Pensionskassen
30. Mai 2012

Renditen der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen im Sinkflug

Mit einer roten Null als Performance 2011 verdüstern sich die Zukunftsperspektiven für die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen. Die Debatte über den Abbau von Leistungen hat begonnen.

Mehr als 300 teilnehmende Vorsorgeeinrichtungen mit einem Totalvermögen von 426 Milliarden Schweizer Franken haben an der Pensionskassenumfrage teilgenommen, die Swisscanto, der Asset Manager der Schweizer Kantonalbanken, jährlich durchführt. Die Durchschnittsrendite des vergangenen Jahres betrug – 0,3 Prozent. Auf längere Frist wird die Diagnose besorgniserregend: Über die vergangenen fünf Jahre resultierte eine nur minimal positive Rendite von 0,2 Prozent pro Jahr. 
Bei der Asset Allokation bleiben die Festverzinslichen mit 37 Prozent Vermögensanteil die wichtigste Kategorie. Hier gab es – wenig erstaunlich angesichts der Verschuldungskrise – die größten Umschichtungen: Die Hälfte der Kassen hat Unternehmensanleihen zugekauft und Staatsanleihen im Portfolio abgebaut. 
Zu den unterschätzten Risiken der Rentenpapiere meint Dr. Klaus W. Wellershoff, CEO des Beratungsunternehmens Wellershoff & Partner: „Es gibt heute keine Möglichkeit, dass Obligationen in Schweizer Franken in dem strategierelevanten Zeitraum auch nur annähernd die nötigen Erträge erzielen, um das Risiko der Anlage zu kompensieren.“ Paradoxerweise wäre hier eine Inflation für die Vorsorgeeinrichtungen hilfreich. „Kommt es zum schlimmsten Szenario eines nachhaltigen Zinsanstieges, werten sich die Verpflichtungen ab. Wenn die Anlagen das weniger tun, haben die Pensionskassen eine einmalige Chance, ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern“, so Wellershoff.
Leistungsversprechen ohne genügend solide Finanzbasis
Angesichts der ungenügenden Renditen greifen die Vorsorgeeinrichtungen vermehrt auf der Leistungsseite ein. So haben bei den öffentlich-rechtlichen Kassen schon fast 40 Prozent Sanierungsmaßnahmen ergriffen – meist über eine Reduktion der Verzinsung der Altersguthaben sowie über sogenannte Sanierungsbeiträge von Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Kassen sehen sich großen Herausforderungen gegenüber, hier wird der Steuerzahler wohl in den kommenden Jahren öfters zur Kasse gebeten werden. Selbst bei privaten Kassen musste die staatliche Hand schon eingreifen. So erhielt die vor etwas mehr als zehn Jahren privatisierte Vorsorgeeinrichtung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) vergangenes Jahr einen vom Parlament in Bern zugesprochenen Betrag von 1.148 Millionen Schweizer Franken zur Sanierung der Pensionskasse. 
Radikale Vorschläge auf der Leistungsseite sind in der öffentlichen Diskussion. So sollen Versicherte 45 statt 40 Jahre in die zweite Säule einzahlen müssen. Dieser neueste Vorschlag stammt vom Konzernchef des führenden Vorsorgeunternehmens Swiss Life. Ein Akademiker, der nach dem Studium mit 25 Jahren ins Berufsleben eintritt, würde demnach erst mit 70 Jahren in Rente gehen.
portfolio institutionell newsflash 30.05.2012/hun
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