Schweizer Pensionskassen wollen Immobilien aufstocken

Beeindruckende Aussicht auf den Jet d'Eau-Brunnen mit einem Regenbogen über dem Genfersee in der Schweiz. Nach einem überdurchschnittlich guten Anlagejahr haben sich die Kennzahlen der Schweizer Pensionskassen weiter aufgehellt. Bild: Pexels.
Nach einem überdurchschnittlich guten Anlagejahr haben sich die Kennzahlen der Schweizer Pensionskassen weiter aufgehellt. Darüber und über ihre Anlagepläne informiert eine neue Studie.
Die Pensionskassen in der Schweiz haben im Jahr 2025 mit ihren breit diversifizierten Kapitalanlagen eine durchschnittliche Rendite von 6,3 Prozent erzielen. Das geht aus der Pensionskassenstudie „Risiko Check-up 2026“ der Beratungsfirma Complementa hervor. Die in den vergangenen zwei Jahrzehnten erzielte durchschnittliche Rendite von 3,6 Prozent wurde deutlich übertroffen (siehe Abbildung eins).
Umgemünzt auf das gesamte verwaltete Vermögen der zweiten Rentensäule, der obligatorischen beruflichen Altersvorsorge, entspricht dies einem Anlageertrag von 77 Milliarden Franken. Complementa beziffert das in der zweiten Säule aufgelaufene Vermögen mit 1.220 Milliarden Franken. Der für 2025 verbuchte Anlageertrag übersteigt die kumulierten Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Höhe von rund 67 Milliarden Franken.

Das Rentensystem in der Schweiz besteht ebenso wie das deutsche aus drei Säulen. Die zweite Säule, auch bekannt als berufliche Vorsorge (BVG), hat zusammen mit der ersten Säule den Hauptzweck, den Arbeitnehmern im Ruhestand ein angemessenes Einkommen zu sichern.
Die Versicherten spüren die Auswirkungen der Anlageperformance unmittelbar. Ihre Guthaben wurden durchschnittlich mit 4,3 Prozent verzinst. Das sei der höchste Wert der vergangenen 25 Jahre, berichtet Complementa. Fast alle (99 Prozent) Pensionskassen hätten mehr als die vom Bundesrat festgelegte BVG-Mindestverzinsung gutschreiben lassen. „Es ist bereits das dritte Mal in den letzten fünf Jahren, dass Pensionskassen einen Großteil der Anlageerträge an die Versicherten weitergaben“, wie das Beratungsunternehmen nun mitteilte.
Das positive Jahresergebnis wirkte sich auch in der Wertschwankungsreserve aus. Bei dem finanziellen Polster, das Pensionskassen anlegen, um Schwankungen an den Finanzmärkten auszugleichen, stieg der kapitalgewichtete Deckungsgrad im Verlauf des Jahres 2025 von 111,8 Prozent auf 114,4 Prozent. Zum Jahresende 2025 befanden sich nur noch rund zwei Prozent der Pensionskassen in einer Unterdeckung. Eine Schweizer Pensionskasse befindet sich in einer Unterdeckung, wenn ihr Vermögen (Deckungskapital und Reserven) kleiner ist als ihre Verpflichtungen gegenüber den Versicherten (Deckungsgrad unter 100 Prozent).
Aktienanteil steigt
Complementa analysiert im „Risiko Check-up 2026“ auch die Zusammensetzung der Kapitalanlagen. Und hier haben sich die Gewichte zuletzt deutlich verschoben. Festverzinsliche Anlagen waren über viele Jahre hinweg die bedeutendste Anlageklasse schweizerischer Vorsorgeeinrichtungen.
In den Anfängen der Risiko-Check-up-Studie vor mehr als 30 Jahren war fast jeder zweite Franken in Obligationen angelegt. Ihr Anteil ging seither stetig zurück und erreichte 2025 nur noch 29,3 Prozent, wie Abbildung zwei verdeutlicht.

