Schwarzer Schwan
9. November 2012

Schwäne im Weltall

Erfahren Sie in dieser Ausgabe des Schwarzen Schwan der Woche, welche Diversifikationsmöglichkeiten eine Besiedelung des Mars für Investoren mit sich bringt. Und wie die Risikomodellierung ausgestaltet werden sollte.

Die erfolgreiche Landung des Roboter-Fahrzeugs „Curiosity“ auf dem Mars sorgt für Aufbruchstimmung. Den holländischen Unternehmer und Visionär Bas Landsdorp inspirieren die von Curiosity gesendeten Mars-Fotos laut Informationen der Zeitung „Die Welt“ offenbar besonders zu geistigen Höchstleistungen. Nach seinen Plänen sollen im Jahr 2023 vier Menschen auf den Mars fliegen, eine Kolonie gründen und wegen der immensen Rückflugkosten dort auch ihren Lebensabend verbringen. Diese und alle weiteren Kolonialisten buchen also nur ein einfaches Mars-Ticket.
Die im doppelten Sinne hochfliegenden Pläne sind auch für institutionelle Investoren interessant. Mit der Mars-Mission lassen sich nämlich auch neue Anlageuniversen und damit endlich wieder unkorrelierte Assets entdecken. Harry Markowitz dürfte sehr am Gelingen der Mission interessiert sein. Ein gewisses Verlangen dürften auch Rohstoffverarbeiter haben, geht doch die rötliche Färbung des Planeten auf Eisenoxid-Staub zurück. Falls die erhofften Funde allerdings nicht zur unbestritten kostspieligen Finanzierung ausreichen, winkt mit den Fernsehrechten eine in jeder Hinsicht unkorrelierte Einnahmequelle. Vermarktet werden könnten naturwissenschaftliche Formate und, etwas trashiger, Big Brother mit den Siedlern als Hauptdarsteller. Das setzt natürlich voraus, dass die künftigen Marsmenschen einigermaßen gut aussehen und idealerweise nicht völlig talentfrei sind. Das „Rauswählen“ der Bewohner könnte jedoch als aus ethischer Sicht kritisch gebrandmarkt werden. Andererseits: Da ein Mars-Jahr knapp 687 Tage hat, können Mars-Investments als besonders nachhaltig deklariert werden. Liegt doch damit die Laufzeit aller Mars-Assets im Vergleich zur Erde um den Faktor 1,9 höher. 
Neben exhibitionistischen Aspekten bietet der besiedelte Mars auch vergleichsweise günstige Inflations- und Verschuldungsdaten. Diese könnten Jim O´Neill, Goldman-Sachs-Chefvolkswirt und Erfinder der Begriffe Bric und N-11 zu einem neuen Akronym anregen. Vielleicht Emerging Planets? Die Einordnung als Nicht-OECD-Investment hätte jedoch den Nachteil einer höheren Eigenkapitalunterlegung nach dem dann interstellaren Aufsichtsregime Solvency II. Davon könnten Wind- und Solarparks betroffen sein. Bei diesen Investments drohen obendrein noch einige Überraschungen, die es in der Risikomodellierung mit Hilfe von Szenarioanalysen zu berücksichtigen gilt. Achtung: Schwäne im Weltall! Was, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf dem Mars nicht gilt? Was, wenn die Marsmenschen Strafsteuern erheben, und dies womöglich auch noch rückwirkend? Was, wenn Miss Piggy beim Einparken ihrer Raumfähre die Infrastruktur zerstört? Das alles will sorgsam bedacht sein, um Schwarzen Schwänen negativer Art aus dem Weg zu gehen.
Alles in allem dürften Mars-Assets für Investoren kein kleiner Schritt sein. Ein großer Sprung für Investoren wird es aber, wenn sich die Mission dafür nutzen ließe, missliebige Asset Manager und Gremien auf den Mars zu schießen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.   
Die Redaktion von portfolio institutionell wünscht Ihnen ein schönes Wochenende.
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