Traditionelle Anlagen
13. September 2023

Robeco rechnet mit höheren Renditen bis 2028

Ausblick auf erwartete, annualisierte Renditen über fünf Jahre für wichtige liquide Anlageklassen. Reshoring und multipolare Geopolitik bereiten „Machtkämpfe“, Risikoprämien dürften sinken.

Der Asset Manager Robeco hat seine Renditeerwartungen für verschiedene Anleihen- und Aktiensegmente von 2024 bis 2028 veröffentlicht. In dem Bericht „Expected Returns“ für den genannten Zeitraum untersucht Robeco, was Investoren in allen wichtigen Asset-Klassen über einen Zeitraum von fünf Jahren erwarten können.

Bei den erwarteten Renditen liegen Staatsanleihen bei einer über fünf Jahre annualisierten Rendite gleichauf mit liquiden Mitteln bei einer Renditeerwartung von 2,5 Prozent in Euro und 3,25 Prozent in US-Dollar am unteren Ende der Renditeskala, mit Globalen High-Yield-Bonds (abgesichert) bei 5,5 Prozent (Euro) und 6,25 (US-Dollar) Prozent Rendite annualisiert über fünf Jahre am oberen Ende, was das Anleihensegment betrifft.

Globale Staatsanleihen (entwickelte Länder, abgesichert) erzielen der Schätzung zufolge 3,50 Prozent (Euro) und 4,25 Prozent (US-Dollar), während für Staatsanleihen aus Schwellenländern in Lokalwährung 4,75 Prozent und 5,75 Prozent erwartet werden. Globale Investment-Grade-Unternehmensanleihen kommen in der Schätzung auf 4,5 (Euro) und 5,25 (US-Dollar) Prozent annualisierter Rendite für die kommenden fünf Jahre.

Bei Aktien der entwickelten Länder erwartet der Asset Manager 5,75 (Euro) und 6,75 (US-Dollar) als annualisierte Renditen. Aktien aus Schwellenländern erreichen in Euro 7,25 und in US-Dollar 8,25 Prozent Rendite und liegen dabei an der Spitze, was die Renditebetrachtung betrifft. REITs sollen zwischen 5,5 und 6,5 Prozent Rendite erzielen, während für Rohstoffaktien eine annualisierte Rendite über fünf Jahre von 4,75 (Euro) und 5,75 (US-Dollar) erwartet wird.

Machtkämpfe zwischen Geld- und Fiskalpolitik

Hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung prognostiziert der Fünf-Jahres-Ausblick von Robeco zudem eine starke Machtdynamik, die das wirtschaftliche Umfeld in den kommenden Jahren prägen werde. Die Machtkämpfe werden sich demzufolge auf drei Ebenen abspielen: zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Steuer- und Geldpolitik sowie zwischen den USA und China, deren Beziehung sich klar verschlechtert habe. So könnte der zunehmende Trend zum Reshoring die Unternehmensgewinne angesichts der gestärkten Verhandlungsposition der Arbeitnehmer vor Herausforderungen stellen. Zudem könnten Regierungen, die ihren Fokus von haushaltspolitischer Vorsicht auf wachsende Investitionen in die Bereiche Sicherheit und Klima verlagern, für zusätzliche Inflation sorgen.

Handelsspannungen könnten zu mehr Regulierung führen

Indessen könnten sich die Zentralbanken weigern, eine übermäßig ausgabenfreudige Regierung mit einer Politik des lockeren Geldes zu unterstützen, solange die Inflation über der Zielmarke liegt. Außerdem mache der Kampf um die technologische Vorherrschaft zwischen den USA und China mehr als deutlich, dass sich die Welt in Richtung einer multipolaren Weltordnung bewegt, so Robeco. Zunehmende Handelsspannungen könnten auf das Wachstum des globalen Bruttoinlandprodukts drücken, westliche Regierungen könnten darauf mit stärkerer Regulierung, höheren Militärausgaben und weniger Laissez-faire-Wirtschaft reagieren, um den Status Quo aufrechtzuerhalten.

Potenzial für Spannungen

Peter van der Welle, Multi Asset-Stratege bei Robeco kommentiert den Bericht: „Der Beginn einer multipolaren Weltordnung, die Stärkung des Faktors Arbeit und das Ende der lockeren Geldpolitik sind wichtige Entwicklungen, die man als Vermögensverwalter im Auge behalten sollte. Die Verheißung der generativen künstlichen Intelligenz verstärkt diese Herausforderungen zusätzlich. Die neuen technologischen Möglichkeiten, die der Wirtschaft heute zur Verfügung stehen, erhöhen das Potenzial für Spannungen. Wir denken daher, dass wir uns heute in einem wirtschaftlichen Umfeld befinden, in dem verschiedene Machtkämpfe im Vordergrund stehen.“

Inflation stabilisiert sich bei 2,5 Prozent

Interessant an dem Bericht sind zudem die mittelfristigen Inflationserwartungen: Wenn diese Machtkämpfe gemeistert werden können, erwartet Robeco einen wirtschaftlichen Stillstand mit einer leichten Rezession im Jahr 2024 und einer sich stabilisierenden Inflation bei durchschnittlich etwa 2,5 Prozent bis 2029.

Veränderte Risikoprämien gehen zulasten von Aktien

Der internationale Asset Manager mit niederländischen Wurzeln hat die Renditeerwartungen für die meisten Anlageklassen gegenüber seinen Schätzungen vom vergangenen Jahr angehoben, erwartet jedoch in den nächsten fünf Jahren außer bei Rohstoffen unter den langfristigen historischen Durchschnittswerten liegende Renditen in Euro. „Wir bewegen uns allmählich weg von einer Welt mit niedrigen risikofreien Zinssätzen und hohen realisierten Risikoprämien und hin zu einer Welt mit höheren risikofreien Zinssätzen und niedrigeren Risikoprämien. Trotz des jüngsten Anstiegs der risikofreien Zinssätze in den G7-Staaten um mehr als vier Prozentpunkte sind unsere unter dem langfristigen historischen Durchschnitt liegenden Renditen hauptsächlich das Ergebnis von unterdurchschnittlichen risikofreien Zinssätzen und in gewissem Maße gedämpften Risikoprämien. Nach unserer Überzeugung wird das Eingehen von Risiken bei Aktien in dieser Zyklusphase im Vergleich zu Anleihen weniger gut kompensiert werden“, fasst der Asset Manager seine Überlegungen in dem Bericht  zusammen.

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