Alternative Anlagen
24. August 2021

Private Equity beteiligt sich an Private Equity

Die Private-Markets-Szene ist in Bewegung. Dies gilt für die ­hiesigen GPs von Dachfonds wie für ausländische Secondary-­Spezialisten. Die Motive unterscheiden sich je nach Deal.

Es tut sich was in der deutschen Private-Markets-Szene: Der Kölner Private-Equity-Pionier CAM Alternatives fusioniert mit der ­spanischen Altamar Capital Partners. Geben die zuständigen ­Behörden wie erwartet ihren Segen, entsteht ein pan-europäischer Manager von Private Assets mit einem Volumen von 14 Milliarden Euro mit über 220 Mitarbeitern. Co-Chairmen der geplanten ­Altamar CAM Partners S.L werden Claudio Aguirre und Dr. Rolf Wickenkamp sein.

„Das wird eine Fusion wie aus dem BWL-Lehrbuch“, freut sich ­Wickenkamp im Gespräch mit portfolio institutionell. „Es gibt ­keine Überschneidungen bei den Kunden, keine in den Regionen, aber eine gemeinsame Schnittmenge bei den Segmenten.“ CAM ist in Köln beheimatet und hat Standorte in London und Vancouver, Altamar ist in Madrid, Barcelona, New York, Santiago de Chile und Taipei vertreten. Interessant könnte für die Kölner künftig vor ­allem der Standort in Südamerika sein. „Der Zusammenschluss ­eröffnet uns einen Zugang zu den Fondos de Pensiones in Chile, Peru und Kolumbien“, blickt Wickenkamp voraus.

Bezüglich der Segmente erläutert der CAM-Gründer, dass beide Häuser die ­Felder Buyouts, Infrastruktur und Private Debt ­beackern. Allerdings dotiere CAM eher Midmarket- und Lower-Midmarket-Buyout-Fonds und die Zielfonds des neuen Partners würden sich eher auf größere Buyouts fokussieren.

Zudem kann CAM in die neue Ehe noch Spezialitäten wie ein auf den Healthcare-Sektor fokussiertes FoF-Programm, oder einen auf Deutschland spezialisierten Private Equity FoF mit Schwerpunkt auf Co-Investments einbringen, Altamar eine Immobilien-­Plattform, ein Secondary-Programm sowie mit der Tochter-Gesellschaft Galdana in Barcelona eine Venture-Capital-Einheit, die, so Wickenkamp, äußerst erfolgreich in VC-Technologie investiert. Auch wegen der Immobilien könne Altamar mit insgesamt neun Milliarden Euro Assets under Management eine größere Mitgift beisteuern. Vor kurzem gab Allianz Real Estate den Kauf eines ­spanischen Wohnungsportfolios bekannt. Einer der Verkäufer: ­Altamar Capital Partners.

CAM mergt mit Altamar

Überschneidungen sehen die Partner auch bezüglich Unter­nehmenskulturen, Visionen und Werte. Vor allem aber kenne und schätze man sich schon länger. Wickenkamp: „Wir kennen uns schon seit 2007 und arbeiten seit drei Jahren eng im Bereich ­Private Debt zusammen. Ich bin zudem seit Gründung Mitglied des vierköpfigen Altamar International Advisory Boards.“ Eine ­Fusion habe man schon in früheren Jahren angedacht.

Mehr Assets under Management zu haben, hilft auf verschiedenen Feldern. „Wir können mehr investieren, haben somit bei General Partnern eine höhere Visibilität und können auch mehr ­Beiratssitze beanspruchen“, nennt Wickenkamp einige Vorteile. Mit 14 Milliarden Euro ist die neue Gesellschaft nun größer als Golding Capital und HQ Capital, die ihre Assets under Management mit elf ­Milliarden Euro beziehungsweise zehn Milliarden Dollar angeben. Die erst vor wenigen Jahren gegründeten Gesellschaften Yielco und Palladio kommen auf ein Anlagevolumen von jeweils etwa sechs Milliarden Euro. Deutlich kleiner ist Altamar CAM jedoch als die europäischen Branchenriesen Partners Group und Ardian, die jeweils über 110 Milliarden Dollar auf die Waage bekommen. ­Schroders, die 2017 die Schweizer Adveq übernommen haben, zählt etwa 50 Milliarden Euro an Private Assets.

Aus dem Markt ausgeschieden sind in den vergangenen Jahren VCM, die HSH Nordbank und von Braun & Schreiber. Wenig ­erfolgreich lief es auch für Caplantic. Von der Talanx-Tochter ­wechselte ein halbes Dutzend an Mitarbeitern zu CAM, darunter der ehemalige Geschäftsführer Peter Hielscher, der nun im CAM-Aufsichtsrat sitzt. Wickenkamp ist sich sicher, dass es künftig mehr Konsolidierungen geben wird. Für die Zukunft von Dachfonds, die wegen der doppelten Kostenebene oft skeptisch gesehen werden, ist Wickenkamp insgesamt aber nicht bang. „Fund of Funds sind nicht tot, sie haben viele Vorteile. Die Investition in Private Equity auf diversifizierter Basis, der Zugang zu Top-Fonds, die Due ­Diligence von zahlreichen Zielfonds und Reportings bis hinunter auf die Unternehmensebene sind wertvolle Dienstleistungen und die dabei anfallenden Kosten gerechtfertigt.“

