Investoren
18. Mai 2022

Schulden der Kommunen steigen 2020 um drei Milliarden

Insgesamt 157,02 Milliarden Euro Schulden im Corona-Jahr. Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen mit stärkstem Anstieg.

Die deutschen Kommunen haben im Jahr 2020 ihren Schuldenstand um rund drei Milliarden Euro erhöht auf insgesamt rund 157,02 Milliarden Euro. Das belegt eine Auswertung des Investment-Techs European Debt Solutions (EDS) zu aktuell veröffentlichten Zahlen. Das Saarland wurde in der Auswertung mangels abschließender Zahlen nicht berücksichtigt. „Auch wenn die Zahlen aus dem Saarland noch nicht final sind, zeigt sich doch, dass die Kommunen beim Schuldenabbau nicht vorankommen“, sagt Peter Hoffmann, Gründer und Chief Technology Officer bei EDS.

Die Zunahme der Gemeindeschulden stamme demnach vor allem aus vier Bundesländern: Bayern, Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg. „Hier lagen die addierten Schulden der Gemeinden 2020 deutlich höher als im Vorjahr“, so Hoffmann. In Bayern betrug der Zuwachs rund 961 Millionen Euro, in Niedersachsen etwa 919 Millionen Euro, es folgen die Kommunen in Hessen mit einem Plus von 877 Millionen und Baden-Württemberg mit 863 Millionen Euro.

Brandenburg, RLP und Thüringen konnten Schulden abbauen

Am stärksten konnten die Kommunen in Brandenburg Schulden abbauen: 185 Millionen Euro weniger drücken dort die Kämmerer. Auch in Rheinland-Pfalz (minus 143 Millionen Euro) und Thüringen (minus 142 Millionen Euro) konnten sich die Kommunalfinanzen zumindest etwas erholen. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen konnten die Gemeindeschulden um jeweils mehr als 100 Millionen Euro reduziert werden. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen wurden in der Auswertung nicht berücksichtigt, da hier Kommunal- und Landesschulden nicht abzugrenzen sind.

Optimierungsbedarf für Kämmerer steigt

Diese Daten für 2021 würden erst im kommenden Jahr verlässlich vorliegen. „Interessant wird es sein, wie sich die Kommunen im Jahr 2021 aufgestellt haben“, sagt Hoffmann. „Wir sehen hier bei einigen doch deutliche Schritte hin zu einem neuen und besseren Schuldenmanagement.“ So wurden angesichts der niedrigen Zinsen Spielräume genutzt und neue Finanzierungspartner ausgewählt. „Wenn aber durch steigende Zinsen auch der Druck steigt, müssen die Kämmerer optimieren und sich um neue Finanzierungspartner kümmern“, so Hoffmann. „Die Digitalisierung mit ihren neuen Möglichkeiten trägt dabei viel zu einer Verbesserung bei.“

Hoffnung auf den Bund

Abzuwarten bleibt auch, welchen Effekt das von Bundesfinanzminister Christian Lindner angekündigte Entlastungspaket für die Kommunen bringen wird. „Angesichts steigender Zinsen ist es natürlich wichtig, dieses Paket jetzt zu schnüren“, so Sebastian Bergmann, Mitgründer und CEO bei EDS. „Denn ein rascher Anstieg der Zinsen bei gleichzeitigem Nachlassen des Wirtschaftswachstums könnte viele Kommunen wieder an den Rand ihrer finanziellen Tragfähigkeit bringen.“

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