Pensionskassen
11. Mai 2022

Schweizer Pensionskassen mit Verlusten im ersten Quartal

Complementa-Pensionskassenstudie: Durchschnittliche Rendite von 8,3 Prozent in 2021, Rückschlag von minus 4,7 Prozent in Q1 2022.

Für das vergangene Jahr verbuchten die Schweizer Pensionskassen eine durchschnittliche Rendite von 8,3 Prozent. „Das ist sehr erfreulich, wenn auch der Ukraine-Krieg hier einen wesentlichen Rückschlag im ersten Quartal brachte“, erklärte Heinz Rothacker, Inhaber und CEO der Complementa AG am Mittwoch auf einer Online-Pressekonferenz zur Präsentation der Studie Risiko Check-up 2022 zur Lage der Schweizer Pensionskassen.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres erwirtschafteten die Schweizer Pensionskassen einen durchschnittlichen Verlust von  4,7 Prozent. Dadurch verpuffte ein Teil der Gewinne des Vorjahres wieder. Entsprechend lag die jährliche Rendite für die vergangene Dekade bei rund 5,3 Prozent. Nach den sehr guten vergangenen drei Jahren sind aber die Reserven bei einem Großteil der Pensionskassen gefüllt. Sollte sich die negative Performance weiter hinziehen oder verstärken, würde das aufgebaute „Polster“ noch stärker beansprucht werden, so Complementa. Auch der als „Angstbarometer“ bekannte Volatilitätsindex VIX zeige zurzeit keine klare Tendenz. Auf stärkere Ausschläge nach oben folgten in den letzten Monaten auch stets wieder Phasen mit tieferer Volatilität. Die Aussichten bleiben aufgrund des andauernden Krieges und Inflationsanstiegs unsicher.

Deckungsgrad bei 109,2 Prozent

Durch die Verluste im ersten Quartal 2022 sank der durchschnittliche Deckungsgrad von 115,4 Prozent per Ende 2021 auf 109,2 Prozent per Ende April 2022. Das Vorsorgekapital der Arbeitnehmenden wurde 2021 mit überdurchschnittlichen 3,5 Prozent verzinst. Ein neuerlicher Tiefstwert wird hingegen beim Umwandlungssatz gemessen. Für die kommenden Jahre planen die Pensionskassen weitere Senkungen des Umwandlungssatzes.

Pensionskassen haben Anleihebestände reduziert

Bedingt durch das tiefe Zinsniveau wurden in den letzten zehn Jahren Obligationenbestände der Schweizer Pensionskassen stark abgebaut, so Complementa. Während 2011 noch die Hälfte des Vermögens als festverzinsliche Anlagen oder als Liquidität gehalten wurde, waren es Ende 2021 mit 36.6 Prozent deutlich weniger. Die freiwerdenden Anteile verteilten sich seither auf Aktien, ausländische Immobilien und alternative Anlagen wie Private Equity, Infrastrukturanlagen und Private Debt.

Schweizer Regulierung erlaubt hohe Infrastrukturquote

Infrastrukturinvestments könnten weiter an Attraktivität gewinnen, da sie seit dem 01.10.2020 gemäß gesetzlicher Klassifizierung nicht mehr als „alternative Anlage“ eingestuft werden. Dadurch ist es Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz erlaubt, bis zu zehn Prozent des Gesamtvermögens in Infrastrukturanlagen anzulegen.

Immobilien beliebt

Die Immobilienquote liegt bereits das vierte Jahr in Folge über 20 Prozent (aktuell 22 Prozent) und auch alternative Anlagen haben sich in den letzten Jahren nahe bei zehn Prozent festgesetzt (aktuell 9,2 Prozent). Die Aktienquote lag per Ende 2021 mit 32,2 Prozent leicht über dem historischen Mittel. „Die Pensionskassen haben hier Rebalancingmaßnahmen vorgenommen, sonst wäre der Aktienanteil stärker gestiegen“, so Andreas Rothacher, Co-Studienleiter Risiko Check-up und Leiter Investment Research bei Complementa.

Starker Home-Bias

Jeden zweiten Franken investieren die Schweizer Pensionskassen im Ausland, was dem Niveau der vergangenen Jahre entspricht, wobei sie die Währungsrisiken zu einem großen Teil absichern. Das verbleibende Fremdwährungsrisiko beträgt aktuell 19,7 Prozent.

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