Stiftungen
28. September 2016

SOS-Kinderdorf-Stiftung setzt auf Sachwerte

Die SOS-Kinderdorf-Stiftung nahm ihre Arbeit im Jahr 2003 auf, um SOS-Kinderdorf-Einrichtungen nachhaltig zu fördern. Das Anlagevolumen beläuft sich auf etwa 50 Millionen Euro. Auszug aus dem Interview mit Geschäftsführerin Petra Träg.

Frau Träg, Stiftungen tun Gutes im Verborgenen oder im Licht der Öffentlichkeit. Dadurch wird vielen Menschen auch das Wesen einer Stiftung bewusst. Aber nutzt denn dieser Erkenntnisgewinn heutzutage noch etwas, wenn Stiftungszwecke mangels Zinsen nicht mehr erfüllt werden können?
Petra Träg: Die aktuelle Zinssituation ist ein Problem, welches auch die Idee einer Verbrauchsstiftung forciert. Grundsätzlich ist das Wesen einer Stiftung aber, auf Ewigkeit einen bestimmten Satzungszweck zu fördern. Diese Ewigkeit sollte man wörtlich nehmen. Beispiel Fugger-Stiftung: Deren Rahmenbedingungen waren mit Kriegen, Währungsreformen oder Emittentenausfällen in den vergangenen 500 Jahren sehr anspruchsvoll. Die Fugger-Stiftung hat eigentlich alles erlebt und es gibt sie heute noch. Hätten sich die Stifter damals von einer Niedrigzinsphase abschrecken lassen, würde dieses wichtige Sozialprojekt heute nicht wirken können. 
Wie änderten sich die Anlagerichtlinien der SOS-Kinderdorf-Stiftung im Zeitverlauf?
Bei der Stiftungsgründung im Jahr 2003 sahen die Anlagerichtlinien eine Quote von maximal 25 Prozent Aktien vor.
Aus zyklischer Sicht wäre die Quote damals eher bei null Prozent gewesen.
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase wollten viele von Aktien generell nichts mehr wissen. Wir haben aber aus Sicht einer Stiftung mit Ewigkeitsfokus gedacht. Ferner haben wir berücksichtigt, dass in Bayern nicht nur der nominale, sondern der reale Kapitalerhalt zählt. Selbst wenn man ein Drittel der ordentlichen Erträge immer in die freie Rücklage stellt, klappt es mit der realen Kapitalerhaltung nicht mehr bei einem reinen Anleiheportfolio, wenn die Inflationsrate einmal größer werden sollte. Da helfen dann nur noch Sachwerte. Wir sehen Aktien als Beteiligung am Produktivkapital, wollten aber vorsichtig anfangen. So starteten wir 2003 mit maximal 25 Prozent Aktien. Dazu kamen maximal zehn Prozent Immobilien und der Rest in Pfandbriefen und Staatsanleihen. In der vergangenen Anlageausschusssitzung haben wir den Aktienanteil von mittlerweile 35 auf 40 Prozent erhöht. Schließlich ist es mit erstklassigen Aktien sehr gut möglich, einen ordentlichen Ertrag zu erwirtschaften. Zu Lasten von Anleihen haben wir ebenfalls den Immobilienanteil vergrößert. 
Laut dem Bundesverband Deutscher Stiftungen kommen etwa drei Viertel der Stiftungen auf ein Anlagevolumen von maximal einer Million Euro.
Und diese müssen nun mangels passender Stückelungen Anleihenfonds finden, die nach Kosten noch einen Ertrag erwirtschaften. Bei diesem Problem sollten wir Stiftungen uns untereinander helfen. Manch ein Stifter hat uns mittlerweile sogar seine Stiftung in die Hände gelegt. 
Mehr über die Ambitionen von Petra Träg und das Konzept hinter den Kapitalanlagen der SOS-Kinderdorf-Stiftung lesen Sie im Investoreninterview in der September-Ausgabe von portfolio institutionell.Oder klicken Sie hier. 
portfolio institutionell newsflash 26.09.2016/Patrick Eisele
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