Versicherungen
11. Februar 2022

Seilschaften der Investment-Elite

Das Vermögen der größten Großanleger wächst stetig. Doch wo fließt es hin?

Die Bescherung für Asset Manager und Investment Consultants fand im vergangenen Jahr nicht am Heiligen Abend statt, sondern schon einen Monat zuvor. Denn im November veröffentlichte das renommierte Thinking Ahead Institute seine Liste der weltweit 100 größten institutionellen Endanleger.

Man muss sich das vorstellen wie die Top-100-Charts der Musikszene, nur dass es dabei nicht um ­Ohrwürmer geht, sondern um Geldspeicher. Und da will natürlich jeder, der etwas von institutionellen Anlagegeschäft versteht, wissen, wer die Stars der Szene sind. Und sich anschließend bei dieser Zielgruppe ins Gespräch bringen.

Dabei haben die Highflyer (siehe Abbildung; zum Vergrößern bitte anklicken) und ihre ärgsten Verfolger höchste Ansprüche und ausgeklügelte Erfolgsrezepte. Doch der Reihe nach.

Marktführer ist der japanische Pensionsfonds Government Pension Investment mit einem Vermögen von 1,7 Billionen US-Dollar, gefolgt von Norges Bank Investment Management – dem Superstar aus Nordeuropa, der die Öleinnahmen ­Norwegens auf der ganzen Welt investiert. Und zwar direkt.

Derzeit liegen Aktien von 9.123 Unternehmen aus 69 Ländern im Direktbestand der Skandinavier. Die Aktienquote beträgt – und das ist kein Schreibfehler – 72,8 Prozent.

Mit der Bayerischen Versorgungskammer weist die Rennliste nur einen deutschen Großanleger (auf Platz 57) auf. Rang 100 ­belegt British Telecommunications (BT Group) mit 74,4 Milliarden US-Dollar. Versicherungsunternehmen sind in der Übersicht nicht enthalten. Das Thinking Ahead Institute begründet das mit deren Drittgeschäft, das die Zahlen verzerren würde.

Das Gesamtvermögen der 100 Superanleger, zu denen auch Finanztreuhänder (Outsourced Chief Investment Officer) wie Mercer (auf Rang 16) oder Willis Towers Watson gehören, wächst stetig. Zusammen halten sie nun 23,5 Billionen US-Dollar. Der Wert ihrer Anlagen liegt inzwischen über dem Bruttoinlands­produkt der USA. Vor drei Jahren waren es 18,7 Billionen US-­Dollar. Im Schnitt wuchsen die Assets um 7,9 Prozent pro Jahr.

CPP Investments ist ein ambitionierter Newcomer

Ein ambitionierter Newcomer in den Top 100 ist der Vermögens­manager des Canada Pension Plan (CPP), CPP Investments. Der Großanleger belegt Platz 15.

Am 30. Juni 2021 stemmte die im Jahr 1997 gegründete Organisation ein Nettovermögen von rund 520 Milliarden kanadischen Dollar. Und schon heute steht mit großer Sicherheit fest, dass das 25-jährige Nachwuchstalent mehr will: Projektionen kanadischer Aktuare zeigen, dass sein Vermögen um 2030 herum die Eine-Billion-Dollar-Grenze überschreitet.

In der Größe liegt die Kraft

Bemerkenswert ist neben der schieren Größe der Investoren auch ihr Asset-Mix. Mit 18 Prozent entfällt bei den Top 100 bereits fast jeder fünfte Yen, Dollar oder Euro auf alternative Anlagen. Bei CPP Investments weisen sie aus Transparenzgründen sogar zwei Alternatives-Quoten aus.

Mehr als jeden vierten Dollar (26,7 Prozent) haben die Kanadier allein in Private Equity untergebracht. Hinzu kommt eine Sachwertquote von 21 Prozent (alle Zahlen beziehen sich auf den 31. März 2021). Hier bündelt CPP-Investments-Chef John Graham Infrastruktur mit Immobilien.

Im schieren Umfang ihrer Assets sehen sie bei CPP Investments die Chance, sich von ihren Wettbewerbern abzuheben. Im Hauptquartier in Toronto sprechen sie gar von einem „komparativen Vorteil“.

Die „Größenordnung bedeutet, dass wir erheblich in private Märkte investieren können, von denen viele größer sind als ihre Pendants auf dem öffentlichen Markt und von denen erwartet wird, dass sie im Laufe der Zeit höhere Renditen bieten“, erläutern die Kanadier auf ihrer Homepage.

Investment-Elite unter sich

Wenn es darum geht, Milliarden und Abermilliarden clever unterzubringen, beschreiten Großanleger wie CPP Investments andere Wege als die Masse institutioneller Anleger. Während letztere insbesondere bei den komplizierten, weil individuellen Finanzgeschäften an den Privatmärkten auf den Rat spezialisierter Investmentgesellschaften angewiesen sind, beschaffen sich erstere manche Anlagen buchstäblich auf eigene Faust. Investment-Partnerschaften mit Gleichgesinnten aus dem In- und Ausland sind dabei nichts Ungewöhnliches.

