Alternative Anlagen
21. Mai 2013

Sonne und Wind in Politik und Bilanz

Die Barmenia Versicherungen haben schon früh die Attraktivität von Renewables erkannt und für sich erschlossen. Mittlerweile besteht ein breit diversifiziertes Portfolio. Den adäquaten Zugang zu Erneuerbaren Energien sieht ­Fabian Deubel in Fonds, die idealerweise im Rahmen von Club Deals allokiert werden. Ein Erfahrungsbericht.

Herr Deubel, warum investiert die Barmenia in Erneuerbare Energien?
Wir investieren in Erneuerbare Energien, weil sowohl die langen Laufzeiten als auch die Risiko-Rendite-Profile gut zu unseren Versicherungsverpflichtungen passen. Seit 2009 sind wir mittlerweile fünf Investments in Onshore-Wind, Photovoltaik und Wasserkraft unter anderem in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien eingegangen. ­Zurückhaltend betrachten wir derzeit das Thema Offshore-Wind. Für weitere Investitionen in Deutschland warten wir eine klare Positionierung der Politik ab. Hiervon un­berührt sind diversifizierende Investments außer­halb von Deutschland unter den entsprechenden Rahmenbedingungen.

Welche Erfahrungen wurden gemacht?
Insgesamt sind wir mit unseren Investments sehr zufrieden. Von der gedanklichen Einordnung als „Rentenersatz“ sollte man sich aber verabschieden. 2011 beschloss ­Spanien eine rückwirkende Förderungskürzung, jüngst gefolgt von der Erhebung einer Energiesteuer. In diesem Jahr präsentierte Bundesumweltminister Altmaier seine Pläne für eine EEG-Novelle inklusive rückwirkender Kürzungen. Somit sind relativ viele ­politische Risiken in kurzer Zeit schlagend geworden, und eigentlich beträgt unser ­Planungshorizont bei diesen Investments 20 Jahre und länger.
Zu den spannenderen ­Erfahrungen ­gehörte für uns auch, dass ein projektent­wickelnder Generalunternehmer Konkurs anmeldete. Hier war es für uns entscheidend, mit dem richtigen Partner zusammenzu­arbeiten, um eine zufriedenstellende Lösung zu erzielen. Insbesondere unter Berücksichtigung dieser unternehmerischen Risiken verbuchen wir diese Investments bilanziell als Beteiligungen.   

Wird denn auch über Beteiligungsfonds oder direkt investiert?
Vom Rendite-Risiko-Profil her betrachtet sind direkte Investments denkbar. Unsere Beteiligungsquote liegt aber im niedrigen einstelligen Bereich. Uns, und auch den meisten anderen Versicherungen, fehlen also die für Direktinvestments nötigen Kapazitäten und die entsprechende Projektexpertise. Wir gehen darum Equity-Beteiligungen über Fonds ein.
Mein Rat ist aber, sich nicht die Entscheidungsgewalt aus der Hand nehmen zu ­lassen. Statt ein fertiges Produkt eines ­Asset Managers zu wählen, macht es aus ­unserer Sicht mehr Sinn, mit anderen Investoren eine Club-Deal-Lösung zu suchen. Hier kann man über Ausschüsse die Investitionspolitik mitbestimmen oder sich wenigstens ein Veto-Recht bei den einzelnen Investments einräumen lassen.

portfolio institutionell, Ausgabe 5/2013

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