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25. Februar 2013

Rechnungszins treibt Pensionsverpflichtungen in die Höhe

Der Ausfinanzierungsgrad der Pensionspläne deutscher Unternehmen ist laut Towers Watson 2012 deutlich gesunken, Schuld ist der niedrige Rechnungszins. Auch die guten Anlageerträge von rund zwölf Prozent konnten das nicht kompensieren.

Der Ausfinanzierungsgrad der Pensionspläne von Dax- und M-Dax-Unternehmen ist im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich zurückgegangenen. Laut einer aktuellen Studie von Towers Watson, die auf Modellberechnungen basiert und Benchmark-Pensionspläne mit unterschiedlichen Ausfinanzierungsgraden zugrundelegt, ist der Deckungsgrad um 7,7 Prozentpunkte bei Dax-Unternehmen und um fünf Prozentpunkte bei M-Dax-Unternehmen gesunken. Zur Veranschaulichung: Bei einem Musterplan, bei dem die Pensionslasten von Unternehmen seit 31. Dezember 2003 voll mit extern angelegten Vermögen unterlegt waren, lag der Ausfinanzierungsgrad Ende 2012 nur noch bei 84,6 Prozent.
Als Grund für den Rückgang macht die Beratungsgesellschaft den Rechnungszins aus. Dieser gab zum Stichtag 31. Dezember 2012 gegenüber dem Vorjahr um 140 Basispunkte auf 3,35 Prozent nach und sorgte somit in den Bilanzen der Unternehmen dafür, dass die Pensionsverpflichtungen mit einem höheren Wert angesetzt werden mussten. Im Dax stiegen die Pensionsverpflichtungen 2012 auf 317 Milliarden Euro, nachdem es 2011 nur 259 Milliarden Euro waren. Ein ähnliches Bild zeigt sich im M-Dax, in dem sich die Pensionsverpflichtungen auf 41 Milliarden Euro erhöhten. Wie Towers Watson anmerkt, konnte der Anstieg der Verpflichtungen nicht durch die guten Anlageerträge auf pensionsspezifische Vermögenswerte kompensiert werden. Für 2012 betrugen diese rund zwölf Prozent.
„Die Entwicklung des Deckungsgrads 2012 illustriert deutlich, wie stark die Bewertung der Pensionsverpflichtungen mit dem Rechnungszins schwankt“, erklärt Dr. Thomas Jasper, Leiter des Beratungsbereichs Betriebliche Altersversorgung bei Towers Watson. Weniger dramatisch wäre das Bild ausgefallen, hätten die Unternehmen für ihre Bilanzen den Rechnungszins von Ende Januar 2013 zugrundelegen können. Bis zum 31. Januar war dieser bereits wieder auf 3,7 Prozent gestiegen. Und so merkt Jasper an: „Hätte man zum Jahresende 2012 den höheren Rechnungszins vom 31. Januar 2013 zugrunde legen können, wären die Pensionsverpflichtungen niedriger eingestuft worden und der Ausfinanzierungsgrad der Dax-Pensionspläne läge dann bei knapp über 60 Prozent. Das historische Zinstief wurde ausgerechnet zum Bilanzierungsstichtag 31. Dezember 2012 erreicht.“ Nach Jaspers Ansicht könnte der aktuelle Zinsanstieg ein erstes Zeichen für eine Normalisierung der Märkte sein.
Der Deckungsgrad bringt nur zum Ausdruck, wie viel speziell reservierte Gelder für Pensionsverpflichtungen zur Verfügung stehen. Im Dax waren das Ende 2012 Vermögenswerte in Höhe von 184 Milliarden Euro, im M-Dax 18 Milliarden Euro.
portfolio institutionell newsflash 25.02.2013/kbe

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