Platzhirsche bilden Seilschaften

Beispielsweise investiert CPP Investments mit dem Ontario Teachers’ Pension Plan (OTPP), der Nummer 41 in den Top 100. Aktuell verbindet die beiden das Interesse am mexikanischen Mautstraßenbetreiber „Ideal“.

Gemäß einer neuen Vereinbarung halten die beiden nun die Hälfte aller Aktien von Ideal – und engagieren sich so in der alternativen Anlageklasse Infrastructure Equity. „Wir freuen uns, neben CPP Investments unsere lang­jährige Investitionsbeziehung mit Ideal weiter zu vertiefen und ­unser Engagement in hochwertigen Kerninfrastrukturanlagen in Mexiko deutlich zu erhöhen“, sagte Stacey Purcell, die in Lateinamerika für die Infrastrukturanlagen von OTPP zuständig ist.

In Deutschland gibt es nur etwa eine Handvoll Akteure, die groß genug sind und über die notwendige Erfahrung verfügen, milliardenschwere Investments in Eigenregie anzubahnen. Zu nennen sind hier neben Munich Re und Allianz auch die Talanx.

Vor knapp zwei Jahren haben Versicherungsgesellschaften der Talanx-Gruppe den Kollegen von CPP Investments satte 320 Millionen Euro geliehen. Die Nordamerikaner finanzieren mit Hilfe ­dieser privat platzierten Projektanleihe den Kauf von Anteilen an Windparks vor der deutschen Küste.

Talanx ist Teil des Netzwerks

Die Talanx ist also Teil eines Netzwerks, das weltweit nach Anlagen sucht – je nach Bedarf fließt ihr Geld als Eigen- oder Fremdkapital. Dr. Peter Brodehser verantwortet die Infrastruktur-Investments der Talanx. Projektanleihen passten „sehr gut zu Lebensversicherungen“, sagt er. Bis der besagte Finanzierungs-Deal jedoch spruchreif war, mussten sich die Geldgeber in Geduld üben.

In einem Interview wies Brodehser darauf hin, dass das Windenergie-Kreditgeschäft mit den Kanadiern viel Vorlaufzeit benötigt habe. Erste Gespräche hätten die Partner ungefähr ein Jahr vor Geschäftsabschluss geführt.

„Die Kreditwürdigkeitsprüfung und alle damit verbundenen Handlungen haben fast sechs Monate gedauert“, erinnert sich der Finanzprofi, der sein Wissen auch als Sprecher auf Konferenzen weitergibt. „Man muss sich das wie einen iterativen Prozess vorstellen, bei dem beide Seiten immer wieder ihr Finanzierungs- und Strukturierungswissen einbringen und Informationen beisteuern, um zu einer möglichst optimalen Lösung zu gelangen.“ Kontakte seien ganz entscheidend.

Der ­Lehrer-Pensionsfonds OTPP wiederum machte vor einigen Jahren von sich reden, als er sich mit dem Geld seiner Pauker die (gesamte) Firma Atlantic Aqua Farms, den größten Züchter lebender Muscheln in Nordamerika, angelte. So lassen sich selbst Milliarden schnell, gezielt und langfristig unterbringen.

Infrastruktur in Australien für Pensionsfonds in Kanada

Mit ungebremstem Drang investieren sie auch heute noch oben in Kanada – allerdings bevorzugt im Ausland, um die Risiken zu streuen. Im Dezember 2021 tat sich OTPP mit dem kanadischen Pensionsfonds Public Sector Pension Investment (PSP) und der Investmentgesellschaft KKR & Co. zusammen. Gemeinsam schnappten sie für 3,4 Milliarden Euro sämtliche Anteile am australischen Energie-Infrastrukturbetreiber Spark.

Sandiren Curthan lobt den Deal in den höchsten Tönen. Der Spezialist für Infrastructure Private Equity arbeitet im Londoner Büro von PSP. „Wir freuen uns, Spark Infrastructure in unser Infrastrukturportfolio aufzunehmen und unsere etablierten Beziehungen zu KKR und Ontario Teachers‘ weiter zu pflegen.“

Netzwerke aufzubauen und Seilschaften zu bilden ist also ein ganz wichtiger Ausgangspunkt, um im Universum der begehrten Privatmarktanlagen die aussichtsreichsten Gipfel erklimmern zu können. Aber es steckt noch mehr hinter dem Anlageerfolg.

Laut dem Thinking Ahead Institute setzen die besten Anleger alle Hebel in Bewegung, um Menschen, Netzwerke, Informationen und Prozesse zur Wertschöpfung zu verknüpfen. Sie bauen eigenes Wissen auf und senken so ihre Abhängigkeit von externen ­Anbietern. „Diese Veränderungen helfen, die wachsende Komplexität der ­Investitionen zu bewältigen und steigern die Investitions­ergebnisse“, so das Thinking Ahead Institute.

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