Traditionelle Anlagen
28. September 2016

Renditeschätzer schlagen leisere Töne an

Die Renditeaussichten in der institutionellen Kapitalanlage sind trister denn je. Ein Grund sind die mageren Renditen auf der Zinsseite, aber auch die Renditeerwartungen anderer Anlageklassen trocknen zusehends aus.

Zahlreiche Studien haben in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass die erwartete Rendite eines klassischen Portfolio, das zu weiten Teilen aus festverzinslichen Wertpapieren besteht und mit Aktien und alternative Anlagen angereichert ist, deutlich unter des von vielen deutschen Investoren angestrebten Rechnungszins von 3,5 bis vier Prozent pro Jahr liegen wird. Wie Frank Umlauf vom Beratungshaus Tajdo kürzlich auf einer Veranstaltung von portfolio institutionell anhand eines exemplarischen Kernportfolios bestehend aus 80 Prozent Staatsanleihen und 20 Prozent Aktien vorrechnete, könne man als Anleger bei länger laufenden Staatsanleihen in den nächsten zehn Jahren im Schnitt pro Jahr mit nicht mehr als 0,5 Prozent Rendite rechnen. Am Aktienmarkt hingegen liegen die derzeitigen langfristigen Return-Erwartungen gemäß des Shiller-KGV bei geschätzten drei Prozent. Auf Portfolioebene resultiere daraus eine erwartete Rendite von einem Prozent per annum. Und gemäß Studien des McKinsey Research Institute vom Mai dieses Jahres liegen die Renditen in den kommenden 20 Jahren im Schnitt um zwei bis vier Prozent tiefer als bislang. Um einen solchen zwei prozentigen Renditerückgang zu kompensieren, müsste die Lebensarbeitszeit um sieben Jahre verlängert oder die Sparquote verdoppelt werden. Wer kann das schon? 
Wie eng es inzwischen um so manches breiter gestreute Portfolio bestellt ist, zeigt eine Kapitalanlagestruktur, wie sie in der betrieblichen Altersvorsorge bei ausgelagerten Direktzusagen (Contractual Trust Arrangement, CTA) typisch ist: 60 Prozent Renten, 30 Prozent Aktien, zehn Prozent Alternatives. Die Berater von Willis Towers Watson haben im Jahr 2014 Berechnungen angestellt, welche Rendite man anhand eines solchen Portfolios in den nächsten zehn Jahren erwarten kann. Die Consultants kamen damals auf eine erwartete Jahresrendite von ungefähr vier Prozent. Laut neuesten Schätzungen liegt die Renditeerwartung für die kommende Dekade bei nur noch etwa zwei Prozent pro Jahr. 
Den Gürtel enger schnallen
Auch in den USA macht man sich auf sinkende Renditen gefasst, zahlreiche Pensionsfonds haben ihre Renditeerwartungen heruntergeschraubt. Noch vor 17 Jahren hatte sich jeder zweite US-Konzern zum Ziel gesetzt, auf das hausintern angesparte Pensionsvermögen eine Rendite von mehr als neun Prozent (!) pro Jahr zu erwirtschaften. Heute gehen die Unternehmen im S&P 500 ein wenig demütiger an die Kalkulation heran und peilen im Schnitt einen Rechnungszins von 6,8 Prozent an. 
Das Oklahoma Teachers‘ Retirement System nahm vor wenigen Tagen die eigenen Renditeerwartungen von acht auf 7,5 Prozent per annum zurück. Laut eines Berichts des US-Fachmagazins „Pensions & Investments“ kündigte der Direktor des 14,2 Milliarden US-Dollar schweren Pensionsfonds für Lehrer in Oklahoma, Tom Spencer, das Vorhaben in einer E-Mail an. Dem Bericht zufolge hat das Board of Trustees dem Vorhaben am vergangenen Mittwoch zugestimmt. Der geänderte Rechnungszins fließe in die aktuariellen Planungen zum Stichtag 30. Juni ein, heißt es. Als Grund für die Senkung des Rechnungszinses werden niedrige Inflationserwartungen angegeben sowie, etwas kryptisch, die weitere Zinsentwicklung. 
„Noch vor zehn Jahren konnte ein Fonds wie der unsere mit Investments in Renten eine jährliche Rendite zwischen fünf und sechs Prozent erzielen, vielleicht neun bis zehn Prozent mit Aktien. Ein Kern-Portfolio wird sich in der nahen Zukunft damit schwer tun, diese Renditen zu erwirtschaften“, schreibt Spencer in besagter E-Mail und dämpft damit die Erwartungen an die von vielen als alternativlose Anlage zu Anleihen gepriesenen Aktien: „Wir können nicht davon ausgehen, dass Aktien konsistent langfristig überdurchschnittliche Renditen einbringen.“ 
Kern-Portfolio in Nöten
Das reduzierte Renditeziel führt dazu, dass die später einmal pensionierten Lehrer ebenso wie die gleichfalls in die Altersversorgung einbezogenen Angestellten öffentlicher Schulen in Oklahoma den Gürtel ein wenig enger schnallen müssen. Dabei hegten die meisten Investmentberater mit Blick auf die kommenden Jahre nach Einschätzung Spencers einen noch pessimistischeren Renditeausblick; eine erwartete Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr oder ein leicht darunter liegender Wert sei derzeit die im Median erwartete Renditeannahme für öffentliche US-Pensionsfonds. 
An der Beitragshöhe wiederum wurden für die Lehrer in Oklahoma indessen keine Veränderungen vorgenommen. Das Gros der Angestellten muss sieben Prozent seines Gehalts in den Rententopf einzahlen. Angestellte im Bereich der höheren Schulbildung steuern 8,55 Prozent ihrer Entlohnung bei. Alle anderen Rentensparer zahlen 9,5 Prozent. 
Wer die verglichen mit deutschen Rechnungszinsen recht hohen Renditeerwartungen im zentralen Süden der Vereinigten Staaten von Amerika nachvollziehen will, sollte ein Blick auf das Anlageuniversum werfen: Laut „Pensions & Investments“ stellte sich die Portfoliostruktur des Lehrer-Pensionsfonds zum Stichtag 30. Juni  folgendermaßen dar: 14,3 Prozent der Gelder waren in aktiv verwalteten Mandaten investiert, die auf einheimische Midcaps-Aktien fokussiert sind. Ein etwas geringerer Anteil des Portfolios, 14 Prozent, entfiel damals auf festverzinsliche Wertpapiere. Elf Prozent der Asset-Allokation wurden in aktiv verwalteten Small-Cap-Aktien-Mandaten betreut. Ein weiterer Portfoliobaustein: 9,1 Prozent waren in international Large-Caps-Aktien angelegt.  Daneben planen die Lehrer in Oklahoma ihren Ruhestand außerordentlich breit diversifiziert unter anderem mit Hilfe von Investments in Master-Limited-Partnerschaften, Immobilien sowie Private Equity. 
portfolio institutionell newsflash 28.09.2016/Tobias Bürger
Autoren:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.