Alternative Anlagen
13. Mai 2026

Private Equity steckt weiter im Stau fest

Der Rückstau bei Exits ist nur eines der Probleme, mit denen Private Equity konfrontiert ist. Morningstar warnt, dass der Druck auf den Privatmärkten zunimmt.

Der Abschwung im europäischen Private-Equity-Geschäft verschärft sich weiter: 2025 war laut Morningstar das schwächste Jahr für die Kapitalbeschaffung seit einem Jahrzehnt. Und auch der Jahresauftakt markierte laut dem im Mai 2026 veröffentlichten „European Asset Managers Industry Pulse“ des Research-Unternehmens erneut einen Abwärtstrend – teilweise bedingt durch das Fehlen großer Fondsabschlüsse mit Volumina von mehr als fünf Milliarden Euro.

Morningstar berichtet zum Beispiel über die anhaltende „Exit-Dürre“: Demnach sind die Verkaufsaktivitäten im Private-Equity-Spektrum weiterhin schwach. Das schmälert den Kapitalrückfluss an die Investoren. Und es trübt die Aussichten der General Partner für künftige Kapitalbeschaffungsrunden ein.

Typische Wege, um im Private-Equity-Geschäft Gewinne zu realisieren, sind der Verkauf der Beteiligungen an strategische Käufer, andere Investoren oder der Börsengang. Doch hier herrscht nach wie vor ein Exit-Stau, wobei eine globale Umfrage unter Fondsmanagern zuletzt darauf hingedeutet hatte, dass sich die Fundraising-Bedingungen allmählich verbessern.

Johann Scholtz, Senior-Equity-Analyst bei Morningstar, ist da eher skeptisch und kommentiert die Gemengelage so: „Der Druck auf den Privatmärkten nimmt zu. Die Kapitalbeschaffung bleibt angesichts fehlender Abschlüsse von Mega-Fonds verhalten, während eine anhaltende Verlangsamung der Exit-Aktivitäten den Kapitalrückfluss an die Investoren begrenzt und die Anbahnung neuer Transaktionen einschränkt.“

Gleichzeitig verlieren die Renditen von Private Equity an Dynamik. Laut Morningstar sind sie nun hinter die langfristigen Durchschnittswerte zurückgefallen. Nach Einschätzung von Analyst Johann Scholtz hat sich der langjährige Bewertungsvorsprung von Private-Equity-Managern gegenüber traditionellen Vermögensverwaltern nach der jüngsten Underperformance deutlich verringert.

Dass die Performance von Private Equity derzeit hinter den langfristigen Durchschnittswerten zurückbleibe, sei ein Signal für ein anspruchsvolleres Umfeld für Investoren als in früheren Zyklen, heißt es. Scholtz sieht in der gegenwärtigen Situation auch positive Aspekte. Sie biete Anlegern einen attraktiven Einstiegszeitpunkt.

„Anzeichen für Belastungen“

Morningstar geht auch auf die zunehmenden Probleme im Private-Credit-Sektor ein. Dort zeichneten sich „Anzeichen für Belastungen“ ab. Laut dem European Asset Managers Industry Pulse steigen die Renditen bei Leveraged Loans (aktuell circa 7,2 Prozent). Das und die sich ausweitenden Spreads zu Beginn dieses Jahres „deuten auf einen zunehmenden Druck in den Private-Credit-Märkten hin; dies könnte auf eine nachlassende Bonität der Kreditnehmer verweisen und das Risiko künftiger Wertberichtigungen erhöhen“.

Bei europäischen Leveraged Loans handelt es sich laut M&G um besicherte Kredite an Unternehmen unterhalb der Investment-Grade-Kategorie. In der Regel befinden sich diese im Besitz von Private-Equity-Sponsoren.

Private Debt hat sich in den vergangenen Jahren vom Randthema zu einem festen Bestandteil institutioneller Portfolios entwickelt. Das zeigte sich auch beim diesjährigen BAI Private Debt Symposium in Frankfurt, wo sich mehr als 300 Gäste einfanden – größtenteils General Partner (GPs), Asset Servicer, Juristen und Strukturierer.

Private Equity in Schwellenländern zu allokieren, ist leichter gesagt als getan

Übrigens vermarktet die DEG Impact derzeit ihren ersten eigenen Private-Equity-Dachfonds, den Global Growth Guarantee Fund (3xG Fund). Dieser soll professionellen Investoren Zugang zum Wachstums- und Renditepotenzial der Emerging Markets ermöglichen – und zugleich die Anforderungen institutioneller Investoren mit dem Kapitalbedarf lokaler Unternehmen zusammenbringen. Wir stellen das Konzept ausführlich vor.

Und noch ein Lesetipp: Die Forschung von Ludovic Phalippou von der University of Oxford zeigt seit Jahren ein unbequemes Bild: Nach Kosten ist die durchschnittliche Performance von Private Equity deutlich weniger überzeugend als häufig dargestellt. Kennzahlen wie PME oder Direct Alpha liefern oft ein nüchterneres Ergebnis als die viel zitierten IRRs.

Autoren:

Schlagworte: |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert