Alternative Anlagen
30. Oktober 2018

Private-Debt-Spielwiese: groß und gefährlich

Private Debt ist und bleibt eine gefragte Anlageklasse. Das Risikomanagement erschöpft sich aber nicht ­allein in der Diversifikation.

Um näher an Private-Debt-Assets rücken zu können, braucht es ein eigenes Vehikel, die damit auch einen Bedeutungswandel erfahren. Dr. Sofia Harrschar, Universal-Investment: „Früher wollte man ein Vehikel, um Fonds vor steuerlichen und sonstigen Effekten abzuschirmen. Heute wollen viele Investoren enger an die Assets, um mehr Flexibilität zu haben und sich mit Blick auf die nächste Krise mehr Expertise anzueignen.“ Dazu lässt sich anmerken, dass ­Expertise auch eine Anforderung von Solvency II ist. Über den Direktbestand besteht bei vielen Versicherern bereits Expertise zu Unternehmensanleihen, die ausbaubar ist. Allerdings sind Senior Loans kein Investment Grade und weisen durch das Collateral eine höhere Komplexität auf. Ausführlich nahm auch Constantin Echter im Interview mit ­portfolio institutionell zu der Frage Stellung, warum der Münchener Verein mit einem individuellen Vehikel näher an die Assets rücken wollte: „Zum einen wollten wir ein eigenes Vehikel haben, um Guidelines festlegen und bei einzelnen Krediten mitsprechen zu können. Zum anderen wollten wir für ein besseres Monitoring auch näher an die Assets, weil diese Anlageklasse komplex und das Volumen für uns relativ groß ist. Außerdem wollen wir Know-how aufbauen.“

Für Echter entspringt ein individuelles Vehikel nicht nur dem Wunsch, näher an die Assets zu kommen sondern auch sich weiter von anderen Investoren zu entfernen. „Gegen standardisierte Private-Debt-­Programme spricht aus unserer Sicht, dass man sich dann mit anderen Investoren abstimmen und viel Cashflow-Management betreiben muss. Rückflüsse kommen in der Asset-Klasse Private Debt schnell.“ Um den Investitionsgrad hoch zu halten, entschied sich der Münchener Verein für eine Evergreen-Struktur. Dass die Versicherung etwa ein halbes Jahr investierte, um in Luxemburg ein eigenes Vehikel und einen individuellen Vertrag mit dem Asset Manager aufzusetzen, zeigt, wie wichtig Investoren die Nähe zu den Assets ist. „Langfristig ist ein eigenes Vehikel der effizienteste Weg“, betonte Echter. Von ­diesem Weg muss man aber auch den Manager überzeugen können. Ralf Kratzenberg von der Gothaer berichtete, dass man eigentlich ­zuerst in den USA investieren wollte, da die Staaten der reifere Markt sind. „Aber dort sind die GPs noch nicht offen für Strukturen, die wir als deutsche Versicherung brauchen. Bei Private Debt ist es viel komplexer und aufwändiger, passende Strukturen zu entwickeln.“

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