22. Juli 2015

Spezialfondsanalyse: Aktien sind Performance-Treiber

Die Portfolios institutioneller Investoren haben sich in den vergangenen drei Jahren deutlich gewandelt, dies gilt zumindest für Anleger, deren Spezialfonds bei der Universal-Investment liegen. Die Analyse zeigt zudem: Die magische Vier-Prozent-Schwelle wurde über zehn Jahre hinweg übersprungen.

Die Aktienquoten in den Portfolios deutscher institutioneller Investoren sind in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich nach oben gegangen, von einer großen Rotation kann dennoch nicht die Rede sein. Dieser Schluss lässt sich aus einer neuen Analyse aus dem Hause Universal-Investment ziehen, in der die Master-KVG ihre gesamten Assets under Administration im Spezialfondsbereich in Höhe von rund 179 Milliarden Euro einmal genau unter die Lupe genommen hat. Die Ergebnisse der Analyse haben einen durchaus repräsentativen Charakter, weil das analysierte Volumen circa 13 Prozent des gesamten vom Fondsverband BVI erfassten Spezialfondsvermögen von 1.341 Milliarden Euro entspricht.   
Wie aus der Analyse zum institutionellen Anlegerverhalten hervorgeht, haben die indirekten Aktienanlagen im Mai 2015 mit einem Anteil von rund 31 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Anfang 2012 lag die durchschnittliche Quote noch bei 22 Prozent, im Vorjahr bei 27 Prozent. „Dieser Anstieg ist allerdings primär auf die Kurssteigerungen an den Aktienmärkten zurückzuführen. Netto sind kaum zusätzliche Mittel in Aktien geflossen“, erklärt Ralf Bräuer, Leiter des Geschäfts mit institutionellen Investoren bei Universal-Investment. Die von vielen seit langem erwartete „Great Rotation“, also die bewusste Umschichtung von Renten in Aktien, hat es so nicht gegeben. Ungeachtet dessen lässt sich aus dem Anstieg des Aktienanteils ablesen, dass die institutionellen Investoren hierzulande bereit sind, mehr Risiko eingehen. „Allein die Tatsache, dass die Anleger ihre Aktienengagements weiter laufen lassen und nicht wie üblich einem Rebalancing hin zur strategischen Asset Allocation unterziehen, ist eine strategische Entscheidung, mehr Aktienrisiko in Kauf zu nehmen“, merkt Bräuer an. Der größte Einzelposten in den Aktienanlagen, die rund 55 Milliarden Euro umfassen, sind Financials, was jedoch vor allem indexgetrieben ist.
Zwang zu hohen Cash-Quoten
Während der Anteil der indirekten Aktienanlagen in den vergangenen drei Jahren sukzessive zugenommen hat, sind die Rentenengagements zurückgegangenen und befinden sich mit einer Quote von durchschnittlich 50 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit der Datenerfassung von Universal-Investment (Januar 2012). Damals waren die institutionellen Kunden der Master-KVG noch zu knapp 57 Prozent in Renten investiert. „Der Rückgang im Rentenbereich ist zum Teil der starken Entwicklung der Aktienanlagen geschuldet. Die Asset Allocation hat sich insgesamt verschoben“, so Bräuer. Zugenommen hat im Übrigen auch der Cash-Anteil, und zwar um zwei Prozentpunkte auf fast zehn Prozent. Das überrascht angesichts der Marktgegebenheiten, lässt sich aber unter anderem mit Blick auf die Regulierung des OTC-Marktes – Stichwort Emir – erklären. „Die Regulierung schreibt vor, dass der OTC-Bereich besichert werden muss. Der recht hohe Kassebestand dient also auch zur Besicherung der Kontrakte“, erläutert der Universal-Investment-Mann. „Wir sehen einen klaren Trend, und zwar die zunehmende Nutzung von börsengehandelten Derivaten. Es wird verstärkt Overlay-Management eingesetzt – auch über Derivate – und auch dafür braucht man Kasse“, fügt er hinzu. Die verstärkte Nachfrage nach Overlay-Management dürfte wiederum in direktem Zusammenhang mit gestiegenen Aktienenquoten und dem gleichzeitig niedrigen Zinsniveau stehen, um sich gegebenenfalls vor fallenden Märkten zu schützen.     
