Pension Management
21. März 2012

Risiko: Langlebigkeit – kostspielig, komplex und dennoch gefragt

Die zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung – Aktuare in Deutschland sprechen von ­Langlebigkeit, ­Angelsachsen sagen Longevity dazu – gilt als eines der größten Risiken für Pensionseinrichtungen. ­Rückversicherer und Indexanbieter treten auf den Plan und suchen nach Lösungen. Mit sichtbarem Erfolg – auch für Investoren.

Der Trend der ansteigenden Lebenserwartung kehrt sich nach ­Einschätzung von Experten nicht um. Stattdessen sorgt er bei ­institutionellen Häusern für zunehmende Risikopositionen. Dabei werden alle drei Säulen der Altersversorgung in Deutschland tangiert. ­Neben der berufsständischen Versorgung (Teil der staatlichen ­Vorsorge ­innerhalb der Säule 1) auch die Durchführungswege der ­betrieblichen ­Altersvorsorge (Säule 2) sowie die private Vorsorge (­Säule 3). Es sei denn, die Assets halten mit der ­Verpflichtungsseite Schritt.
Aber welche Pensionseinrichtung kann das schon von sich behaupten in Zeiten künstlich niedrig ­gehaltener Zinsen und volatiler Aktien­märkte? Die Verlängerung der ­Lebens­erwartung muss mit einem Mehrertrag finanziert werden, der erst einmal ­erwirtschaftet werden muss. Aufgrund der wachs­enden Bedeutung ­privater Rentenversicherungs­produkte wird das ­Langlebigkeitsrisiko, also die Abweichung ­künftiger Sterblich­keitstrends von den ­Erwartungen, zum ­Risiko­faktor. „Das ­Langlebigkeits­risiko betrifft alle Einrichtungen, die ­Versorgungszusagen machen“, erklärt Dr. Guido Grützner vom ­Beratungshaus Secquaero, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Markt für verbriefte ­Versicherungsrisiken, auch ­bekannt als Insurance-linked Securities, ­voranzutreiben.

Während die Lebens­erwartung der Bevölkerung in den ­Industrie­nationen seit Jahren von Periode zu ­Periode ansteigt, ­prophezeien ­Forscher für die mittlere ­Zukunft ­inzwischen ein nicht mehr ­außer­gewöhnliches Lebensalter von weit über 100 Jahren. ­Johannes ­Heesters, der im Dezember 2011 im Alter von 108 Jahren ­verstorben ist, lässt grüßen. Grund für die ­zunehmende ­Lebens­erwartung ist nach Darstellung des ­eidgenössischen ­Rück­versicherungsanbieters Swiss Re neben ­einer gesünderen Lebens­weise der medizinische ­For­tschritt. ­Pharmakonzerne hätten sich ­darauf spezialisiert, Medikamente zur Behandlung lebens­bedrohlicher Krankheiten zu entwickeln. Dadurch komme es zu ­höheren Überlebensraten, etwa bei Krebs oder Herz­erkrankungen. Dem Fortschritt im Gesundheitswesen stehen ­allerdings negative ­Faktoren gegenüber, die die Lebenserwartung ­wiederum reduzieren können. Nach Angaben der Eidgenossen ­handelt es sich dabei um ­zunehmenden Stress aufgrund langer Arbeitszeiten sowie vermehrte Fettleibigkeit. Außerdem entwickelten Viren und Bakterien ­Resistenzen gegenüber Medikamenten, wie die ­Versicherungsexperten als weitere negative Einflussfaktoren auf die Lebenserwartung zu ­bedenken geben. Studien der Deutschen Börse zeigen indessen, dass sich insbesondere ein überdurchschnittliches Einkommen in einer höheren Lebenserwartung niederschlägt.

Während der medizinische Fortschritt den Mitgliedern so ­mancher Berufsgruppe schon heute einen außerordentlich langen ­Lebensabend ­vergönnt, ­werden die Versorgungsträger von Bauchschmerzen ­gequält, auch wenn sie in ihren individuellen Sterbe- und Richttafeln gewisse Sicherheitsspannen einkalkulieren. Stellt sich nämlich bei der ­Veröffentlichung aktualisierter Annahmen zur Lebenserwartung ­heraus, dass der Trend der Langlebigkeit in den bislang angewandten Tafeln nicht den tatsächlichen Trend der jeweiligen Pensions­einrichtung reflektiert, muss nachreserviert werden. Vor diesem ­Hintergrund ist zu befürchten, dass auf die künftigen Empfänger von ­Rentenleistungen einschneidende Maßnahmen zukommen. Neben Beitragsanhebungen räumt die Satzung so mancher Pensionskasse auch ein Recht auf Leistungskürzungen ein. Demografische ­Strukturveränderungen stellen derweil so manche berufsständische Versorgungseinrichtung vor Herausforderungen, etwa wenn das ­Einkommensniveau oder die Anzahl der Beitragszahler schrumpft. Bei den zum Teil umlagefinanzierten Einrichtungen werden längst Solidarpakte geschlossen, zum Beispiel der Verzicht der Pensionäre auf einen Inflationsausgleich, damit die jungen Beitragszahler nicht übermäßig viel vom Gehalt abzweigen müssen.
Im zweiten Teil der aktuellen Titelgeschichte von portfolio institutionell,den Sie hier finden, erfahren Sie, wie Pensionseinrichtungen mit dem Risiko der steigenden Lebenserwartung umgehen können.

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