Sind grüne Gase die Windkraft der Zukunft?
Als vor knapp 40 Jahren das erste Windrad in Deutschland in Betrieb ging, handelte es sich um ein Nischenprojekt. Die Produktionskosten für Erneuerbare Energien lagen damals weit über denen fossiler Brennstoffe. Heute stehen in Deutschland über 30.000 Windräder. Angesichts der Energiewende, steigendem Energiebedarf und dem seit dem Angriff auf die Ukraine insbesondere für Deutschland wichtigen Thema der Energiesicherheit, rückten grüne Gase weiter in den Vordergrund. Grüne Gase können ein weiterer wichtiger Baustein für den Energiemix Deutschlands werden, denn Wasserstoff kann nicht nur eine Rolle in der Energieversorgung spielen, sondern auch im Schwerlast-, Flug und Schiffsverkehr.
Dank seiner Speicherfähigkeit kann Wasserstoff auch die Stromversorgung in Zeiten geringer Einspeisung von Wind- und Solarenergie sichern. Deutschland kann aber nicht den errechneten Bedarf an grünem Wasserstoff selbst produzieren. Der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland im Rahmen der Wasserstoffstrategie sieht den Import von rund 50 bis 70 Prozent grünem Wasserstoff vor, wofür sich in Europa vor allem Länder im Norden und Süden anbieten. Die Allianz investiert bereits in Plattformen, die grüne Gase wie grünen Ammoniak oder grünes Methan und grünen Wasserstoff produzieren, in Finnland und Norwegen.
Nicht nur Speicherinfrastruktur, sondern auch Elektrolysekapazitäten und Pipelines werden gerade geplant und gebaut. Deutschland kann hier entlang der gesamtem Wertschöpfungskette Wasserstofftechnologie bereitstellen. Doch technologische Innovation braucht auch Rahmenbedingungen, damit grüne Gase wie vor 30 Jahren die Windkraft Marktreife erlangen. Auf europäischer Ebene gibt es bereits einige Initiativen zum Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur. Um diese in die Tat umzusetzen, benötigt es jedoch effizientere Planungs- und Genehmigungsverfahren, mehr Standardisierung sowie Transparenz über die erwartete Energiekostenentwicklung und etwaige Förderungen.
Der Investitionsbedarf in die deutsche Energieinfrastruktur ist riesig. Allein für Deutschland errechnete der EY-Monitor einen Bedarf an Investitionen von 700 Milliarden Euro bis 2030, um die Ziele der Energiewende zu erreichen. Privates Kapital wie von Versicherern und Pensionskassen, die für die Altersversorgung Gelder anlegen, kann in stabilen und wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen einen wichtigen Beitrag in die Zukunftsfähigkeit leisten und die Investitionen des Staates – Stichpunkt Sondervermögen – verstärken.
Igor Lukin, Senior Portfolio Manager Infrastructure Equity, Allianz Global Investors
Autoren: Igor Lukin In Verbindung stehende Artikel:


Schreiben Sie einen Kommentar