Banken
29. Januar 2013

Sonnenaufgang im Depot A

Solarparks sind nicht nur für VAG-Anleger, sondern auch für Sparkassen interessant. Die Synthese von Sonne und ­Kilowattstunden zu Euros ist zwar nicht mehr technologisch, dafür jedoch regulatorisch äußerst anspruchsvoll. Die Kreissparkasse Göppingen hat eine Lösung in einem Sicav-Sif gefunden. Neu auf der Kaufliste: Windparks.

Stetig, planbar und auskömmlich: So lauten die Eckpunkte des magischen Cashflow-Dreiecks. Wenn überhaupt, kann diesen ­Ziel­konflikt die Asset-Klasse Infrastruktur lösen. Gerade in Deutschland wird Infrastruktur gern über das Thema erneuerbare Energien, ins­besondere über Solarparks, umgesetzt. Der Zugang ist jedoch vor ­allem wegen des Prüfungsaufwands komplex. Denn vor den Erfolg hat der Sonnengott Helios den Schweiß gesetzt: „Bloomberg-­Inves­toren“ müssen sich mit ungewohnten Themen wie Ertragsgutachten, Restwertanalysen, Netzanschlüssen, Flächensicherungen oder ­Baurechten auseinandersetzen. Gerade kleineren bis mittelgroßen ­Inve­storen fällt dieser Prüfungsaufwand schwer. Hinzu kommen ­regulatorische Hindernisse.

Die Kreissparkasse Göppingen hat diesen Aufwand nicht gescheut. „Bei diesem Thema hat man als Treasurer anders als sonst keine Wertpapierkennnummer, sondern Verträge, die es zu prüfen gilt. Viele ­Investoren scheuen aus Respekt vor den nötigen juristischen Prüfungen und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Inhalt vor ­erneuerbaren Energien zurück“, so Frank Mayer, ­Abteilungsdirektor Treasury der Kreissparkasse Göppingen, die mit einer ­Bilanzsumme von knapp fünf Milliarden Euro zu den Großen in Baden-Württemberg zählt und das Pfandbriefbank-Statut besitzt. „Unsere Sparkasse ist aber noch klein genug, um auch als Treasurer mitzubekommen, was im Kundengeschäft passiert.“ Im Kundengeschäft ­finanzierte die Sparkasse Solardachanlagen. Sein Erweckungserlebnis, Solar auch als Asset-Klasse zu sehen, hatte Mayer aber, anders als man vermuten könnte, schon vor der Energiewende und der Wahl eines grünen ­Ministerpräsidenten im Ländle. „Bei mir war Anfang 2008 ein ­Generalunternehmer, der mir eine Freilandanlage zum Kauf anbot. Da hat es bei mir ‚Klick‘ gemacht.“

Allerdings war Mayer auch schnell klar, dass die Kreissparkasse ein solches Investment nur über eine Fondslösung abdecken kann. Schließlich wollte Mayer nicht nur eine Anlage, und außerdem sprechen gerade für eine Sparkasse in Baden-Württemberg regulatorische Gründe für einen Fonds. Gemäß Paragraf 33 des Sparkassengesetzes ­Baden-Württemberg bedürfen zum Beispiel Beteiligungen an Unternehmen des privaten Rechts der Zustimmung der Rechtsaufsichts­behörde und, wenn die Unternehmen Geschäfte im Sinne von Paragraf 6 Absatz 2 Satz 2 betreiben, auch der Zustimmung des Sparkassen­verbands Baden-Württemberg. Dieser hätte aber ziemlich sicher „Stromproduktion“ nicht als banküblich eingestuft. Unter der jetzigen grün-roten Landesregierung wäre es vielleicht eher möglich gewesen, Solarparks direkt ins Depot A zu bekommen. Unter der alten Landesregierung war eine Direktbeteiligung aber nicht möglich. Sich mit Fremdkapital zu beteiligen, wäre zwar aus regulatorischer, aber nicht aus portfoliotheoretischer Sicht interessant. „Im Kunden­geschäft ­vergeben wir bereits viel Fremdkapital. Wir wollen aber mehr ­Diversifikation, um die Korrelationsrisiken im Depot A zu senken“, erklärt Frank Mayer.

Die Kreissparkasse suchte also ein diversifiziertes Finanzprodukt und fand dieses in einem Sicav-Sif. Gemäß SolvV (Solvabilitätsverordnung) muss dieser Fonds zu 100 Prozent auf die Solvabilität ­angerechnet und damit mit acht Prozent Eigenkapital unterlegt ­werden. Das Problem sieht Mayer hier jedoch weniger im Eigenkapital­bedarf, sondern darin, dass die Liquiditätsverordnung mit Basel III durch die Liquiditätsdeckungskennzahl (LCR) abgelöst wird. „Die LCR führt zu einer hohen Quote an Staatsanleihen, die wir bisher nicht hatten. Die damit einhergehende Minderrendite versuche ich durch andere Investments auszugleichen.“ Eine Randnotiz: Mit ­regulatorischen Anforderungen und dazu passenden Vehikeln ­beschäftigte sich Frank Mayer kürzlich auch im Rahmen der ­Beteiligung an dem Konsortium der Patrizia AG, das von der Landesbank Baden-Württemberg 21.000 Wohnungen übernahm. „Dieser Deal war von der Konstruktion her viel aufwendiger.“ Initiator des ­Sicav-Sif ist die in erster Linie als Quant-Haus ­bekannte First Private. Auswahl, Prüfung und Management der Parks erfolgt durch die Recap Global Investors AG. Die Entscheidung pro First Private dürfte gerade bei den ­Gremien dadurch leichter gefallen sein, dass First Private den von der ­Sparkasse angebotenen Dividendenfonds First Private Euro Aktien Staufer Fonds schon seit 15 Jahren managt. Eine buchstäblich naheliegende Lösung wäre aber auch eine Kooperation mit der in ­Göppingen ansässigen ­Samag oder der im ­benachbarten Landkreis Esslingen ansässigen Windreich AG gewesen. Die Boutique Samag ist Asset Manager eines nach Technologien breit diversifizierten ­Renewables-Fonds von ­verschiedenen Versorgungswerken, der vom Versorgungswerk der ­Architekten Baden-Württemberg konzipiert wurde. Windreich ist ein Entwickler von (Offshore-)Windparks. Die Kreissparkasse Göppingen bevorzugt jedoch weniger komplexe ­Technologien.

