Pension Management
29. Januar 2020

Schub für Lateinamerikas Pensionsgelder

Lateinamerika ist eine Weltregion mit Wachstumspotenzial und das gilt auch für die dortigen Pensionsvermögen. So schätzt ein ­aktueller Report, dass sich die ­Assets under Management ­in der ­Region bis 2025 nahezu verdoppeln werden. ­Verantwortlich dafür ist vor allem eine prosperierende, wachsende­ ­Mittelschicht, die zunehmend auch für das Alter vorsorgt.

Die Asset-Management-Industrie in Lateinamerika wächst heran und auch seine Pensionsvermögen. So schätzt ein Report von PWC und dem auf institutionelle Anleger spezialisierten Asset Manager Sura Investment Management, dass sich die Assets under Management in Lateinamerika von 2,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2018 auf ganze 5,3 Billionen US-Dollar bis 2025 nahezu verdoppeln werden. Die traditionellen Wachstumsmärkte Brasilien, Mexiko und Chile zeigen sich weiter stabil. Allein diese drei Staaten haben 87,5 Prozent der Assets under Management der Weltregion in 2018 auf sich vereint. Aber auch in den Andenstaaten ­Peru und Kolumbien wird ein moderates Wachstum erwartet. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR) seit 2015 betrug 7,9 Prozent und die Autoren der Studie nehmen an, dass dieses Wachstum sich weiter verstärken wird. Sie gehen daher von einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 11,8 Prozent bis 2025 aus. Treiber dafür ist eine in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsene Mittelschicht. ­Zwischen 2008 und 2018 wuchs diese von damals 33 Millionen auf 46 Millionen Haushalte an. Im gleichen Zeitraum stieg das mittlere­ durchschnittliche Einkommen der Lateinamerikaner von 7.971 auf 10.745 US-Dollar an. Der PWC-Bericht geht davon aus, dass die Andenstaaten Kolumbien, Peru und Chile in den nächsten Jahren ein größeres Wachstum zeigen werden als der Rest Lateinamerikas. Auch wird ESG ein immer ­gefragteres Thema in Lateinamerika. Pensionskassen und Versicherungsgesell­schaften erwarten, dass nachhaltige Investitionen im Jahr 2025 mehr als 3,5 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten­ in Lateinamerika aus­machen werden. Zugleich gibt es Bestrebungen verschiedener ­Länder, wie zum Beispiel ­Kolumbien oder Peru, die Finanzmärkte ihrer Länder internationaler zu gestalten und Fonds ausländischer Asset Manager unter ­bestimmten Voraussetzungen für den ­Vertrieb zuzulassen. Die vier Staaten der Pazifik-Allianz, namentlich ­Kolumbien, Mexico, Chile und Peru, wollen in diesem Bereich ihre Märkte ­zusammenführen und Kolumbien, Chile und ­Peru haben dazu ­bereits verschiedene Gesetze verabschiedet. Es soll ein einheit­liches Fondsvehikel, ­ähnlich der Ucits für Europa, geschaffen­ werden. In den kommenden Jahren sollen auch Brasilien und ­Argentinien in diese ­Bestrebungen integriert werden.

Vor allem bei den Pensionsvermögen sieht der Report ein enormes Wachstumspotenzial mit jährlich 14,4 Prozent CAGR bis 2025, ­gefolgt vom Versicherungssektor mit 13,9 Prozent CAGR. Bei den Pensionsfonds in Lateinamerika dominiert Fixed Income in der ­Asset Allocation. Vor allem wegen der dortigen hohen Leitzinsen lassen sich damit noch gute Renditen erwirtschaften. In Mexiko liegt der aktuelle Leitzins bei 7,25 Prozent, in Brasilien bei 4,5 ­Prozent. Doch auch die Inflation ist in Mexiko hoch, sie lag in 2018 bei 4,9 Prozent, in Brasilien bei 3,7 Prozent.