Pensionskassen reduzierten insbesondere ihre Anlagen in globale Staatsanleihen aufgrund der steigenden Staatsverschuldung und teureren Absicherungskosten. Die freigewordenen Anteile wurden teilweise in Franken-Obligationen und globale Unternehmensanleihen angelegt. Bereits das zweite Jahr in Folge waren Aktien, mit derzeit 34,1 Prozent des Portfolios, die größte Anlageklasse. Die Anteile der Immobilien (22,6 Prozent; +0,1 Prozentpunkte) und der alternativen Anlagen (9,8 Prozent; -0,3 Prozentpunkte) haben sich gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verändert.
Infrastruktur dominiert die alternative Anlagen
84 Prozent der Pensionskassen investieren in alternative Anlagen. Der Anteil alternativer Anlagen an der Gesamtallokation bewegt sich laut der Studie seit rund zehn Jahren um die Zehn-Prozent-Marke. Der Mix innerhalb der alternativen Assets hat sich in diesem Zeitfenster hingegen verändert. Während früher unter anderem Hedgefonds dominierten, stellen Infrastrukturanlagen mit 2,8 Prozent des Gesamtvermögens oder 28 Prozent der alternativen Anlagen mittlerweile den größten Anteil dar, gefolgt von Private Equity mit 2,4 Prozent, respektive 24 Prozent.
Die Analyse der Allokationsdaten schweizerischer Pensionskassen der letzten Jahrzehnte veranschaulicht einen deutlichen Anstieg illiquider Anlagen. Hierbei handelt es sich laut Complementa „um Vermögenswerte, die nicht handelbar sind, oder deren Handel mit hohen Kosten verbunden ist“. Dies sind beispielsweise Immobilien, Hypotheken oder Alternative Anlagen.
Der Anteil illiquider Anlagen stieg innerhalb von 15 Jahren von 28,2 Prozent auf aktuell 35,7 Prozent. Ursächlich für diesen Anstieg seien das Tiefzinsumfeld in den 2010er Jahren sowie die Suche nach neuen Renditetreibern und Diversifikationsmöglichkeiten gewesen. Insbesondere bei den alternativen Anlagen hatte das Beratungsunternehmen zwischen 2013 und 2017 einen ausgeprägten Anstieg beobachtet.
Illiquide Anlagen schränken die Flexibilität ein
Warum investieren Pensionskassen in illiquide Anlagen? Auch das wollte Complementa von den Teilnehmern der diesjährigen Umfrage wissen. Antwort: Diversifikation steht an erster Stelle. Für 87 Prozent der befragten Kassen seien die zusätzlichen Diversifikationseffekte und die daraus resultierende Reduktion des Portfoliorisikos ein relevantes oder sehr relevantes Entscheidungskriterium. Daneben schätzten auch 84 Prozent der Befragten den Zugang zu zusätzlichen Renditequellen.
Eine hohe Illiquiditätsquote schränkt jedoch die Flexibilität ein. Auch darauf machen die Berater von Complementa aufmerksam. Vor diesem Hintergrund müssen Pensionskassen den jeweiligen Mehrwert zusätzlicher illiquider Anlagen gegenüber der sinkenden Flexibilität abwägen. Rund ein Drittel der befragten Vorsorgeeinrichtungen hat laut der Studie eine explizite Obergrenze für illiquide Anlagen festgelegt.

„Bei der Mehrheit der befragten Pensionskassen gibt es zwar keine explizite Obergrenze, die Gesamtquote wird jedoch durch Überlegungen bezüglich Flexibilität und steigender Komplexität beschränkt“, verdeutlichen die Studienleiter Ueli Sutter, Oliver Gmünder, Andreas Rothacher im Rückblick. 68 Prozent beziehungsweise 62 Prozent der Befragten stufen diese Faktoren als relevant oder sehr relevant ein. Weitere Faktoren, die die Höhe der Quote begrenzen, sind die Struktur der Verpflichtungen, regulatorische Vorgaben und Kostenüberlegungen.
Bei ihrem weitere Ausbau illiquider Anlagen konzentrieren sich die Kassen aktuell vor allem auf Schweizer Immobilien und Infrastrukturanlagen (siehe Abbildung drei). 31 Prozent der Befragten gaben an, die Anlageklasse „Immobilien Schweiz“ aufstocken zu wollen. Bei den Infrastrukturanlagen planen 28 Prozent einen weiteren Ausbau.
Teilnahmerekord beim „Risiko Check-up“
Die Pensionskassen-Studie „Risiko Check-up“ wurde 2026 zum 32. Mal durchgeführt. Sie ist die älteste und größte unabhängige Pensionskassen-Studie der Schweiz. Laut Complementa bildet die Studie die zweite Säule wiederkehrend repräsentativ ab. Sie basiert auf einem Datenkorpus von 469 Pensionskassen mit Kapitalanlagen von 1.009 Milliarden Franken. Das ist nach Angaben der Studienmacher ein neuer Teilnahmerekord. Damit würden rund 80 Prozent der Pensionskassenvermögens abgedeckt, heißt es.
Zusätzlich erhielen die Studienmacher in ihrer Umfrage Antworten von 212 Pensionskassen auf Fragen zum Sonderthema illiquide Anlagen und Illiquiditätsrisiken. Die Studienleitung informiert jeweils im Mai über wesentliche Erkenntnisse und im September über die Gesamtauswertung sowie ein Sonderthema.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Pensionskassen | Schweiz
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