Ein genauer Blick in die Rentenanlagen macht deutlich: Die klassischen Muster nehmen ab. Wie die Analyse von Universal-Investment zeigt, ist der Anteil der Staatsanleihen – gemessen am gesamten Aktien- und Rentenportfolio – in den vergangenen drei Jahren sukzessive nach unten gegangen, und zwar um vier Prozentpunkte. Der Trigger hinter dieser Entwicklung ist die niedrige Verzinsung, die den Abbau insbesondere von US- und Euro-Staatsanleihen forcierte. „Institutionelle Investoren halten sich bei den Versteigerungen zurück. Bei den jüngsten Versteigerungen von Bundespapieren gab es erneut Unterdeckungen – es sind nicht mehr alle Papiere weggegangen.“ Fast spiegelbildlich zum Abbau der Staatsanleihen ist der Anteil der Unternehmensanleihen in den vergangenen drei Jahren um fünf Prozentpunkte gestiegen. Beide Asset-Klassen haben innerhalb des Rentensegments, das ein Volumen von fast 90 Milliarden Euro aufweist, inzwischen dieselbe Gewichtung, nämlich je 29 Prozent. Allerdings sind die Spreads bei Unternehmensanleihen inzwischen auf einem Niveau angekommen, so dass Bräuer erwartet, dass sich diese Entwicklung hin zu einer gestiegenen Corporate-Bonds-Quote nicht in dieser Form fortsetzen dürfte: „Man muss genau überlegen, ob die Spreads noch passen. Im Moment haben die Investoren noch Bestände mit attraktiven Kupons. Ich gehe davon aus, dass mit den Fälligkeiten der Anteil der Unternehmensanleihen zurückgehen wird.“
Nicht nur Staatsanleihen haben in letzter Zeit deutlich an Bedeutung in den Rentenportfolios der institutionellen Investoren eingebüßt, sondern auch Pfandbriefe und Covered Bonds. Seit Ende 2013 sank der Anteil von zwölf auf nur noch sechs Prozent im Mai dieses Jahres. Das liegt zum einen an der geringen Verzinsung, zum anderen an dem mangelnden Angebot. „Grundsätzlich ist dieses Instrument für Investoren interessant, weil es liquide und gut besichert ist. Es wird jedoch zu wenig emittiert. Der Markt schrumpft“, erklärt Bräuer.   
Pensionseinrichtungen mit überdurchschnittlicher Aktienquote   
Unter den Kunden von Universal-Investment machen Pensionskassen und Versorgungseinrichtungen mit einem Vermögen von rund 78 Milliarden Euro die größte Investorengruppe aus. Aus diesem Grund hat die Master-KVG für diese Gruppe noch eine gesonderte Analyse durchgeführt. Hierbei zeigt sich, dass der Trend auf der Meta-Ebene bei den Pensionseinrichtungen noch etwas stärker ausgeprägt ist. So macht der Aktienanteil in Spezialfonds bei dieser Anlegergruppe derzeit mehr als ein Drittel aus, nämlich 34,5 Prozent. Das sind fast vier Prozentpunkte mehr als der aktuelle Durchschnittswert und ist der höchste Stand seit Anfang 2012. Damals lagen die Pensionseinrichtungen mit 21 Prozent noch leicht unter dem Durchschnitt. „Hier ist tatsächlich netto Geld in Aktien geflossen“, merkt Bräuer an. Abgeflossen ist das Geld aus dem indirekten Rentenbestand. Der Anteil wurde auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren gesenkt. Während der Anteil im Januar 2012 noch bei rund 48 Prozent lag, sind es aktuell nur noch rund 37 Prozent. 
Bräuer weist in diesem Zusammenhang auf eine weitere Besonderheit der Pensionskassen und Versorgungseinrichtungen hin, nämlich dass sie ihre Assets stärker als der Durchschnitt aller Investoren diversifizieren. „Sonstige“ Aktien und Renten machen derzeit gut ein Fünftel der Portfolios aus. Dahinter verbergen sich auch Real Assets. „Private-Equity, Infrastruktur und renten- wie aktienähnliche Genussscheine sind Themen, die stark nachgefragt werden“, erklärt Bräuer. Dies gelte auch für Immobilien, die Universal-Investment in ihrer Analyse jedoch nicht berücksichtigt hat. Inzwischen habe man zwar drei Milliarden Euro an Immobilienspezialfonds, die Datengrundlage reiche jedoch nicht so weit zurück, um eine qualifizierte Aussage über die Entwicklung in den vergangenen drei Jahren treffen zu können. Dies soll perspektivisch jedoch erfolgen. Eine aufkommende Asset-Klasse unter den Pensionskassen und Altersvorsorgeeinrichtungen seien außerdem Schuldscheindarlehen und Loans, die vor zwei Jahren noch nicht in den Portfolios zu finden waren, inzwischen aber 2,4 Prozent ausmachen. Der tatsächliche Anteil bei den Gesamtanlagen dieser Anlegergruppe dürfte sogar noch weitaus höher liegen. Bräuer weist darauf hin: „Schuldscheindarlehen werden oftmals direkt gemacht und nicht über Fonds. Diese Direktinvestments sind in unseren Analysen nicht berücksichtigt.“           
Zu guter Letzt hat Universal-Investment auch die Performance der Spezialfonds untersucht. Das Ergebnis: Alle Investorengruppen liegen mit ihrer durchschnittlichen Jahres-Performance von 5,2 Prozent über die vergangenen zehn Jahre deutlich über der magischen Vier-Prozent-Schwelle. Die Gruppe der Pensionskassen und Vorsorgeeinrichtungen kommt auf etwas mehr, nämlich 5,8 Prozent. „Aktien und Private Equity waren die Performance-Treiber“, so Bräuer. Year-to-date beläuft sich die Wertentwicklung insgesamt auf 6,7 Prozent, bei den Pensionseinrichtungen auf 7,5 Prozent.     
portfolio institutionell newsflash 22.07.2015/Kerstin Bendix
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