Finanzierungslücke bei Infrastruktur

Noch ist der Wettbewerb nicht vergleichbar mit den entwickelten Märkten. So ist der Pensionsfondsmarkt in Brasilien beispielsweise stark konzentriert, die Top 10 haben einen Marktanteil von 57 Prozent, die Top 3 von 40 Prozent. Zu 74 Prozent investieren die Pensionsfonds in Fixed Income, gefolgt von Aktien mit nur 17 ­Prozent. Alternatives liegen mit acht Prozent unter den erlaubten Grenzen. Zugleich scheint Brasilien mit der verabschiedeten ­Rentenreform vom Oktober 2019 aber ein wichtiges Problem gelöst zu haben. Damit wird erstmals ein Mindestalter zum Bezug einer Rente ­eingeführt, nämlich 62 Jahre für Frauen und 65 Jahre für Männer. Manche Brasilianer bezogen bisher Renten schon ab 50.

In vielen Ländern Lateinamerikas haben die Pensionsfonds zudem enge Vorgaben, wie viel Prozent ihrer Assets sie im Ausland investieren dürfen. Am restriktivsten ist hier Brasilien, wo nur zehn ­Prozent erlaubt sind, die aktuelle Quote aber tatsächlich bei nahe Null (0,3 Prozent) liegt. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die eigenen Staatsanleihen noch gute Renditen bringen. In Chile erscheinen die Renditen der gewinnorientierten AFPs geradezu üppig. Ein Kommissionsbericht der Regierung ermittelte für die Fonds reale Bruttorenditen von 8,6 Prozent pro Jahr zwischen 1981 und 2013. Üppig sind dagegen oftmals auch die Gebühren für die Beitragszahler. Bei der Verwaltungsgesellschaft Provida lagen diese in 2018 noch bei nahezu drei Prozent. In Mexiko sind die Regeln für Auslandsinvestments nicht ganz so streng, Pensionsfonds können 20 Prozent ihrer Assets auf 42 internationale Mutual Funds verteilen, wovon aber viele Pensionsfonds dem Bericht zufolge kaum Gebrauch machen. Perus Altersvorsorgeeinrichtungen dürfen 42 Prozent ihrer Assets im Ausland angelegen, Kolumbiens ganze 70 Prozent. Spitzenreiter ist hier Chile, wo 100 Prozent der Assets im Ausland angelegt werden dürfen. Vergleicht man die ­Limits mit den tatsächlichen ­Allokationen, so erstaunt hier der Fall Perus, das wie Chile zu gut 42 Prozent in ausländische Assets ­investiert und damit sein gesetztes Limit bereits erreicht hat. Als am stärksten entwickelt kann der chilenische Pensionsfondsmarkt gelten, wo die Pension Assets 72 Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen, während Brasiliens Pensionsfonds nur zwölf Prozent des BIP einnehmen. Panama ­bildet in dieser Liste mit 0,9 Prozent das Schlusslicht.

Auch in Lateinamerika gibt es Lücken bei der Finanzierung von ­Infrastrukturprojekten. Hier suchen oftmals die verschuldeten ­Regierungen nach zusätzlicher Finanzierung durch institutionelle Investoren. Am größten ist die Infrastrukturlücke in Brasilien. Sie lag im Jahr 2015 bei rund 1,19 Billionen US-Dollar, gefolgt von ­Mexiko mit 544 Milliarden Dollar und Argentinien mit 358 Milliarden Dollar. Da drängt sich die Frage auf, ob nicht die lokalen Pen­sionsfonds hier investieren sollten. In Mexiko zum Beispiel ist es diesen nur gestattet, in ­gelisteten Wertpapieren anzulegen. Um diese Hürde zu ­umgehen, wurden eigens gelistete Fonds für ­Private Equity, ­Immobilien und Infrastruktur geschaffen.

An den Rahmenbedingungen ist noch viel zu drehen, aber einiges deutet darauf hin, dass Lateinamerika als Weltregion bei der ­Modernisierung seiner Pension Assets ­aufholt. Auch modernere Gesetze können hier vieles erreichen, ­damit Lücken geschlossen werden können, zum Beispiel beim ­Thema Infrastruktur.

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