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18. Februar 2026

Projekt „Sovereign“: steile Lernkurve bei digitalen Staatsanleihen

Mehrere deutsche Banken investierten in eine Anleihe der Zentralbank von Griechenland. Das Fintech Swiat simulierte die Rolle einer digitalen Depotbank.

Der Blockchain-Technologie beziehungsweise der Distributed Ledger Technology (DLT) wird großes Potenzial in vielen Wirtschaftsbereichen zugeschrieben. Prominentester Vertreter der Blockchain-Anwendungen ist die Kryptowährung Bitcoin. Doch der digitale Kapitalmarkt der Zukunft ist voller Chancen und Herausforderungen. Das zeigt ein aktuelles Projekt des in Frankfurt am Main ansässigen Fintechs Swiat (Eigenschreibweise: SWIAT). Das im Jahr 2022 gegründete Unternehmen ist auf die Entwicklung von Blockchain-Software spezialisiert und positioniert sich als Tokenisierungsplattform für eine offene dezentralisierte Finanzmarktinfrastruktur.

Nun haben die Frankfurter die griechische Zentralbank im Rahmen des Projekts „Sovereign“ bei der Simulation einer Emission einer digitalen Staatsanleihe auf der Blockchain von Swiat unterstützt. Das Projekt fand den Angaben zufolge unter realen Marktbedingungen statt und deckte den gesamten Lebenszyklus einer digitalen Anleihe ab: angefangen bei der Emission, der mehrere Sekundärmarkttransaktionen folgten sowie Kuponzahlung und schließlich die Rückzahlung. Bei all diesen Schritten kam die Swiat-Blockchain-Technologie zur Anwendung und habe die Lieferung gegen Zahlung im Interbankengeschäft ermöglicht, heißt es.

Die Zentralbank von Griechenland stand bei dem Simulationsprojekt sowohl als Emittent der Staatsanleihe als auch als Zentralverwahrer mit Register im Zentrum. Die Rolle der Investoren übernahmen die Berliner Volksbank, die Deka-Bank, die Eurobank, die KfW. Außerdem waren die Landesbank Baden-Württemberg sowie die National Bank of Greece und die Piraeus Bank als Investoren an dem Projekt beteiligt.

Swiat wiederum fungierte als Softwareanbieter und simulierte darüber hinaus die Rolle einer digitalen Depotbank. In diesem Zusammenhang habe sie die Teilnahme von Off-Chain-Investoren ermöglicht. Die Swiat-Software habe außerdem die Tokenisierung und sichere Übertragung digitaler Anleihen auf der Blockchain ermöglicht und so die Transparenz und die Unveränderlichkeit der Daten gewährleistet.

Off-Chain-Investoren sind Marktteilnehmer, die Kryptowährungen, digitale Vermögenswerte oder damit verbundene Finanzprodukte handeln oder halten, ohne dass diese Transaktionen unmittelbar und dauerhaft auf der Haupt-Blockchain werden. Off-Chain-Transaktionen hängen zwar mit einer Blockchain zusammen, finden aber nicht direkt auf ihr statt.

Bundesbank und EZB inspirieren die Projektpartner

Angesichts nicht vorhandener digitaler Zentralbankgeldlösungen habe die Swiat-Plattform darüber hinaus die Erstellung simulierter Euro-Token für die Abwicklung des Zahlungsprozess in einer separaten, dedizierten Umgebung ermöglicht, wie das Frankfurter Fintech erläutert. Dabei hätten die Trigger-Lösung der Bundesbank sowie „Pontes“, die bevorstehende digitale Großhandelszahlungslösung der EZB, als Inspiration gedient. Pontes ist die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) des Eurosystems. Sie verbindet die Markt-DLT-Plattformen und TARGET-Dienste zur Abwicklung von Transaktionen mit Zentralbankgeld.

Durch das Zusammenspiel zwischen der Asset- und der Zahlungs-Blockchain habe die „Lieferung gegen Zahlung“ im Rahmen des Projekts erfolgreich verarbeitet werden können, erklären sie bei Swiat. Und rückblickend auf die Staatsanleihenemission zieht das Fintech ein positives Fazit: „Mithilfe des Projekts Sovereign konnten End-to-End-Transaktionsabläufe in einer realistischen, vollständig kontrollierbaren Umgebung modelliert werden.“ Dies zeige, wie sich die Swiat-Blockchain-Plattform an sich wandelnde Marktanforderungen anpassen und innovative Finanzinstrumente unterstützen könne.

