Alternative Anlagen
18. Januar 2021

Private-Equity-Übernahmen schwächen Unternehmen

Studie: Von PE-Firmen übernommene Firmen senkten Beschäftigung und Eigenkapitalquoten. Auch mehr Insolvenzen.

Zweistellige Renditen und nebenher durch die Investition in innovative Unternehmen Wachstum und Beschäftigung fördern. Klingt zu schön um wahr zu sein? Vermutlich ja, legt die Lektüre einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung nahe. Untersucht wurde dabei die Geschäftsentwicklung von 103 Unternehmen mit Sitz in Deutschland, welche im Jahr 2013 von Private-Equity-Gesellschaften übernommen wurden und für die Geschäftsberichte und detaillierte Informationen vorlagen. Verglichen wurde diese Gruppe mit eigenständigen Unternehmen, welche hinsichtlich ihrer Größe und Ausrichtung vergleichbar waren. Die Ergebnisse sind ernüchternd: So entwickelte sich die Gesamtbeschäftigung in den von Private-Equity-Firmen gehaltenen Unternehmen um 13 Prozentpunkte schlechter als in der Vergleichsgruppe. Die Betrachtungsperiode war dabei von einer guten allgemeinen Wirtschaftslage geprägt, in welcher die Beschäftigung ausgebaut werden konnte. Die Private-Equity-Unternehmen bauten dagegen im Jahr der Übernahme Stellen ab und hielten danach die Beschäftigung weitgehend konstant.

Auch die Eigenkapitalquote entwickelte sich schlechter als bei unabhängig agierenden Unternehmen. 2017 – vier Jahre nach der Übernahme – lag diese im Schnitt bei 28 Prozent versus 42 Prozent bei der Vergleichsgruppe. Noch schlechter schnitten Unternehmen ab, die Gegenstand eines Secondary Buyouts geworden waren: Hier betrug die durchschnittliche Quote gerade einmal 15 Prozent. Auch die Zinsbelastung nahm dadurch deutlich zu, während die Vergleichsunternehmen die Zinsbelastung stabil halten oder im Zuge der Niedrigzinsphase sogar senken konnten. Die Folge sind mehr Insolvenzen: 14 der 156 Unternehmen (neun Prozent) mussten bis September 2019 Insolvenz anmelden – mehr als doppelt so viel wie beim Durchschnitt der deutschen Unternehmen. Laut der Studie handelte es sich dabei überwiegend um eher kleine, lange etablierte Unternehmen, die zuvor von einem deutschen Familieneigentümer geführt worden waren.

Die Unternehmen wurden zudem häufig bald weitergereicht: Fast zwei Drittel der 2013 übernommenen Unternehmen hatten 2019 schon wieder einen neuen Eigentümer, in vielen Fällen ebenfalls ein Finanzinvestor. „Durch die einander abwechselnde Eigentümerschaft verschiedener Finanzinvestoren werden kurz- und mittelfristige Zeithorizonte bei einer strikten Renditeorientierung und einer geringen Bindung an Branchen-Gepflogenheiten etabliert“, so der Autor Dr. Christoph Scheuplein vom Institut Arbeit und Technik (IAT). Wünschenswert wäre es, wenn durch ähnlicher Studien öfter ein systematischer Blick auf die Branche geworfen würde. Beispielsweise durch die erste Professur für Private Equity an einer deutschen Hochschule, die nun in Frankfurt ihre Arbeit aufnimmt. Ob ein solch kritischer Blick jedoch tatsächlich Ziel dieser Professur ist, darf bezweifelt werden – gestiftet wurde sie nämlich von Martin Huth, Investment Advisory Professional und Managing Partner bei Triton, sowie seiner Frau Sabine Huth.

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