Versicherungen
12. April 2021

Sinkende Solvenzquoten

Marktdurchschnitt nun bei 385 Prozent. Solvency-II-Review setzt Quote weiter unter Druck.

Die Solvenzqoten leiden unter den extremen Niedrigzinsbedingungen am Kapitalmarkt, fallen aber im Schnitt weiterhin recht hoch aus. Unternehmensindividuell sind jedoch deutliche Unterschiede zu verzeichnen. Dieses Fazit zieht Assekurata aus der Lektüre der SFCR-Berichte von 77 deutschen Lebensversicherungen.

Zum 31.12.2020 lag die aufsichtliche Solvenzquote im arithmetischen Marktdurchschnitt bei rund 385 Prozent. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 426 Prozent. Assekurata verweist zur Begründung auf die Zinskurven. So rentierte der zehnjährige Bund Ende 2020 mit -0,58 Prozent noch stärker negativ als Ende 2019. Damals lag die Rendite bei -0,19 Prozent.

Die Spannweite zwischen den Anbietern ist beachtlich. Während die Europa Leben auf 808 Prozent kommt, sind es bei der Skandia Leben 156 Prozent. Die Allianz Leben kommt auf 355 Prozent. 21 Unternehmen haben entgegen dem Trend die Quote gesteigert. Aufsichtsrechtlich sollte die Quote stets bei mindestens 100 Prozent liegen.

„Trotz des neuerlichen Zinsverfalls im vergangenen Jahr fallen die Solvenzqoten auf Marktebene weiterhin hoch aus“, ordnet Assekurata-Bereichsleiter Lars Heermann die Ergebnisse ein. „Bei einzelnen Anbietern wird das Solvenzkapital aber zunehmend knapper, auch weil die Wirkung von Übergangsmaßnahmen mit der Zeit abnimmt. Der Umbau des Geschäftsmodells unter den extremen Zinsbedingungen wird dann zu einem echten Kraftakt.“

„Weiteres Ungemach kommt auf die Branche in EU-politischer Hinsicht durch das anstehende Solvency-II-Review zu“, ergänzt Geschäftsführer Dr. Reiner Will. „Die beabsichtigten Modelländerungen an den Zinsstrukturkurven würden die Bedeckungsquoten gerade bei den Versicherern mit garantielastigen Beständen, die vielfach schon eine niedrige Solvenzkapitalausstattung aufweisen, zusätzlich unter Druck setzen.“

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