Jonathan Leßmann, Marketing-Chef von Swiat, sagte: „Als Technologieanbieter und Unterstützer des Projekts Sovereign haben wir die DLT-Plattformen bereitgestellt und allen Teilnehmern ermöglicht, den gesamten Lebenszyklus einer digitalen Staatsanleihe sicher zu durchlaufen, wobei wir auf die individuellen Anforderungen jedes Einzelnen eingegangen sind – einschließlich Zentralverwahrer, Verwahrstellen und Banken.“

Leßmann lobt die „hervorragende Zusammenarbeit mit unseren griechischen und deutschen Partnern“. Sie habe „zum großen Erfolg dieses internationalen Projekts beigetragen und die Skalierbarkeit, Interoperabilität und Produktionsreife“ der Swiat-Lösung in Europa gezeigt.

Zentralbank von Griechenland über Erfahrungen im Lebenszyklus von Staatsanleihen

Theodore Pelagidis, stellvertretender Präsident der Zentralbank von Griechenland, berichtet über seine Erfahrungen bei dem Projekt rund um die Emission einer digitalen Staatsanleihe: „Aufbauend auf der engen Zusammenarbeit und den positiven Ergebnissen eines früheren Projekts haben wir beim Projekt Sovereign sowohl den Umfang als auch die Zielsetzung erweitert: In unserer Funktion als Zentralverwahrer und Registerführer haben wir dadurch weitere Erkenntnisse darüber gewonnen, wie traditionell getrennte Kapitalmarktfunktionen in einer Blockchain-basierten Umgebung kohärent ausgeführt werden können.“

Pelagidis sagt, der „End-to-End-Prozess über den gesamten Lebenszyklus von Staatsanleihen hat unsere bisherigen Erkenntnisse vertieft und das große Potenzial von DLT zur Steigerung der Effizienz, Transparenz und operativen Resilienz innerhalb einer regulierten Infrastruktur gezeigt. Die Testumgebung hat uns eine enge Angleichung an die Grundsätze der Zentralbank und des Eurosystems ermöglicht“, so der stellvertretende Präsident der Zentralbank von Griechenland. Gleichzeitig habe das Projekt die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene gestärkt und den Weg hin zu skalierbaren, produktionsreifen Modellen für die Emission von Staatsanleihen und zur digitalen Kapitalmarktsouveränität Europas geebnet, meint Pelagidis.

Tim Armbruster, Group Treasurer der Förderbank KfW, ergänzt: „Technologien der nächsten Generation werden den digitalen Kapitalmarkt der Zukunft maßgeblich prägen. Unsere eigene Lernkurve hat gezeigt, dass praktische Erfahrungen der effektivste Weg sind, um sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen im Zusammenhang mit neuen Technologien greifbar zu machen.“

Um ein skalierbares digitales Ökosystem zu entwickeln, ist nach Einschätzung Armbrusters eine europaweite, institutionenübergreifende Zusammenarbeit unerlässlich. „Auf diese Weise können wir nicht nur die digitale Souveränität, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen Kontext wirksam stärken. Initiativen wie das Projekt Sovereign leisten dazu einen konkreten Beitrag.“

Ein Standard für die Verarbeitung von Blockchain-basierten Wertpapieren

Ziel von Swiat ist es, mit seiner Blockchain-basierten Plattform einen globalen, einheitlichen Standard für die Verarbeitung von Blockchain-basierten Wertpapieren zu schaffen. Ein wesentliches Feature des Swiat-Ökosystems sei, dass kapitalmarktrechtliche, Compliance-relevante und MaRisk-Aspekte bereits in der Konzeption berücksichtigt werden. Dadurch biete Swiat seinen Nutzern eine hohe Sicherheit und Vereinbarkeit mit Regulatorik.

In den kommenden Jahren erwartet Swiat eine weltweit steigende Bedeutung von digitalen Assets durch die zunehmende Tokenisierung. Bis 2030 sei mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum allein im europäischen Markt von über 60 Prozent auf über fünf Billionen Euro zu rechnen.

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