Plädoyer pro Dachfonds

Vor allem aber machen sich die Kosten auch bezahlt: „Der Durchschnitt der Dachfonds erzielt nach Kosten bessere Renditen als der Median der Zielfonds.“ Um heute erfolgreich zu sein, müssen die Dachfonds aber über spezialisierte Programme verfügen. Sie ­dürfen sich nicht mehr wie früher als Bauchladen für alle ­mög­lichen Beteiligungen verstehen, meint Wickenkamp. Auch allgemein ­habe sich in der Branche vieles professionalisiert. Wickenkamp selbst macht – auch auf andere Marktteilnehmer – einen hoch­motivierten Eindruck. Den Appetit auf Deals und Transaktionen hat der 73-Jährige, der 1988 in Diensten der damaligen Colonia Nordstern sein erstes Private-Equity-Committment abgab, längst noch nicht verloren. Konsequenterweise plant Wickenkamp auch, die neue Gesellschaft noch fünf Jahre zu begleiten.

Impulse für den Secondary-Markt

Bewegung ist auf dem Private-Equity-Markt aber nicht nur unter den Dachfonds, sondern auch unter den Secondary-Spezialisten. Dies betrifft die Gesellschafts-, aber auch die Asset-Ebene. Bezüglich letzterer hat Preqin festgestellt, dass der zunehmende ESG-­Fokus der Investoren dazu führt, dass diese sich verstärkt ­Gedanken über die nachhaltige Ausrichtung ihrer bestehenden Portfolios ­machen. Dies wiederum führe zu Opportunitäten auf Käufer- wie Verkäuferseite beziehungsweise zu einem wachsenden ESG-bezogenen Dealflow. Zusätzlich sorgt natürlich auch das gewachsene Volumen auf dem Primärmarkt für einen Secondary-Schub. Anfang 2021 konnte laut Preqin beispielsweise Coller Capital seinen bislang größten Secondary-Fonds bei neun Milliarden Dollar schließen. Für den Gesamtsektor war 2020 das bisherige Rekordjahr, als man 77 Milliarden Dollar für Secondaries einsammeln konnte.

Das fünftgrößte Closing im ersten Halbjahr gelang Montana ­Capital (MCP) mit 1,6 Milliarden Dollar – und bei den Schweizern kam es nun ebenfalls zu Änderungen auf Gesellschaftsebene. Im Juli hat PGIM, Investmentmanager der Versicherung Prudential, eine Vereinbarung zur Übernahme von Montana Capital Partners unterzeichnet. MCP soll nach Abschluss der Transaktion, die für das dritte Quartal 2021 vorgesehen ist, in die Multi-Manager-Struktur von PGIM unter der Leitung von Eric Adler, President und CEO von PGIM Real Estate, eingebunden werden.

Montana geht an PGIM

Die Mitbegründer von MCP, Dr. Christian Diller und Dr. Marco Wulff, werden unverändert das Unternehmen als Co-Chief Execu­tive Officers führen. Diller und Wulff gründeten vor einer Dekade MCP. Heute ist Montana Advisor von fünf Secondary-Fonds, die insgesamt 2,7 Milliarden Euro verwalten. Beide Gründer waren ­zuvor bei Capital Dynamics beschäftigt. Pate für dieses Zusammengehen stehen zunächst einmal Betriebsgrößenvorteile. MCP, das seine Eigenständigkeit im Investmentbereich beibehalten soll, soll von PGIMs globalen Kompetenzen in den Bereichen Distribution, Sourcing, Operations und Compliance profitieren. Anders aber als bei CAM/Altamar zielt der Deal bei Käufer vor allem auf eine ­Erweiterung des Produktportfolios ab. Eric Adler sagt: „Als spezialisierte Investoren auf dem Private-Equity-Sekundärmarkt mit einer überzeugenden Performance und einem starken Kundennetzwerk wird MCP unsere Kompetenz im Bereich Real Assets ideal ­ergänzen. Dadurch können wir unseren Kunden Zugang zu neuen und differenzierten Investitionsmöglichkeiten bieten.“ Diese ­Stoßrichtung, aber auch die Erweiterung in regionaler Hinsicht, betonen auch die beiden MCP-Macher. Dr. Marco Wulff: „PGIMs globale Ausrichtung und Investmentexpertise bietet ein ideales Umfeld für Montana Capital Partners, um weiter zu wachsen. Für uns war es wichtig, einen Partner zu finden, mit dem wir unser Kerngeschäft ausbauen und stärken können. Gleichzeitig können wir unseren Kunden durch die Kombination unserer Kompetenzen mit denen von PGIM noch vielfältigere Dienstleistungen ­anbieten.“ Dr. Christian Diller fügt hinzu: „Wir freuen uns darauf, die ­Vertriebs- und Sourcing-Kapazitäten und die globale Expertise von PGIM zu nutzen, um unser Angebot für Kunden weiter zu stärken. Mit dem globalen Netzwerk von PGIM werden wir in der Lage sein, unsere Limited Partners noch besser zu bedienen und maßgeschneiderte Anlagelösungen von General Partners und Limited Partners auf der ganzen Welt bereitzustellen.“

Deutlich größer als MCP ist Landmark Partners. Im März gab Ares Management seine Akquisitionsabsicht bekannt. Anzunehmen ist, dass es im laufenden Jahr noch zu weiteren M&As kommt.

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