abseits der Kernfunktionen ergänzen Nebenfunktionen wie zum Beispiel die Administration, die Buchhaltung des Fonds, die Transfer- und Registerstelle und das Reporting, die Plattform. Darüber hinaus wird die Verwahrstelle an die Plattform angebunden. „Unsere Kunden können die Dienstleister rund um den Fonds frei wählen, oder sie können weitestgehend alles aus einer Hand von uns bekommen. Das ist es, was wir mit ‚Open Architecture‘ beschreiben“, definiert Area Head of Alternative Investments & Structuring bei Universal Investment, Markus Bannwart, das Set-up.

Im Redaktionsgespräch gibt er zu bedenken, dass institutionelle Anleger in der Regel innerhalb der Plattform keine Funktion wahrnehmen wollen, sondern über ihre Plattform – im Sinne von Fonds/Fondsvehikeln – Strategien verwirklichen. Es geht aber auch anders. „Insbesondere Versicherungsgesellschaften verfügen über eigene Asset-Management-Einheiten, welche die notwendigen Anforderungen zur Ausübung des Portfoliomanagements erfüllen. Insofern steht es der Versicherungsgesellschaft frei zu entscheiden, ob sie das Portfoliomanagement auf einer Plattform übernehmen möchte“, berichtet Bannwart.

Fondsservices aus einer Hand am Standort Luxemburg

Luxemburg hat sich in den vergangenen Jahren als Standort für Alternative Investmentfonds fest etabliert. „Wir haben hier eine Aufsicht, die kooperativ, aber durchaus auf sehr fordernde Art mit uns agiert“, lobt Rosenbaum seine Aufseher. „Die Fondsbranche ist für das Großherzogtum Luxemburg eine Kernindustrie und hat somit eine besondere Bedeutung“, erklärt er weiter.

Ebenso wie Universal Investment bietet auch die Bayern-Invest Luxemburg Fondsservices aus einer Hand an. „Als Initiator müssen Sie bei der Zusammenarbeit mit uns für keine wesentlichen Kernprozesse etwas extern zukaufen“, bewirbt Rosenbaum die Luxemburger Plattform. „Wir bieten alle Funktionen an und sichern damit von Front to Back alle Abläufe bis hin zum Reporting ab.“

Rosenbaum vertritt den Standpunkt, dass spezialisierte Platt

Spezialisierte Plattformen sind erfolgsentscheidend für Private-Debt-Strategien, sagt Ralf Rosenbaum. Bild: Bayern-Invest.

formen ein Schlüsselfaktor für den Erfolg von Private-Credit-Strategien sind. „Die Entwicklung der Kapitalmärkte zeigt mir, dass man spezialisiert sein muss“, sagt er und schneidet das Thema Geschwindigkeit an. „Früher hat man in relativ kurzer Zeit über Investitionen in illiquide Investments entschieden. Das funktioniert so heute nicht mehr. Die regulatorischen Anforderungen steigen kontinuierlich und wirtschaftliche Risiken werden ebenfalls größer. Das wirkt sich entsprechend auf die Prüfungsschritte zum Erwerb von illiquiden Investments aus. Als institutioneller Anleger müssen Sie daher einen spezialisierten Anbieter haben, der sämtliche Anforderungen – regulatorisch wie operativ – abdecken kann“. Die Bayern-Invest decke eine sehr breite Wertschöpfungskette ab, „diese haben wir entlang den Kundenanforderungen weiterentwickelt“, so Rosenbaum. „Unsere Anleger, die ein hohes Maß an Risikoaversion haben, schätzen dies sehr.“

Brainstorming für den optimalen Einstieg

Das zeigt aber auch, wie komplex die Materie ist. Insofern kann man die These in den Raum stellen, dass Anleger an Grenzen stoßen, wenn es um die Auswahl geeigneter Plattformen und Strukturen geht. Markus Weiss kommentiert die Gemengelage so: „Nehmen wir einmal an, der institutionelle Anleger, das Versorgungswerk, die Pensionskasse, das CTA, hat eine Investmentidee und will in Kredite investieren. Die erste Frage, die sich stellt, lautet: An welchem Standort soll ich eine Plattform auflegen? In Deutschland? In Luxemburg? Mit dieser Eingangsüberlegung fängt die Komplexität an.“

Markus Weiss argumentiert, die originäre Aufgabe institutioneller Anleger bestehe darin, das anvertraute Vermögen bestmöglich auf dem Kapitalmarkt anzulegen, um Renditen zu erwirtschaften, um ihre Verpflichtungen bedienen zu können. Insofern liegt der Fokus stark auf der Asset-Seite. „Es ist nicht selten, dass ein Anleger nach Unterstützung fragt, um eine Art Entscheidungs-Matrix zu bilden, um auf der Grundlage aller Informationen und noch unabhängig von der Frage nach der Strategie, die zum Einsatz kommen soll, sich für ein Domizil zu entscheiden.“

Im Raum steht dabei auch die Frage nach dem richtigen Partner, so Weiss. Gepaart mit der Frage nach dem passenden Fondsdomizil, spielen aber auch investmentrechtliche, steuerrechtliche und aufsichtsrechtliche Fragestellungen eine wesentliche Rolle bei der Entscheidungsfindung. „Insofern würde ich die These nicht unbedingt unterschreiben, dass Anleger bei komplexen Fragestellungen an Grenzen stoßen können. Viele Investoren suchen vielmehr nach Expertenwissen, welches sie zum Beispiel bei einer erfahrenen KVG in weiten Teilen erhalten können.“

Gemeinsam mit dem Investor gehe es darum, die bestmögliche Schnittmenge herauszuarbeiten. „Es ist unsere Aufgabe, diese Information verständlich aufzubereiten“, sagt Weiss. „Den Überblick über die verschiedenen Strukturen – Deutschland, Luxemburg, Irland – liefern die Experten. Am Ende muss der Anleger gemeinsam mit seinen erfahrenen Partnern die Entscheidung in puncto Investmentstruktur treffen. Und auf dem Weg dahin, kommt der Anleger oft zu uns oder zu anderen Marktteilnehmern wie zum Beispiel Anwaltskanzleien, die ihm den Weg zunächst skizzieren und die Vor- und Nachteile aufzeigen.“

Auch Markus Bannwart hat nicht den Eindruck, dass institutionelle Investoren beim Thema Private Debt an Grenzen stoßen, sondern nach Unterstützung durch erfahrene Partner suchen. „Ein erfahrener AIFM ist hierbei ein guter Ansprechpartner.“

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