Asset Management
19. Oktober 2020

Rasantes Wachstum bei ESG-Anlagen erwartet

PWC-Studie: Bis 2025 mehr als 50 Prozent des europäischen Fondsvermögen nach ESG gemanagt. Ende 2019 waren es 15 Prozent.

Einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft PWC Luxemburg zufolge sollen ESG-Vermögenswerte sollen bis 2025 zwischen 5,5 Billionen Euro und 7,6 Billionen Euro erreichen. ESG werde die größte grundlegende Veränderung in der Investmentlandschaft seit der Einführung von ETFs darstellen, so die Gesellschaft. PWC prognostiziert, dass das europäische ESG-Vermögen bis 2025 zwischen 5,5 Billionen Euro und 7,6 Billionen Euro erreichen wird und damit zwischen 41 Prozent und 57 Prozent des gesamten Fondsvermögens in Europa ausmachen wird. Zum Vergleich: Ende 2019 waren es noch 15,1 Prozent.

Zugrunde liegt der PWC-Report „The Growth Opportunity of a Century“ (Die Wachstumschance eines Jahrhunderts). Befragt wurden 200 Vermögensverwalter, 300 in Europa tätige institutionelle Anleger und über 800 europäische Privatanleger, die ein geschätztes Vermögen von 14,3 Billionen US-Dollar verwalten. Von den 300 befragten institutionellen Anlegern waren 40 Prozent Versicherungsgesellschaften, 37 Prozent Pensionsfonds, 18 Prozent Family Offices und 5 Prozent Staatsfonds. PWC Luxemburg führte auch umfassende Interviews mit einer Reihe führender Vermögensverwalter und institutioneller Anleger, um aus erster Hand zu erfahren, wohin sich die Branche nach Ansicht führender Branchenexperten entwickelt.

Erwartet wird der Studie zufolge ein Paradigmenwechsel: Das schiere Transformationspotenzial von ESG werde dadurch unterstrichen, dass PWC Luxemburg selbst in einem Basisszenario davon ausgeht, dass das verwaltete ESG-Fondsvermögen (Assets under Management, AuM) bis 2025 über 41 Prozent des gesamten europäischen Investmentfondsvermögens ausmachen wird, was vor allem durch einen Anstieg der Anlegernachfrage und die Anpassung der europäischen Vermögensverwalter an die Vorschriften unterstützt wird. Sollte sich ein optimistisches Szenario bewahrheiten, erwartet PWC, dass das ESG-Vermögen bis Ende 2025 57 Prozent des Fondsvermögens ausmachen wird. Zudem erwartet PWC, dass die verwalteten ESG-Aktienfonds von 866,3 Milliarden Euro Ende 2009 auf 2,6 bis 3,6 Billionen Euro im Jahr 2025 anwachsen werden. In der Zwischenzeit wird erwartet, dass die verwalteten ESG-Anleihefonds bis Ende 2025 zwischen 1,1 und 1,6 Billionen EUR erreichen werden.

Angesichts des starken regulatorischen Umfelds in Europa und der Dynamik, die hinter ESG steht, ist PWC überzeugt, dass die Region stark positioniert ist, um diese Chance zu nutzen und ihre Position im globalen ESG-Raum weiter auszubauen. In Kombination mit einer starken Vermögensentwicklung würde der Anteil Europas an den globalen ESG-Vermögenswerten bis 2025 zwischen 71 Prozent und 74 Prozent betragen.

Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage

Zudem stellt PWC eine fundamentale Diskrepanz zwischen der Nachfrage gerade institutioneller Anleger und dem Angebot von Vermögensverwaltungen fest. Eine große Mehrheit der europäischen institutionellen Anleger erwartet bis 2022 eine Konvergenz zwischen ESG- und Nicht-ESG-Produkten, wobei 77 Prozent von ihnen planen, im selben Jahr den Kauf von Nicht-ESG-Produkten einzustellen. Die Vermögensverwalter sind sich zwar einig, dass es eine Konvergenz geben wird, aber nur 14 Prozent planen, das Angebot von Nicht-ESG-Produkten bis 2022 einzustellen.

ESG-Outperformance

Die Leistungslücke zwischen ESG- und Nicht-ESG-Produkten wird sich PWC zufolge in Zukunft deutlich vergrößern, und die seit langem bestehende Besorgnis über die Underperformance-Tendenz von ESG-Produkten wird sich vollständig umkehren. ESG-Produkte würden sich im Vergleich zu ihren Mainstream-Äquivalenten als stärkere Renditequelle und Schutz vor Abwärtsrisiken erweisen. Der Bericht nennt sieben Kernaktionen, die Manager sowohl aus strategischer als auch aus operativer Sicht in Betracht ziehen sollten, um die definierten ESG-Jahrhundert-Chancen nutzen zu können. Dazu gehören die Neupositionierung Ihrer Organisation, die Glaubwürdigkeit und Konsistenz Ihres ESG-Ansatzes, die Integration von ESG auf Produktebene, die Bewältigung der Herausforderung durch ESG-Daten, die Entwicklung eines starken ESG-Risikomanagement-Rahmens, die Berichterstattung an Investoren und die Aufklärung der Anleger und Mitarbeiter.

Olivier Carré, Leiter des Bereichs Finanzdienstleistungen bei PWC Luxemburg, kommentierte dies: „Das öffentliche Bewusstsein für ESG-bezogene Risiken, bedeutende regulatorische Veränderungen und die Präferenzen institutioneller Anleger führen dazu, dass ESG-Investitionen rasch an die Spitze der Asset Management-Agenda rücken. Die Kombination dieser Trends hat die europäische Asset- und Wealth-Management-Industrie nahe an einen bevorstehenden Paradigmenwechsel gebracht. Wir gehen davon aus, dass die Asset- und Wealth-Manangement-Branche von morgen anders sein wird als heute, da ESG-Erwägungen zu einem Standard für Investitionen unter gleichen Bedingungen wie die traditionellen Standards für finanzielle Erträge werden. Dieser Wandel stellt eine einmalige Gelegenheit dar – nicht nur für die AWM-Branche, sondern auch für die künftige Entwicklung Europas als Kontinent. Da das globale Kapital zunehmend in nachhaltige Projekte gelenkt wird, ist Europa gut positioniert, um als globale ESG-Drehscheibe zu fungieren, neue Arbeitsplätze und Möglichkeiten zu schaffen und damit den Wohlstand und die künftige Lebensqualität seiner Bevölkerung zu verbessern.“

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