Statement
2. Juli 2019

Quant-Ansätze sind in Schwellenländern besonders effizient

Die im Jahr 2018 deutlich gesunkenen Aktienbewertungen der Schwellenländer sind im Vergleich zu denen der Industrieländer nach wie vor attraktiv.

Ungeachtet der Gewinne im laufenden Jahr können Emerging-Markets-Aktien ein vergünstigtes Engage­ment in potenziell größere Wachstumschancen sowie attraktive freie Cashflows und Dividendenrenditen bieten. Insofern bleibt die langfristige „Story“ der Emerging Markets intakt. Wir gehen davon aus, dass trotz hoher Volatilität die gesamtwirtschaftlichen Trends in den Schwellenländern (höheres ­Wachstumspotenzial, sich ­stabilisierende Institutionen, eine steigende Mittelschicht der Verbraucher) positiv sind. Der Markt erwartet, dass sich das Wirtschaftswachstum der Emerging Markets gegenüber dem der USA nach zwei Jahren des Rückgangs wieder vergrößern wird. Die ­Konjunkturprogramme treiben das Wachstum in China an, das zu einem Motor der Weltwirtschaft geworden ist.

Die Risiken für das Wachstum sind zuletzt allerdings durch den wieder aufkommenden Handelskonflikt gestiegen. In Bezug auf die Aktienanlage glauben wir dennoch, dass die Schwellenländer in der Lage sind, höhere Gewinne als in den USA zu erzielen. Anleger, die auf der Suche nach künftigen Renditen sind, könnten also vom Potenzial bei Schwellenländer-Aktien profitieren.

Unterschiedliche Investmentstile bei Schwellenländer-Aktien
Insgesamt haben die Aktienmärkte der Schwellenländer in den ­vergangenen Jahren einen riesigen Entwicklungssprung gemacht. Die Märkte sind stark gewachsen, die Unternehmen sowie ­Sektoren haben sich weiter differenziert und die Anlegergruppen haben sich stärker herausgebildet. Deshalb hat sich auch die Herangehensweise an die Asset-Klasse Emerging-Markets-Aktien verändert. Während man früher beim Investment in Schwellenländer-Aktien wegen des vermuteten Risikos sowie der Rohstofflastigkeit fast ausschließlich Value- oder Quality-Investor war, findet man heute alle Arten von Investmentstilen. Der starke Fokus insbesondere der Unternehmen in Asien auf Research & Development und ­Investitionen im Allgemeinen hat es gerade in den vergangenen Jahren attraktiv gemacht, nach Innovationsführern und Wachstumsunternehmen zu suchen. Die Investmentstile „Growth“ oder „GARP“ haben „Value“ in den vergangenen Jahren deutlich outperformt. Aber auch ­systematisch quantitative Ansätze finden bei der Auswahl von Emerging-­Markets-Aktien immer mehr Freunde.
Die permanente Fortentwicklung der IT-Landschaft, Big Data, Data Science sowie die Verbesserung der quantitativen ­Anwendungen gerade bei systematischen/regelgebundenen, quantitativ getriebenen Kapitalanlagen haben neue Ideen hervorgebracht. Dies sind einerseits passive Kapitalanlagen wie ETFs, andererseits (semi-)aktive Prozesse, die in den vergangenen Jahren unter Namen wie Smart Beta, Fundamental Indexing und nicht zuletzt Faktor-Investing in Erscheinung getreten sind. Diese neueren Ansätze haben in den Portfolien institutioneller Anleger weite Verbreitung gefunden. Um beim Faktor-Investing die Abhängigkeit von Faktor-Zyklik und Faktor-Rotationen zu reduzieren, ist es als Investor ratsam, ein Mehr-Faktoren-Modell zugrunde zu legen und für die Aktien­selektion mehrere Faktoren simultan zu verwenden. Für ein solches Mehr-Faktoren-Investing sind Kombinationen von Faktoren am effizientesten, die miteinander möglichst gering korreliert sind. Bei Lazard Asset Management werden im Rahmen der „Advantage“-Ansätze aktiv Aktien selektiert, die auf vier über eigene Modelle definierten Faktoren in unterschiedlichen Regionen basieren. Das sind die Faktoren Value, Growth, Momentum und Quality. Wir verzichten dabei auf eine (denkbare) Optimierung der Faktor­gewichtungen oder auf ein Market Timing der Faktoren, denn der Zusatzertrag wäre gering beziehungsweise unsicher, das Vorgehen aber komplexer und intransparenter.

Systematisches Faktor-Investing
Faktormodelle sind zur generellen Risikosteuerung komplexer Portfolios über alle Asset-Klassen hinweg geeignet. Verwendet man die Modelle zur Erklärung der Wertentwicklung eines Gesamtport­folios, so könnte man die Risikogewichtung des Portfolios gemäß der Faktorrisiken statt nach Asset-Klassen ausrichten. Letztlich scheint die Streuung der Faktorrisiken effizienter als die Streuung der Anlagearten, denn der Anleger will die Risiken genau ­definieren und kontrollieren, was bei reiner Asset-Klassen-Betrachtung oft nicht gelingt.

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