Schwarzer Schwan
21. November 2014

Riester? Rürup? Retzlaff!

Ab einem gewissen Einkommensniveau ist der Heiligenschein wichtiger als der Geldschein. Noch wichtiger als Reputation ist jedoch Rache.

14,5 Millionen Bundesbürger haben Angst, im Alter arm zu sein. Das zeigt eine Umfrage der Stuttgarter Lebensversicherung, für die mehr als 1.000 erwerbsfähige Personen zwischen 18 und 55 Jahren befragt wurden. Diese Ängste lassen sich offenbar auch nicht durch eine vom Staat geförderte private Altersvorsorge in Form einer Riester- oder Rürup-Rente lindern. Das einzige angstlindernde Mittel gegen Altersarmut wäre die Retzlaff-Rente, eine von der Stada AG geförderte Altersvorsorge. Beim Arzneimittelhersteller hat sich der Vorstandsvorsitzende Hartmut Retzlaff nämlich durch offenbar besonders außerordentliche Leistungen um die höchsten Pensionsansprüche aller Dax und M-Dax-Vorstände verdient gemacht. Der Barwert seiner Pensionszusagen betrug im Geschäftsjahr 2013 35,3 Millionen Euro. Mitte November ließ der Arzneikonzern in seinem Quartalsbericht zum 30. September 2014 jedoch wissen, dass es eine „Planänderung des leistungsorientierten Versorgungsplans für den Vorstandsvorsitzenden“ gab. Retzlaff verzichtet auf 16 Millionen Euro, berichtet die FAZ. Er habe das nicht tun müssen, tue es aber, wenn es dem Unternehmen helfe, gab sich Retzlaff großmütig. Diese Großzügigkeit sollte sich Retzlaff auch leisten können. „Der aktuelle Anspruch von Herrn Retzlaff beträgt 24 Millionen Euro“, zitiert die FAZ den Finanzvorstand Helmut Kraft. Wahrscheinlich fürchtete Retzlaff, wenn schon nicht um seine Altersvorsorge, dann um seine Reputation.
Die Frage der Reputation dürfte auch für Jack Welch, Ex-Topmanager von General Electric, im Raum gestanden haben. In seinem Pensionsvertrag hatte sich die Management-Ikone ursprünglich laut Wikipedia neben einer jährlichen Zahlung von neun Millionen US-Dollar die freie Nutzung eines Firmenflugzeugs, einer VIP-Box bei den Baseballspielen der Boston Red Sox, ein Appartement im Trump Tower und freies Speisen in einem Nobelrestaurant zusichern lassen. Nach Kritik verzichtete Welch – Kosename „Neutronen-Jack“, weil bei ihm zwar die Gebäude intakt, aber von Menschen leer gefegt sind – auf diese Vergünstigungen. Bei einem kolportierten Vermögen von circa 700 Millionen Dollar dürften seine finanziellen Verhältnisse immer noch als geordnet bezeichnet werden. Somit dürfte es Welch auch nicht ganz so schwer fallen, mehr Wert auf einen intakten Heiligenschein als auf mehr Geldscheine zu legen.
Ein anderes Motiv als Reputation kann bei Geldzuwendungen an Vorstände auch Respekt oder Rache sein. Vom Manager Magazin ist die Geschichte überliefert, dass Ferdinand Piëch in jungen Jahren bei Audi einen Bonus verweigert wurde. Die Begründung: Als Porsche-Erbe stamme er ja sowieso schon aus einem begüterten Hause. 20 Jahre musste Piëch auf eine Revanche warten. Dann stieg er zum Chef seines damaligen Chefs auf – und verweigert diesem nun seinen Bonus. Schließlich habe der Mann in den vergangenen Jahren doch genug kassiert, so Piëchs Begründung.
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein geruhsames Wochenende. 
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