Private-Equity-Experte: „Der deutsche Markt belohnt Erfahrung“
Neuer Private Equity Trend Report von PWC identifiziert für Deutschland drei attraktive Investmentfelder. Eine Kernaussage darin lautet: Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verbessern sich.
Der europäische Private-Equity-Markt war im Jahr 2025 gespalten: Während die Anzahl der Transaktionen um acht Prozent auf insgesamt 3.881 Deals sank, ging das Gesamtvolumen um 28 Prozent auf 457,6 Milliarden Euro nach oben.
Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt der Private Equity Trend Report 2026 von PWC Deutschland. Für die Analyse ließ das Beratungsunternehmen im ersten Quartal 2026 insgesamt 250 Partner und Geschäftsführer europäischer Private-Equity-Unternehmen befragen, die jeweils mehr als 250 Millionen Euro Vermögen verwalten.
Rückblickend auf 2025 zeigt sich: Vor allem Megadeals – Transaktionen jenseits der Eine-Milliarde-Euro-Schwelle – trieben den Markt. Demgegenüber fanden kleinere und mittlere Deals seltener statt. Bei PWC sprechen sie angesichts dessen von einem K-förmigen Markt – oben dynamisch, in der Mitte verhalten –, der die Branche nachhaltig präge.
Disruption entpuppt sich als Dealmaker
Eine Erkenntnis aus dieser Umfrage: Der Wettbewerb um attraktive Zielunternehmen hat sich weiter verschärft. Zwei von drei Befragten (67 Prozent) berichten von gestiegenem Wettbewerbsdruck gegenüber 2024. Gleichzeitig wirkt geopolitische Disruption als unerwarteter Dealmaker.
Eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten gab an, dass Konflikte, Protektionismus und Handelsunsicherheit die Investitionstätigkeit 2025 sogar unterstützt haben. Und: Das noch nicht investierte Kapital liegt mit derzeit 434,8 Milliarden Euro nahe dem Allzeithoch.
In Deutschland, Österreich und Schweiz fanden 2025 in Summe 557 Deals statt. Das waren laut PWC drei Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings ging das Transaktionsvolumen deutlich nach oben: Es stieg um satte 69 Prozent auf insgesamt 88,3 Milliarden Euro. Das entspricht laut PWV „der gesamteuropäischen Dynamik – weniger Deals, mehr Volumen –, nur noch deutlich stärker ausgeprägt“.
Deutschland bleibt zentral für Private Equity
Der Blick auf Deutschland zeigt: Trotz zweier aufeinanderfolgender Jahre mit schrumpfender Wirtschaftsleistung und tiefgreifendem industriellen Strukturwandel bleibt die Bundesrepublik für Private-Equity-Investoren zentral: 66 Prozent der Befragten halten Investments in Deutschland (2024: 58 Prozent). Von ihnen planen 97 Prozent weitere Investments in den kommenden fünf Jahren.
Dr. Ralf U. Braunagel, PWC-Partner und Private Equity Leader bei PWC Deutschland, sieht die Sache so: „Der deutsche Markt belohnt Erfahrung. Wer ihn kennt, baut sein Engagement aus.“ Zwar erforderten Mitbestimmung und beziehungsintensive Mittelstandstransaktionen Geduld, sie „schaffen aber dauerhafte Wettbewerbsvorteile für die, die sich darauf einlassen“.
PWC sieht drei attraktive Investmentfelder
Der Report identifiziert für Deutschland drei attraktive Investmentfelder. Erstens: Unternehmensabspaltungen (Carve-outs). Industriekonzerne wie BASF, Siemens und Thyssen-Krupp trennen sich unter Aktionärsdruck von Randaktivitäten.
Exemplarisch dafür stehe die 7,7-Milliarden-Euro-Übernahme der BASF-Lacksparte durch Carlyle und die Qatar Investment Authority. Der Deal wurde im Oktober 2025 spruchreif.
Zweitens macht PWC auf die Nachfolgesituation im Mittelstand aufmerksam. Dem KfW-Nachfolge-Monitoring zufolge stehen rund 560.000 kleine und mittlere Unternehmen (16 Prozent aller Mittelständler) in Deutschland bis zum Jahr 2027 vor einem Eigentümerwechsel. Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn schätzt, dass rund 30 Prozent dieser Unternehmen keinen familien- oder unternehmensinternen Nachfolger finden. Das erzeuge einen strukturellen, konjunkturunabhängigen Dealflow.
Und drittens verweist PWC die „grüne“ Industrietransformation. Die Energiewende, der Netzinfrastrukturausbau, Wasserstoff und die industrielle Elektrifizierung erfordern Kapital in großem Maßstab — und damit genau die Projektentwicklungs- und Transformationskompetenz, die Investoren mitbringen.
Regierung schafft zusätzliche Investitionsanreize
Zugleich würden sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verbessern: Der Infrastruktur- und Verteidigungsfonds der neuen Bundesregierung über 500 Milliarden Euro (davon 100 Milliarden Euro für Klima und Transformation), die Wiedereinführung der 30-prozentigen degressiven Abschreibung bis 2027 sowie die geplante Senkung der Körperschaftsteuer von 15 auf 10 Prozent bis 2032 schaffen laut PWC zusätzliche Investitionsanreize.
„Bei Unternehmensabspaltungen, Nachfolgeregelungen und Transformationsprojekten kann Private Equity ihre Stärken ausspielen. Investoren, die den deutschen Markt kennen, verstärken deshalb ihr Engagement“, kommentiert PWC-Partner Dr. Ralf U. Braunagel.
Operative Werschöpfung wird zum zentralen Renditetreiber
Ein weiterer Befund des Reports: Digitale Technologien prägen die Branche stärker als je zuvor auch deshalb, weil die Einstiegsbewertungen mit einem Median von 12,8x Enterprise Value/Ebitda weiterhin hoch sind und operative Wertschöpfung zum zentralen Renditetreiber wird. 88 Prozent der befragten Firmen investierten im Vorjahr in die digitale Transformation, 94 Prozent planen solche Investments für 2026.
Erstmals nannten sie Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) als wichtigste Einflussfaktoren auf die Rendite (36 Prozent der Befragten), noch vor dem Verschuldungshebel (32 Prozent). 81 Prozent erwarten, dass der Einfluss von KI auf die Rendite künftig weiter steigen wird.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Private Equity
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