Alternative Anlagen
22. Juni 2026

So groß ist die Kluft zwischen Aktien und Private Equity

US-Technologieaktien waren in den vergangenen Jahren extrem erfolgreich, während Private-Equity-Buyout-Portfolios zurückblieben. Ob es sich dabei um einen dauerhaften Strukturwandel handelt, zeigt eine Analyse der Allianz.

An den öffentlichen Aktienmärkten vollzieht sich eine bemerkenswerte Entwicklung. Dort hat nach Einschätzung der Allianz bereits eine Neubewertung der Zukunft stattgefunden. Seit dem Tiefpunkt im Oktober 2022 verzeichnete der S&P 500 drei Jahre in Folge eine jährliche Rendite von über 20 Prozent.

Von einer solchen Performance können Private-Equity-Jünger gegenwärtig nur träumen. Denn Private-Equity-Buyout-Portfolios – die auf dem Höchststand der Jahre 2020 und 2021 aufgebaut wurden und nun mit teurerer Verschuldung in einen schwachen Exit-Markt gehen – liegen bei sämtlichen Benchmarks und Betrachtungszeiträumen zurück.

Aktuell scheint die Kluft zwischen den Renditen liquider und illiquider Aktienanlagen so groß zu sein wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Nachzulesen ist das im Report „Public vs. private equity: The widest equity return gap in two decades“. Die Untersuchung ist unter der Federführung von Ludovic Subran entstanden. Er ist Chief Investment Officer und Chief Economist der Allianz.

Die Treiber des Kursanstiegs

Die Rally, die diese Kluft aufgerissen hat, ist nach Einschätzung der Marktbeobachter der Allianz breitendynamisch begrenzt und werde von Unternehmensgewinnen getrieben. Demnach handelt es sich nicht um einen durch Liquidität befeuerten Kursanstieg.

Allein die „Magnificent Seven“ lieferten mehr als die Hälfte der Gesamtrendite des S&P 500 über drei Jahre. Da der rasante Kursanstieg jedoch auf tatsächlich erzielten Gewinnen und einem realen Investitionsboom im KI-Bereich (Capex-Superzyklus) beruht und nicht auf einer reinen Bewertungsausweitung, erscheint die Bewertungsprämie nachhaltiger als auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, lautet ein Zwischenfazit der Autoren des Berichts.

Dennoch sei die langfristige Outperformance von Private Equity real, wie die Autoren hervorheben, der aktuelle Zyklus habe sie lediglich unterbrochen. Bei einem direkten Vergleich – unter Berücksichtigung von Region, Unternehmensgröße, Sektor und Verschuldungsgrad sowie nach Abzug von Gebühren und „Carried Interest“ – haben Buyout-Investments die öffentlichen Märkte über drei Jahrzehnte hinweg übertroffen.

MSCI beziffert das aggregierte direkte Alpha seit 1994 auf rund 400 Basispunkte pro Jahr. Eine Ausnahme bilden jedoch die Jahrgänge 2021 bis 2023, die gegenüber dem MSCI All Country World Index derzeit ein negatives direktes Alpha von etwa 800 Basispunkten aufweisen. Das sei die erste Serie aufeinanderfolgender Jahrgänge, die schlechter abschneidet als die öffentlichen Märkte. „Folglich deuten die Daten auf eine schwierige Performance-Entwicklung im Private-Equity-Bereich hin, selbst wenn man berücksichtigt, dass diese Jahrgänge noch jung sind und durch den sogenannten J-Curve-Effekt verzerrt werden“, heißt es.

PE-Investoren können sich nicht mehr auf steigende Bewertungen verlassen

Für Private-Equity-Investoren bleibt diese Entwicklung nicht ohne Folgen. Sie können sich nicht mehr auf steigende Bewertungen verlassen, erläutern die Autoren der Allianz, und müssen Renditen nun durch das Wachstum der zugrundeliegenden Unternehmen erzielen. „Über ein Jahrzehnt hinweg stammten die Renditen bei Übernahmen (Buyouts) vorwiegend aus Bewertungssteigerungen – also dem Verkauf von Unternehmen zu einem höheren Multiplikator, als ursprünglich gezahlt worden war.“ Dieser Effekt sei weitgehend entfallen, da sich die Fremdkapitalkosten in etwa verdoppelt haben und die Exit-Bewertungen nicht mehr steigen; folglich hänge die Rendite nun vom Wachstum des Geschäfts ab.

Auch bei der Finanzierung zeigten sich deutliche Unterschiede, heißt es. Demnach verfügen die größten börsennotierten Unternehmen nach wie vor über mehr Barmittel als Schulden. Sie profitieren somit von den höheren Zinsen, während Unternehmen in Private-Equity-Besitz auf variabel verzinslichen Verbindlichkeiten sitzen, die zwischen 2026 und 2028 refinanziert werden müssen – „für sie bedeuten die höheren Zinsen lediglich eine zusätzliche Belastung“.

Das Jahr 2026 werde darüber entscheiden, ob die Kluft zwischen öffentlichem und privatem Sektor ein vorübergehender Extremwert oder ein dauerhafter Strukturwandel war. Den vollständigen Report finden Sie hier.

Private-Equity-Wertschöpfung in einer neuen Phase

Wie schafft die Beteiligungsbranche Werte in einem Umfeld, in dem geopolitische Verwerfungen, hohe Einstiegsmultiples und verlängerte Exit-Zeiträume große Herausforderungen darstellen? Laut der aktuellen European Value Creation Survey des Beraters Alvarez & Marsal ist es nun häufiger die aktive operative Wertsteigerung. Wir haben im Mai 2026 ausführlich darüber berichtet.

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