Der Luxemburger Spezialfonds von First Private ist sicherungs­vermögensfähig und Master-KAG-fähig, kann also durch einen deutschen Spezialfonds erworben werden. Der „Solar Infrastructure I“ hat seit der Öffnung im August 2010 rund 117 Millionen Euro eingesammelt, ist aber noch für weitere Zeichnungen geöffnet – zumindest ­solange, bis „die angestrebten Projektrenditen durch ­Neuakquisitionen nicht mehr erzielt werden können“, erklärt Richard Zellmann, ­Geschäftsführer von First Private. Hintergrund ist, dass zum 30. September 2012 die gesetzliche Solarstromförderung für Freiflächen­anlagen von über zehn Megawatt Peak weggefallen ist und sich damit langsam, aber sicher die Pipeline an interessanten Projekten schließt. Portfolioergänzungen sind nur noch durch Bestandsanlagen und ­Zukäufe von neuen Anlagen bis zehn Megawatt Peak interessant. Ziel des Spezialfonds ist, über die geplante Laufzeit von etwa 20 ­Jahren ­einen stabilen Cashflow und eine Rendite von rund sieben ­Prozent zu vereinnahmen. Ursprünglich wollte der Fonds auch international in Solarparks ­investieren, fokussierte sich durch die Finanzkrise dann aber, auch aufgrund der Wünsche der Investoren, auf Deutschland und hat Stand heute in vor allem in den neuen Bundesländern ­gelegenen Solarparks über 400 Millionen Euro investiert.
Deren Gesamtleistung liegt bei über 200 Megawatt Peak.
Jörg Heidenreich, Geschäftsführer bei ­Recap, kommentiert: „Unsere aktuellen Parks sind von Mecklenburg-Vorpommern bis Bayern über ganz Deutschland verteilt und wurden von fünf verschiedenen ­Generalunternehmern gebaut. Wir übernehmen grundsätzlich keine
Projektierungs- oder Baurisiken und streuen zusätzlich hinsichtlich der Technik der verwendeten ­Solarmodule, der Hersteller und der ­Fertigungsweisen. Das verbessert noch einmal die Stabilität und Planbarkeit der Erträge.“ Doch was hat ein im Schwäbischen ansässiges
Regionalinstitut in den anderen Bundesländern verloren? „Für uns geht es nicht nur um die Rendite. Als ­öffentlich-rechtliches Institut ­sehen wir uns auch in der Pflicht, die Energiewende zu gestalten. ­Außerdem gibt es in Baden-Württemberg keine passenden Angebote, und das EEG ist ein Bundesgesetz“, entgegnet Mayer. „Bei Investments zum Beispiel in Spanien, wo mir auch die Rechtssicherheit zu gering wäre, könnte ich diese ‚Regional­institutsdiskussion‘ schon eher nachvollziehen.“

Besonders an dem Fonds ist, dass es nur eine ­Management Fee gibt, und die gemischte Anlegerschaft. Dagegen sind in ­einem Altira-Fonds nur Versicherer investiert. Luxcara war bei der Suche nach Seed-Investoren bei den Versorgungswerken BVK und WPV erfolgreich. Zellmann: „Wir wollten eine gemischte Investorenstruktur und das Angebot so gestalten, dass eine Versicherung gerne auch gemeinsam mit einer Sparkasse investiert. Dadurch kam es zwar zu mehr Fragen in der Set-up-Phase. Aus heutiger Sicht war diese Diskussion aber sehr bereichernd.“ Insgesamt zeichneten neun Versicherungen, Versorgungswerke und Sparkassen – aus drei verschiedenen Bundesländern beziehungsweise Verbandsgebieten – den Fonds.

Wo sich die Investoren auch einbringen, ist das Reporting. Neu ist laut Mayer zum Beispiel eine Einstrahlungsübersicht auf ­Monatsbasis. „Diese Auswertungen sprechen für ein nach Standorten ­diversifiziertes Portfolio“, erklärt der Treasurer. Noch wichtiger ist die regionale Streuung aber bei Wind. Windparks onshore sollen das bislang rein heliozentrisch geprägte Renewables-Weltbild der Kreissparkasse ergänzen. Diese Ergänzung kann dann auch vor Ort erfolgen. „Unser Landkreis ist dank der vielen Anhöhen ein guter Windstandort, und wir wollen uns hier über Finanzierungen und das Depot A engagieren“, so Frank Mayer. Dank geplanter Bürgerbeteiligungen sei die Bevölkerung ­insgesamt gegenüber Windparks positiv gestimmt. „Unsere Kunden ­erwarten auch, dass die Kreissparkasse bei Renewables aktiv ist.“

portfolio institutionell, 14.12.12

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