Pension Management
28. März 2017

Schattenseiten der kapitalmarktbasierten Ruhestandsplanung

Zahlreiche öffentliche Pensionspläne in den USA rechnen damit, dass ihre breit gestreuten Portfolien mittelfristig weniger Rendite abwerfen als in der Vergangenheit. Aktuaren kommt bei der Projektion der Rendite besondere Bedeutung zu, während im Portfolio die Suche nach Assets in eine neue Runde geht.

Die Zahlen lassen aufhorchen, aber sie kommen auch nicht über­raschend: Mehr als drei Viertel der öffentlichen Pensionspläne in den USA haben ihre Renditeannahmen seit 2010 nach unten revidiert. Ein Grund sind die mageren Returns auf der Zinsseite, aber auch die ­Renditeerwartungen anderer Anlageklassen fallen zusehends. Im ­Median liegt die erwartete Rendite heute über alle öffentlichen ­Pensionseinrichtungen der USA hinweg bei 7,5 Prozent. Das berichtet Pensions & Investments.

Das Fachmagazin beruft sich auf eine Untersuchung der National Association of State Retirement Administrators (Nasra), deren Mitgliederschaft sich aus den Direktoren der ­öffentlichen Pensionssysteme der Vereinigten Staaten zusammensetzt. Pensions & Investments zitiert den Forschungschef der Nasra, Keith Brainard, im Hinblick auf die Renditeerwartungen mit folgenden Worten: „Die Länge des Trends und sein Ausmaß sind beispiellos. Die Realität niedrigerer Renditeannahmen ist besiegelt.“

Mit einem Anlagevolumen von rund 310 Milliarden US-Dollar ist das California Public Employees‘ Retirement System (Calpers) der größte Anbieter von Leistungszusagen (Defined Benefit) in den USA. Und damit auch einer der Betroffenen sinkender Renditeerwartungen, weil ceteris paribus die Verpflichtungsseite anschwillt. Laut Calpers führen die neuen Annahmen bei „einer Reihe von Anlageklassen” ­dazu, dass die betroffenen Pensionspläne überarbeitet und neu ­justiert werden müssen und, vielleicht der wichtigste Aspekt der zunehmend verfahrenen Situation, es müssen größere Kapitalanlagerisiken eingegangen werden, um die sinkenden Renditeerwartungen auszubügeln. Wenn das nicht geht, dann diese wenigstens abzumildern.

Pensionseinrichtungen senken Renditeerwartungen 

In den vergangenen Jahren sahen sich bereits zahlreiche öffentliche Pensionspläne in den USA dazu veranlasst, ihre langfristigen Rendite­annahmen nach unten zu revidieren, berichtet die Vereinigung der Pensionsadministratoren. Betroffen ist laut Nasra ein gigantisches Anlagevolumen. Zum Stichtag 30. September 2016 summierten sich die Kapitalanlagen der staatlichen und lokalen Rentensysteme in den USA auf 3,82 Billionen US-Dollar. Zu den Pensionseinrichtungen, die in der jüngeren Vergangenheit ihre Renditeerwartungen nach unten adjustiert haben, gehört beispielsweise Platzhirsch Calpers – künftig mit dem Renditeziel von 7,0 statt 7,5 Prozent per annum.

Und auch die Kollegen vom California State Teachers‘ Retirement System (­Calstrs), ebenfalls in der kalifornischen Metropole Sacramento ­beheimatet, versprechen sich von der Kapitalanlage zunächst etwas weniger. Die Pensionseinrichtung für die im Staatsdienst stehenden Lehrer Kaliforniens hält Kapitalanlagen nach Marktwerten von etwa 189 Milliarden US-Dollar. Auf Empfehlung ihrer Aktuare hat Calstrs ihre Renditeerwartung zunächst für die kommenden zwei Jahre in zwei Schritten von 7,5 auf glatt sieben Prozent pro Jahr reduziert.

Assets und Verbindlichkeiten driften auseinander

Bei der Betrachtung von Pensionsplänen spielt neben der angestrebten Rendite insbesondere die Funding Ratio, also das Verhältnis vom Marktwert des Anlagevermögens in Relation zu den Verbindlich­keiten, eine zentrale Rolle. Von Bedeutung ist an dieser Stelle das ­Risiko, dass die einem Leistungsempfänger zugesagten Mittel zum Zeitpunkt ihrer Fälligkeit nicht vollständig zur Verfügung stehen, eben weil die Finanzierungslage des Pensionsplans hinter den Erwartungen zurück bleibt. Um das zu vermeiden, betrachten Aktuare in ­jedem Jahr aufs Neue die Funding Ratio, was wiederum Einfluss auf die Asset-Allo­kation des Pensionsplans hat.

Es versteht sich von selbst, dass der Ausfinanzierungsgrad von Jahr zu Jahr sowohl vom Zähler her als auch vom Nenner aus schwankt. Brenzlig ist es aber, wenn der Aus­finanzierungsgrad deutlich unter der finanzielle Gesundheit ausstrahlenden 100-Prozent-Marke liegt und es keinen handfesten Plan gibt, wie man sich daran anzupirschen gedenkt.

Funding Ratio geht zurück 
Aktuare haben etwa ­ausgerechnet, dass das Funding Level bei Calpers im Bereich der Ruhestandsplanung für die mit fast 700.000 ­Mitgliedern größte der insgesamt drei Untergruppen, die der staatlich angestellten Lehrer, zum Stichtag 30. Juni 2015 bei 77,5 Prozent lag, nach 82 Prozent am gleichen Stichtag des Vorjahres. Wenn die ­vorhandenen Anlagen wie in diesem Beispiel nicht ausreichen, um künftige Verpflichtungen zu decken, ist das noch kein Beinbruch.
Wenn aber die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass der Ausfinanzierungsgrad weiter sinkt, dann wird es brenzlig. Projektionen bei Calpers ­zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit weiter sinkender Funding Ratios zuletzt zugenommen hat. Grund dafür sind niedrigere als die erwarteten Anlageergebnisse im Fiskaljahr 2015/16. Das kann künftig zwar wieder ganz anders aussehen. Aber überspitzt gesagt steht und fällt die ­Rentenplanung mit der Entwicklung am Kapitalmarkt.

Wenn 6,9 Prozent nicht genug sind

Bei Calpers jedenfalls zerbricht man sich derzeit die Köpfe, wie man die Kapitalanlagen und die Verbindlichkeiten einander angleichen kann. Es wird erwartet, dass die künftigen Annahmen zur wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung bis Februar 2018 vorliegen und zu einer neuen strategischen Asset-Allokation führen. Denkbar erscheint etwa, dass die angestrebte Private-Equity-Quote von derzeit zehn Prozent nach oben gefahren wird, um den Renditedurst zu ­lindern. Aber gerade Private Equity ist eine der Anlageklassen, deren Renditeaussichten abschmelzen.
Erhebliche Probleme im Hinblick auf die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen werden derzeit aber vor allem dem Oregon Public Employees Retirement System (PERS) nachgesagt. Wie das Fachmagazin „Chief Investment Officer“ berichtet, schlägt man sich dort nach Einschätzung von Aktuaren mit einer Deckungslücke von rund 22 Milliarden US-Dollar herum – und das bei einem Asset-Volumen von 70 Milliarden US-Dollar.

Zielrendite war lange Zeit stabil

Ironie des Schicksals: Im Geschäftsjahr 2016 hat PERS die erst 2015 von 7,75 auf 7,5 Prozent reduzierte Rendite­planung mit 6,9 Prozent verfehlt. Laut „Chief Investment Officer“ lag die Zielrendite zuvor über 30 Jahre hinweg stabil bei 8,0 Prozent, bevor sie 2013 zunächst um 25 Basispunkte nach unten genommen wurde. Erschwerend hinzukommt, dass die bisherigen Annahmen zur Sterblichkeit der 130.000 Pensionsberechtigten zu niedrig angesetzt wurden.

Um die gigantische Finanzierungslücke in den Griff zu bekommen, hat die Führungsmannschaft von PERS die Arbeitgeber zu höheren Zuschüssen verpflichtet. Ein neuer Plan sieht vor, dass die Beiträge von derzeit knapp zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr auf 2,9 Milliarden US-­Dollar in der Periode 2017 bis 2019 steigen. Während auf der einen Seite also die Kluft bei der Rentenfinanzierung verkleinert werden soll, tut sich an anderer Stelle eine neue auf: nämlich im Bundeshaushalt von Oregon, aus dem sich die Rentenbeiträge zum Teil speisen.

 

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