Schwarzer Schwan
27. April 2018

Seifen-Future

Wenn Trader eine Denkpause im Knast verordnet bekommen, lässt sich Gelerntes auch hinter Gittern anwenden.

Das musste mal gesagt werden: Die „Bonus-Unkultur“ pervertiere „jedes Verständnis von unternehmerischer Verantwortung“, zürnte Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank. „Wie passt ein Bonus, der gute, ja überdurchschnittliche Leistungen honorieren soll, zu unterdurchschnittlicher Performance? Zu ausfallenden Dividenden? Zu Kapitalerhöhungen?“, so Kirsch. „Gesellschaftliche Akzeptanz ist die erste Grundlage des Bankgeschäfts, und in der Debatte über Boni schwingt eben auch die grundsätzliche Frage mit, ob nur, weil etwas vertraglich zugesichert und rechtlich möglich ist, auch immer legitim sein muss.“ Gesagt hat dies Kirsch übrigens nicht in Frankfurt, wo man solche Ausführungen eher als Sonntagsrede einordnet, sondern im Industrie- und Handelsclub Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld, wo man einer solchen Rede sicher nur zustimmen kann.
Angesprochen darf sich insbesondere Christian Bittar fühlen, der Bonuskönig der Deutschen Bank. Gekrönt wurde Bittar für seine erfolgreiche Wette auf die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen im Jahr 2008, für die er einen Bonus in Höhe von 80 Millionen Euro schnappte. Auch für die Entwicklung des Libor wies Bittar eine hohe Prognosegüte auf. Was sich später allerdings als wenig verwunderlich rausstellte, so dass Bonuskönig Bittar nun einsitzt.
Derivatehändler, Devisenhändler, Drogenhändler
Gute Händler sind eben gefragte Leute – mitunter auch von der Justiz. Aber da befindet sich Bittar in bester Trader-Gesellschaft. Man denke nur an diverse Drogenhändler, den Derivatehändler Nick Leeson oder den Devisenhändler Uli Hoeneß. Glücklicherweise können Händler auch im Gefängnis ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden – und sich so Boni in Form von Hafterleichterungen verdienen.
Ausgebildete Trader können beispielsweise Market-to-Limit-Orders für Forward Contracts auf Bettlaken zum Abseilen stellen. Ebenfalls können sie Arbitrage-Geschäfte zwischen Feilen und Schaufeln offerieren, für das als Collateral Zigaretten gestellt werden müssen. Swaption Straddles – Kassa und variabel – auf Arbeitseinsätze in Werkstatt und Wäscherei sind genauso denkbar. Und natürlich ganz wichtig: Preisstellungen von Put-Options und Futures zum Hedgen für alle, denen im Duschraum die Seife short geht. 
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