Investoren
18. Mai 2022

Real Assets leiden unter Inflation

Die Inflation erreicht ungeahnte Höhen. Und sie lässt mit ­Immobilien ausgerechnet die Asset-Klasse leiden, die neben Infrastruktur am häufigsten als Inflationsschutz vermarktet wird.

Die Inflation erreicht ungeahnte Höhen – und lässt mit Immobilien ausgerechnet die Asset-Klasse leiden, die neben Infrastruktur am häufigsten als Inflationsschutz vermarktet wird. So lamentiert der Branchenprimus Vonovia in seinem Bericht zum ersten Quartal, dass der Ukraine-Krieg und die Sanktionen zu Preissteigerungen führen. Materialien werden teurer, Lieferketten länger und der Fachkräftemangel führe zu langsameren Projektentwicklungen.

Zudem steigen die Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden sowie die Finanzierungskosten. Vonovia drosselt darum seine Neubau-Investitionen für den Eigenbestand. Für Wohnungsinvestoren dürfte es zudem schwer sein, die Preissteigerungen an die Mieter weiterzugeben. Diese dürfen laut Vonovia-CEO Rolf Buch „finanziell nicht überfordert werden“. Es drohten bereits heute hohe Nebenkosten-Nachzahlungen für Heizen und Strom.

Inflationssensible Entwickler

Viel härter trifft es aber echte Projektentwickler. Diese erweisen sich sogar als besonders inflationssensibel. So sieht sich Instone derzeit außerstande, eine konkrete Prognose für 2022 abzugeben. Gründe seien die Materialengpässe aufgrund des Kriegs. „Die Kosten für eine Vielzahl von Materialien einschließlich Zement, Stahl, Holz sowie für alle Produkte, die in Zusammenhang mit Erdöl- und Energiekosten stehen, sind seit Ausbruch der Kampfhandlungen sukzessive zum Teil signifikant angestiegen. Mit weiteren Preiserhöhungen ist zu rechnen“, teilt Entwickler Instone mit.

Das Unternehmen geht von Baukostensteigerungen im Jahresvergleich von etwa 15 Prozent aus. Zudem erwartet man langsamere Baurealisierungen und dass sich die steigenden Zinsen negativ auf Käufer auswirken.

Stimmungskiller Zinsanstieg

Auch andere Entwickler sind mit diesen Problemen konfrontiert, mit allerdings gravierenderen Folgen: Terragon bittet seine Kreditgeber um eine Stundung der Zinszahlungen, Consus, eine Tochter von Adler Real Estate und nach ­eigenen Angaben ein führender Wohnungsentwickler, meldet ein negatives Eigenkapital und Eyemaxx stellte bereits – allerdings schon im ­Dezember – einen Konkursantrag. Dem entspricht die schlechte Stimmung, welche das Quartalsbarometer von BF Capital anzeigt. Laut diesem fällt dieser Indikator für die Stimmung primär zins­bedingt unter den Immobilienfinanzierern von minus 1,45 in Q1 ersten auf minus 12,01 im zweiten Quartal. Einen vergleichbar starken Rückgang habe es zuletzt im zweiten Quartal 2020 direkt nach Ausbruch der Corona-Krise gegeben. Die Probleme der Immobilienunternehmen Adler und Corestate scheinen dagegen eher hausgemacht.

Autoren:

Schlagworte:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert