Alternative Anlagen
9. Juli 2012

Schluss mit Investments in Agrarrohstoffe

Stiftungen schließen Investments in Agrarrohstoffe im Rahmen der Asset-Allokation in der Regel aus. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage kommt es nun auch auf Anbieterseite zu einem Umdenken.

Wegen der geringen positiven Korrelation zu den traditionellen Asset-Klassen haben Investoren in den vergangenen Jahren verstärkt sogenannte Soft Commodities, wie Weizen, Mais, Kakao oder Kaffee, für sich entdeckt. Angesichts zahlreicher weiterer Faktoren kam es im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zu einem rasanten Preisauftrieb innerhalb der Asset-Klasse, der zu einem weiteren Zufluss spekulativer Gelder und erheblichen Preisschwankungen führte. Das ist einer der Gründe, weshalb Investments in Agrarrohstoffe inzwischen von immer mehr Marktbeobachtern kritisiert werden.
Nachdem die Deutsche Bank Ende März angekündigt hatte, sich bei Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen vorerst zurückzuhalten, will die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) künftig keine Investments in Agrarrohstoffe mehr anbieten. Laut einer Mitteilung der größten deutschen Landesbank, die zur Gruppe der auf Nachhaltigkeit bedachten UN-PRI-Signatoren in Deutschland gehört, wird der Vertrieb von Investmentprodukten mit Bezug zu Agrarrohstoffen eingestellt. Demnach wird nicht nur der im Jahr 2008 aufgelegte Fonds „LBBW Rohstoffe 1“ sondern auch der „LBBW Rohstoffe 2“ komplett auf Investments in Agrarrohstoffe verzichten. 
Unternehmensangaben zufolge werden derzeit die rechtlichen Voraussetzungen für die Umstellung der Fonds geschaffen, bevor sie aufsichtsrechtlich umgesetzt werden. Diese Produkte investieren bislang an den Rohstoff-Terminmärkten, wobei Agrarrohstoffe nur im Rahmen von „breiten Rohstoffindizes in die Produkte“ integriert seien.
Die LBBW rechnet damit, dass die beiden Fonds zum Ende des Jahres 2012 ohne Agrarrohstoffinvestments angeboten werden können. Der Ausstieg wurde seitens der Landesbank am Ende des vergangenen Jahres eingeleitet, die seither keine Zertifikate mehr aufgelegt, denen Nahrungsmittel als Basiswert zugrundeliegen. Das erste Zertifikat der LBBW, das einen Bezug zu Agrarrohstoffen aufwies, wurde seit 2006 angeboten.
Wie ein Sprecher der LBBW betonte, nehme die LBBW die öffentliche Diskussion über die Frage, inwieweit Investitionen in Nahrungsmittel ethisch vertretbar sind, sehr ernst. Die Bank beziehe bei ihren Geschäftsentscheidungen grundsätzlich Nachhaltigkeitsüberlegungen ein. Wie die Landesbank weiter mitteilte, ließen sich derzeit keine Aussagen über Kundenreaktionen treffen, „da die Gespräche mit unseren Kunden über die Veränderungen gerade erst begonnen haben“.
portfolio institutionell newsflash 09.07.2012/tbü
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