Versicherungen
3. September 2013

Rückversicherer und die Zinswende

Weltweit hadern Rückversicherungsunternehmen mit den niedrigen Kapitalmarktrenditen. Was im Falle kräftig steigender Zinsen passieren würde, beleuchtet Fitch Ratings in einem Branchenbericht.

Die Rückversicherungsbranche befindet sich derzeit in einem relativ ruhigen Fahrwasser. Die Rating-Agentur Fitch geht in ihrem jüngsten Branchenausblick davon aus, die derzeitigen Rating-Einstufungen der einzelnen Unternehmen mit Blick auf die kommenden zwölf bis 24 Monate größtenteils zu bestätigen, mitunter sogar zu erhöhen. Der Versicherungszweig profitiert den Auguren zufolge von seiner üppigen Eigenkapitalausstattung und anhaltender Profitabilität. Gleichwohl sei die Rentabilität der Rückversicherer durch Katastrophenereignisse bedroht. Daneben sieht Fitch aber auch in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld einen Anlass, der die Bonität des Sektors negativ beeinträchtigen könnte. 
Als größte Herausforderung für die Rückversicherer erachtet Fitch die Investitionslandschaft. Wie dem Global-Reinsurance-Branchenausblick zu entnehmen ist, erwartet die Rating-Agentur ein anhaltendes Niedrigzinsumfeld, das die Renditeaussichten des Sektors weiter unter Druck setzt. Der jüngste Anstieg der Renditen am langen Ende der Zinskurve für Staatsanleihen wird als nicht nachhaltig eingestuft. 
Demnach dürfte sich auch die Anspannung in den Bilanzen der Unternehmen fortsetzen. Mit Blick auf die jüngsten Zwischenberichte der Rückversicherer zieht Fitch das Zwischenfazit, dass die Mehrheit der Unternehmen beim Eigenkapital einen durchschnittlichen Rückgang um 2,6 Prozent hinnehmen musste. Grund dafür seien unter anderem die Veränderungen der unrealisierten Gewinne beziehungsweise Verluste. So hätten insbesondere festverzinsliche Anlagen jüngst unter dem durchschnittlichen Anstieg der Kapitalmarktzinsen um 75 Basispunkte gelitten. Dadurch seien die unrealisierten Gewinnen in den Bilanzen abgeschmolzen. Anleiheportfolios einiger Rückversicherer wiesen inzwischen über alle Positionen hinweg unrealisierte Verluste auf. Zum heutigen Zeitpunkt geht Fitch davon aus, dass die Kapitalmarktrenditen allmählich steigen. Das sollte den Bonitätswächtern zufolge helfen, die Portfoliorenditen zu stabilisieren. 
Folgen der Zinswende
Bei Fitch ist man grundsätzlich der Ansicht, dass die Rückversicherer gut positioniert sind, um einer weiteren Zunahme der Kapitalmarktzinsen zu widerstehen, die sich in sinkenden Anleihekursen widerspiegeln würde. Zur Begründung verweist die Rating-Agentur auf die Portfolios der Rückversicherer mit insgesamt liquideren Zinsträgern und einer recht überschaubaren Duration von durchschnittlich drei Jahren. Stützend wirke auch der niedrige Leverage. So beziffert Fitch das Verhältnis von investiertem Kapital zu Eigenkapital auf den Faktor zwei. Im Gegensatz dazu hätten die Unternehmen in anderen Versicherungszweigen eine höhere Duration im Anleiheportfolio. Und auch deren Investment-Leverage sei höher. 
Fitch hat berechnet, dass ein Anstieg der Kapitalmarktrenditen um jeweils 100 Basispunkte in einem fünfprozentigen Rückgang des Eigenkapitals der Rückversicherer münden würde. Dieser grundsätzlich sehr negative Effekt relativiert sich allerdings ein Stück weit, sobald die Rückversicherer in Anleihen mit dann höherer Rendite investieren. Die Zinswende stellt demnach kurzfristig ein Risiko für die Branche dar. Langfristig würde sie den Sektor jedoch stärken.
Inflation und Solvency II 
Was die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise in den meisten Volkswirtschaften in den kommenden 24 Monaten betrifft, geht Fitch grundsätzlich von einem unverändert stabilen Niveau aus. Sollte es zu einem sprunghaften Anstieg der Teuerungsrate kommen, sei dieser für die Rückversicherer kontrollierbar. Denn laut Fitch haben sich die Rückversicherer bereits auf vielen Wegen gegen Inflation abgesichert, wie etwa dem Kauf inflationsindexierter Anleihen und die Nutzung von Inflationsswaps. 
Und was das Versicherungsregelwerk Solvency II betrifft, bekräftigt Fitch seine schon früher geäußerte Einschätzung, wonach das neue Aufsichtsregime für finanziell gut ausgestattete, diversifizierte Rückversicherer eine gute Gelegenheit darstellt. Sie profitierten vom wachsenden Bedarf nach Rückversicherungsschutz, weil Versicherungsunternehmen auf niedrigere Eigenkapitalanforderungen hinarbeiten. 
portfolio institutionell newsflash 02.09.2013/Tobias Bürger
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