Schwarzer Schwan
21. September 2018

Politiker kosten Geld, Seehofer ein Vermögen

Wir hams doch!

Der Bund der Steuerzahler hat einmal ausgerechnet, wie viel ein Politiker kostet. 478. 447 Euro, so viel Geld verbrauche ein Bundestagsabgeordneter pro Jahr. Darin enthalten sind die monatliche Aufwandsentschädigung und alle nötigen Pauschalen, um das deutsche Volk angemessen vertreten zu können. Horst Seehofer kostet aber kein Geld. Horst Seehofer, so die Zeitung Die Zeit, kostet ein Vermögen.

Angeregt dadurch, dass die Bayern überallhin Geld überweisen müssen – in den Osten den Soli, in den Norden den Länderfinanzausgleich, in den Süden Geld für das Autobahn-„Pickerl“ – kam Seehofer auf die geniale Idee einer deutschen Autobahn-Maut. Und über dieses Thema, so argumentiert Die Zeit, stritten dann 631 Bundestagsabgeordnete, die im Jahr 478.447 Euro kosten. Das macht 302 Millionen Euro! Und auch in diesen Tagen scheint der parlamentarische Betrieb nur um die Befindlichkeiten Seehofers zu kreisen.

Ein Beispiel für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Volksvermögen ist der Präsident der Türkei, Erdo Almighty. Bei seinem in kürze stattfindenden Staatsbesuch in Deutschland wird er der türkrischen Finanzkrise zum Trotz mit einem neuen Präsidentenflugzeug protzen können. Der Clou für den türkischen Steuerzahler: Bei dem Flieger handelt es sich um ein Geschenk! Diese Story gab eine über jeden Zweifel erhabene Quelle zum Besten, nämlich der staatliche Fernsehsender der Türkei, TRT.

Gute Freunde kann niemand trennen
Die FAZ zitiert die Jubelmeldung der Kollegen des türkischen Senders in voller Länge: „Der Scheich von Quatar Al Thani hat Staatspräsident Erdogan seinen Privatjet, eine Boeing 747/8 mit Vip-Ausstattung, geschenkt. Die Maschine landete auf dem Istanbuler Sabiha-Gökcen-Flugplatz und wurde in die Flotte des Präsidentenamts aufgenommen. Normalerweise befördert das Flugzeug vierhundert Passagiere in drei Klassen, in der Spezialanfertigung aber nur 76. Es wurde verlautbart, der Scheich von Quatar habe das mit Sitzungsräumen, Schlafzimmer und Krankenstation ausgestatte Flugzeug im Wert von 400 Millionen Dollar Staatspräsident Erdogan aufgrund seiner Zuneigung für ihn geschenkt.“

Schön für die Türken, von denen die meisten wahrscheinlich noch nie in einem Flugzeug gesessen sind. Etwas befremdlich womöglich aber für manche deutsche Investoren, die es aus Compliance-Gründen ablehnen müssen, sich bei Veranstaltungen in teuren Hotels am Buffet zu bedienen.

Komisch erscheint an der Geschichte allerdings, dass es Menschen geben soll, die Geschenke im Wert von 400 Millionen Dollar machen sollen. Der Schätzwert für die Vip-Version soll sogar bei 600 Millionen Dollar liegen. Komisch auch, dass die französische Presse geschrieben habe, dass der Luxusflieger an einen Staatschef verkauft worden sei und der mit dem Verkauf beauftragte Schweizer Flugzeugmakler die Maschine dann auch auf seiner Homepage als „verkauft“ deklarierte. Aber Hauptsache Erdogan hat nun ein Flugzeug mit 76 Meter Länge, mit der sich Defizite im sehr persönlichen Bereich kompensieren lassen.

Ikone aller Kleptokraten ist und bleibt aber die ex-First-Lady der Philippinen, die laut Wikipedia durch ihre „verschwenderische Extravaganz und ihre exorbitante Schuhsammlung“ Standards setzte. Sie besaß die wohl größte private Schuhsammlung der Welt mit ungefähr 3.000 Paar Schuhen. Als das Präsidentenpaar in einem Helikopter der US-Regierung fliehen musste, erreichten sie die USA mit neun Millionen US-Dollar in bar im Gepäck, Juwelen und Wertpapieren.

Es geht aber auch ganz anders. José Alberto Mujica Cordano, ehemaliger Präsident von Uruguay, behielt von seinem Präsidentengehalt von 12.500 Dollar nur zehn Prozent und spendete den Rest an kleine Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen. Ein Zehntel sei genug, da schließlich viele Bürger mit noch weniger Geld leben, so Mujica.

Die Redaktion von portfolio institutionell wünscht ein wertvolles Wochenende.

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