Administration
11. Juni 2024

Spezialfonds verzeichnen mäßiges Quartal

Positiv stechen Corporate-Anleger und Rentenfonds heraus. Clemens Schuerhoff: Spezialfonds-Party ist vorbei.

Corporates sind ein Lichtblick in einem eher trüben Spezialfonds-Auftakt 2024. Dies ist dem diesem Medium exklusiv vorliegenden Spezialfonds-Markt Quarterly zu den ersten drei Monaten aus dem Hause Kommalpha zu entnehmen. Laut der Analyse fing das erste Quartal stark an, ließ dann aber auch stark nach: Nach fulminanten 10,8 Milliarden Euro an Nettomittelaufkommen im Januar folgten Nettomittelabflüsse von 360 Millionen Euro im Februar und 1,3 Milliarden Euro im März 2024. In Summe wurden im ersten Quartal des laufenden Jahres also 9,2 Milliarden Euro netto in Spezialfonds dotiert. „Das ist ein unterdurchschnittlicher Wert. Auch die Zuflüsse von frischer Liquidität waren vergleichbar verhalten“, kommentiert Kommalpha-Vorstand Clemens Schuerhoff. In Summe flossen in Q1 32,1 Milliarden Euro an frischem Geld in Spezialfondsmandate, wovon 29 Prozent „haften“ blieben. „Es bestätigt sich, was wir bereits einige Male prognostiziert haben: Die Zeiten der Stetigkeit der Cashflows sind vorbei und es bestehen teilweise erratische Niveausprünge von einem Monat auf den anderen“, ergänzt Schuerhoff.

Mögliche Gründe für die mäßige Entwicklung nennt Dirk Bednarz von der Deka-Bank, einer der Quarterly-Unterstützer. Bednarz verweist einerseits auf die stärkere Gewichtung von alternativen Assets. Diese werden in der Regel eher in luxemburgischen Spezialfonds administriert. Zum anderen erwähnt er den Trend zur Aufstockung der Direktanlage, der ebenfalls zu Lasten der hiesigen Spezialfonds erfolgt.

Corporates dotieren Spezialfonds

Erfreulich war die Entwicklung in den Spezialfonds der Corporates. Diese Anlegergruppe kam dank eines starken Januars im ersten Quartal auf ein Nettomittelaufkommen von beachtlichen 4,7 Milliarden Euro. Bei den beiden größten Anlegergruppen, Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherungen, beliefen sich die Nettomittelaufkommen in Summe auf 525 Millionen beziehungsweise 674 Millionen Euro.  Ebenfalls erfreulich waren bei den Unternehmen die Mittelzuflüsse von 7,3 Milliarden Euro in Q1. Davon verblieben, wie erwähnt, netto 64 Prozent in den Spezialfonds. „Das ist ein außerordentlich hoher Wert“, so Schuerhoff. Genau umgekehrt sehe es dagegen bei Altersvorsorgeeinrichtungen aus. Sie haben viele Spezialfondsanteile gedreht im Sinne von Allokationsveränderungen und Transaktionsdynamik. Nur sieben Prozent der frischen Mittel verblieben im ersten Quartal netto in den Spezialfondsmandaten von Altersvorsorgeeinrichtungen. Bei Versicherungen, der zweitgrößten Investorengruppe, landeten von der frischen Liquidität im Berichtsquartal zwölf Prozent netto in deren Spezialfonds.

Aktienfonds im Siechtum

Wie bei den Anlegergruppen sticht auch bei den Fondskategorien mit den Rentenfonds ein Segment heraus. Diese konnten in Q1 6,8 Milliarden Euro netto einsammeln. Dieser Zuwachs kommt mit Blick auf Zinsentwicklung und Quotensteuerung wenig überraschend. Ganz anders dagegen die Entwicklung bei Aktien und Geldmarktfonds. Aktienspezialfonds verloren in Q1 netto 2,7 Milliarden Euro. „Diese Spezialfondskategorie scheint sehr langsam, aber stetig auszubluten bei gleichzeitigem Verzicht auf gute Rendite beziehungsweise Kursgewinne angesichts der allgemeinen Börsenentwicklung“, konstatiert Schuerhoff. Kein Lebenszeichen senden auch Geldmarktspezialfonds. „Vermutlich ist das kurzfristige Cash-Management über Spezialfonds mittlerweile einfach zu teuer im Gegensatz zur klassischen Kontoverzinsung oder Tages- und Termingelder“, so Schuerhoff, der diese Kategorie auf die Liste der möglicherweise aussterbenden Gattungen setzt.

Bedenklich für den deutschen Spezialfonds stimmt, dass die beschriebenen Entwicklungen auch mittelfristiger Natur sind. Die oben erwähnten 9,2 Milliarden Euro an Nettomittelaufkommen sind mit 14,9 Milliarden Euro in Q1 2023 zu vergleichen, wobei letzterer Wert auch schon als schwach einzustufen ist. „Wir haben bereits in jüngerer Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die richtig fetten Jahre des Spezialfondsneugeschäfts vorbei zu sein scheinen und das Berichtsquartal bestätigt leider diese These. 9,2 Milliarden Euro Nettomittelaufkommen sind absolut betrachtet immer noch ein hoher Betrag, aber er reicht eben nicht an die glorreichen vergangenen Zeiten heran“, kommentiert Spezialfonds-Spezialist Schuerhoff. Noch schlechter ist die Entwicklung bei den Zuflüssen. In diesem ersten Quartal waren es 32,1 Milliarden Euro – und damit nur noch in etwa halb so viel wie in den ersten drei Monaten 2023.

Ein Spiegelbild dieser Entwicklung sind die beiden großen Anlegergruppen. Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherungen liegen unter dem Niveau der Vorjahre. Auch darum erklärt Schuerhoff: „Die große Spezialfonds-Party scheint vorbei zu sein.“ Künftig müsse man sich beim Nettomittelaufkommen an kleinere Zahlen gewöhnen, teilweise auch an negative Vorzeichen.

Verschärfend kommt zu der kritischen Volumenentwicklung für die Spezialfonds-Anbieter hinzu, dass die Anforderungen hinsichtlich Digitalisierung und ESG-Daten steigen. Darauf weisen im aktuellen Quarterly Mohamed Charrak von BNP Paribas Securities Services, Patrick Westerhoff von der DZ Bank und Ralf Jonass von HSBC Deutschland hin. Positiv betrachtet liegen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit aber auch Potenziale.

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