Alternative Anlagen
23. Oktober 2023

Preqin erwartet sinkende Management-Gebühren

Die Anbieter von Privatmarktanlagen müssen sich mächtig strecken, um frisches Kapital einzuwerben. Zugleich verbessert sich die Verhandlungsposition der Investoren.

Privatmarktanlagen sind in den Portfolios institutioneller Investoren weit verbreitet. Auf der Suche nach Rendite in Zeiten von Null- und Negativzinsen haben die Anleger ­ihre Investment-­Direktbestände in der vergangenen Dekade in komplexere Anlagen wie Private Equity, Private Debt sowie Immobilien und Infrastruktur umgeschichtet und auch global weiter diversifiziert.

Problematisch an Privatmarktanlagen sind neben ihrer Illiquidität insbesondere die teils happigen Managementgebühren, die die Limited Partners (LPs) an die General Partners (GPs) auf der Anbieterseite zahlen müssen. Die Höhe der Gebühren ist Verhandlungssache zwischen LPs und GPs; gute Beziehungen zu den gefragtesten Anbietern sind hier von großer Bedeutung. Aber auch externe Faktoren haben einen Einfluss auf die Managementgebühren, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Restriktivere Geldpolitik lässt Kapitalpool schrumpfen

Laut dem diesjährigen Private Capital Fund Terms Advisor Report des Datenspezialisten Preqin haben sich die Gebührenbedingungen für Privatmarktanlagen in den vergangenen zwei Jahren zugunsten der LPs verschoben. Als Grund verweist das Analysehaus auf die zunehmend restriktivere Geldpolitik der Notenbanken. Sie führe dazu, dass GPs nun um einen begrenzteren Kapitalpool konkurrieren müssten. Das stärke die Position der LPs in Verhandlungen.

„Insgesamt ist das Bild der Gebühren im Privatkapital von relativer Stabilität geprägt“, kommentiert der Gebührenspezialist RJ Joshua. Zugleich scheint sich das Marktumfeld weiter einzutrüben. Nach Einschätzung Joshuas stehen die Märkte in den kommenden Quartalen und Jahren vor vielen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund hält er es für möglich, dass die Gebühren „einer verstärkten Prüfung“ unterzogen werden, „weil die Barrieren für Performance zunehmen“.

Gebühren stabil bis rückläufig

Laut dem neuen Preqin-Bericht ist die Spannweite der Managementgebühren zwischen den einzelnen Segmenten erheblich. Während etwa für Wachstumskapital mittlere Gebühren von 2,05 Prozent anfallen, liegt die Verwaltungsgebühr für Immobilien am unteren Ende der Skala bei im Schnitt 1,54 Prozent.

In der kurzfristigen Betrachtung gehen die Verwaltungsgebühren teilweise zurück: Für Risikokapital (Venture Capital, VC) sind sie im Jahresvergleich etwas niedriger und von 2,02 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt 1,97 Prozent gesunken.

Preqin zufolge liegen die VC-Verwaltungsgebühren heute so niedrig wie seit 2017 nicht mehr. Die aktuellen Marktbedingungen in den letzten Quartalen hätten Fondsmanager wahrscheinlich dazu veranlasst, die Gebühren zu senken, um Kapital anzuziehen, vermutet Preqin.

In die entgegengesetzte Richtung haben sich die Managementgebühren in der Kategorie Private Debt entwickelt. Preqin zufolge betragen sie für die Direktkreditvergabe im Durchschnitt 1,73 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 1,40 Prozent gewesen.

Ein ähnliches Bild auch bei Infrastruktur: Während die größte Gruppe von Infrastrukturfonds im Jahr 2022 durchschnittliche Verwaltungsgebühren von 1,50 bis 1,74 Prozent erhoben habe, deuteten die neuesten Daten darauf hin, dass dieser Wert im Jahr 2023 auf 2,00 bis 2,25 Prozent gestiegen sei.

Zugleich macht Preqin auf einen anderen Aspekt aufmerksam: „Ursprünglich bestand der Zweck der Verwaltungsgebühren darin, die Betriebskosten zu decken, während der Carried Interest den General Partners ermöglichte, von der Performance ihrer Anlagen zu profitieren“, kommentiert Preqin und streicht heraus, dass sich diese Dynamik verschoben habe, denn „große Fondsmanager verdienen allein mit den Verwaltungsgebühren mehr als genug“.

Festverzinsliche sind gefragt

Auf der Investorenseite war es zuletzt eher still, was neue Engagements bei Privatmarktanlagen angeht. Offenbar fließt das Kapital derzeit vor allem in Festverzinsliche. Aber es gibt auch Transaktionen, etwa bei Risikokapital. So vermeldete die Gothaer-Versicherungsgruppe ein Investment in Venture Capital über 20 Millionen Euro. Die Mittel fließen in ein Portfolio von Unternehmensfinanzierungen für junge und innovative Unternehmen eines Fonds der Risikokapitalgesellschaft HV Capital.

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