Schwarzer Schwan
17. April 2020

Rakete statt Mundschutz

Staat machen mit dem Virus

Das Corona-Virus wirkt sich auf Staatsoberhäupter sehr unterschiedlich aus. Den Diminutiv “Grippchen“ des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro wird sich sein britischer Kollege Boris Johnson nach drei Nächten auf der Intensivstation nicht mehr zu eigen machen. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte will das europäische Finanzsystem mit Corona-Bonds infizieren. Dagegen schwört Le Président de la République française, Emmanuel Macron, Frankreich auf einen Krieg gegen Covid-19 ein. Als französischer Präsident hat man halt auch immer die Marschmusik der Marseillaise im Ohr. Es wäre aber der erste Krieg, bei dem nicht mobil gemacht, sondern zu Hause geblieben wird. Der Spruch „Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“ bekommt bei Macron eine ganz neue Bedeutung.

Ein echter Krieger findet sich dagegen in Weißrussland. „Es ist besser, im Stehen zu sterben, als auf den Knien zu leben“, macht Diktator Alexander Lukaschenko auf harter Hund. Ob sich so das Virus auf die Knie zwingen lässt? Mit seiner Einstellung, dem Virus nicht zu viel Bedeutung zu geben, befindet sich Lukaschenko in bester Gesellschaft: beispielsweise mit dem Diktatoren-Kollegen Kim Jong Un. In dessen Nordkorea gibt es sogar nach offiziellen Angaben, also nach Angaben Kims, keinen einzigen Infektionsfall.

Corona-Götterdämmerung

Trotzdem ist Corona aber auch für Kim problematisch. Einmal lässt es die Propaganda von der eigenen Göttlichkeit nicht zu, sich mit einem Mundschutz zu schützen. Zweitens muss der nordkoreanische Apoll derzeit besonders viele Raketen abschießen, um gegen sein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom zu kämpfen. Schließlich hat die Welt derzeit gerade wichtigeres zu tun, als sich um Kim zu kümmern. Die Expertenfrage: Wie viele Atemmasken muss Kim bei seinen Untertanen einsparen, um eine Rakete mehr abfeuern zu können?

The Art of the Deal

Immer mal neue Perspektiven und Positionen gewinnt US-Präsident Donald Trump Corona ab. Wie DIE ZEIT schreibt, haben ihm seine Gesundheitsberater Anthony Fauci und Deborah Birx beigebracht, dass ein sorgloser Umgang mit der Seuche bis zu 2,2 Millionen Amerikaner das Leben kosten würde, während eine weitgehende Stilllegung des Landes die Opferzahl im besten Fall auf 100.000 drücken könnte. „Die Differenz zwischen diesen beiden Zahlen hat Trump instinktiv als seinen persönlichen Gewinn erkannt. Er tritt nun auf wie ein Händler, der mit dem Virus direkt verhandelt, nachdem er es zunächst schlau ignoriert hat, und dem es gelungen ist, den Gegner von 2,2 Millionen auf 100.000 herunterzuhandeln. Im Klartext: Er persönlich erspart den Amerikanern zwei Millionen Tote“, beschreibt DIE ZEIT Trumps „ The Art of the Deal“.

Genauso instinktiv erkannte Trump dann auch, dass sich sein Genius über eine entsprechende Information auch bei den Corona-Hilfen würdigen lässt. Damit jedem Amerikaner klar ist, wem er die Corona-Unterstützung von 1.200 Dollar verdankt, will Trump seinen Namen auf die Schecks drucken lassen. Das derzeit im Home Office arbeitende Team der Bundessteuerbehörde muss nun diese Änderung umsetzen. Dass sich damit die Hilfszahlungen verzögern ist Trump egal – schließlich ist Wahlkampf und da gilt es auch, Bundesbehörden sinnvoll einzusetzen.

Bleiben Sie gesund, wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio institutionell!

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