Schwarzer Schwan
8. Oktober 2021

Pfusch am Bau

Skyfall in New York

Analog zu den Grundstückspreisen in New York City wachsen in der Post-Zins-Ära auch die Immobilien in ungeahnte Höhen. Zunehmend entstehen superschlanke Wohnhäuser, wie der im Jahr 2016 eröffnete Wolkenkratzer 432 Park Avenue. Das höchste Wohnhaus der Welt – und das zweithöchste Gebäude der Stadt nach dem One World Trade Center (541 Meter) – steht auf einer Grundfläche von sparsamen 28 mal 28 Metern bei einer Gebäudehöhe von sagenhaften 426 Metern.

Laut dem Fachmagazin „Structure“ ist 432 Park Avenue damit besonders schlank. Der sogenannte Schlankheitsgrad beträgt 15:1. Zum Vergleich: Das Verhältnis beim Empire State Building liegt bei 6:1.

Mit dem Turm an der Parkstraße – Monopoly-Spielern nicht unbekannt – wollte die High Society hoch hinaus – dann aber nur noch raus. Laut „New York Times“ erwarb beispielsweise der US-Po(p)star Jennifer Lopez 2018 eine Wohnung in dem Gebäude, verkaufte sie jedoch wieder bald darauf. Was war passiert?

Türmende Anleger

Die besondere Architektur der Skyscraper macht sie besonders anfällig. Während es statthaft ist, dass Bürohochhäuser bei Sturm noch geringfügig schwanken, ist das für die Residenzen der Superreichen tabu, schreibt „Structure“. Schwingungsdämpfer sind in den Bauten ein zentrales Thema.

In der Regel werden große Wassertanks in die Turmspitzen eingehängt, um Schwankungsbewegungen der ungewöhnlichen Wohnhäuser zu bremsen. Zudem sei die Außenhaut extra steif ausgeführt und wesentlicher Teil des Tragwerks. Als Baumaterial dient insbesondere Ultrahochleistungsbeton. Das Beste vom Besten also.

Darum galt 432 Park Avenue auch als die ultimative Luxusimmobilie Manhattans und als lukratives Investment. Doch bekannt ist der Wolkenkratzer nunmehr als längster Bauschaden in der Kategorie Wohnturm. Laut FAZ ermittelte ein Sachverständigenbüro 1.500 Konstruktionsmängel an den Gemeinschaftsflächen.

Hinzukommen könnten noch Forderungen einzelner Eigner, die Schäden an ihren Wohnungen geltend machen. Dabei geht es zum Beispiel um Wasserrohrbrüche und defekte Aufzüge. „Unabhängig davon aber, dass einzelne Bewohner über Stunden im Fahrstuhl festgesteckt hätten, hat der Liftausfall in einem 426 Meter hohen, 88 Etagen zählenden Gebäude noch mal eine ganz andere Qualität als zum Beispiel im sechsstöckigen Apartmenthaus“, spöttelt die „FAZ“. Die Anleger waren mitunter in ihrem Investment also buchstäblich „eingelockt“.

Vage Aussichten

Möglicherweise bietet die Drittverwendungsfähigkeit enttäuschten Investoren einen Exit aus dem verkorksten Gebäude. Warum nicht als Onshore-Windkraftanlage umwidmen? Schließlich bietet die Ostküste mit ihren Stürmen geradezu paradiesische Aussichten für Betreiber von Windkraftanlagen.

Mit einem Energieverbrauch von fast 20 Prozent des weltweiten Primärkonsums birgt der US-amerikanische Energiemarkt enorme Chancen. Auch die ultrakurzen Wege zu den Abnehmern in der Nachbarschaft voller weiterer Wohnhäuser sprechen für ein solches Energieversorgungskonzept. Denkbar wäre aber auch der Einsatz als Hydropower-Wasserspeicher. Weitere Wasserrohrbrüche sollte es dann aber nicht mehr geben.

Ein schönes Wochenende und vor allem echtes Betongold wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell!

Autoren:

Schlagworte: | | |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.