Schwarzer Schwan
13. Dezember 2019

St. John als Santa Claus

Schöne Bescherung

„Wart ihr denn in diesem Jahr auch schön brav?“ Wirklich brav waren dieses Jahr anscheinend die Mitarbeiter von St. John Properties. Denn der Chef des amerikanischen Bauunternehmens ließ sich hinsichtlich des Weihnachtsgeldes diesmal nicht lumpen und schüttete ganze zehn Millionen US-Dollar aus – an die Mitarbeiter. Jeder der 198 Angestellten erhielt so im Schnitt rund 50.000 Dollar, gestaffelt nach der Länge der Beschäftigung in dem Betrieb, aber unabhängig von Position und Gehalt. Die Freudentränen flossen auf der Weihnachtsfeier reichlich.

Edward St. John, Chef und Gründer des Projektentwicklers, wollte sich eben für die harte Arbeit seiner Mitarbeiter auf eine Art, die einen „signifikanten Impact auf deren Leben“ hat, bedanken. „I couldn’t think of a better way to show it”, so St. John. Ein Video zeigt die Angestellten so freudestrahlend wie die ausgewählten Jubelperser von We Work im Januar an der Nasdaq. Allerdings bleibt der Spaß wohl eine einmalige Sache, denn der Chef wollte so den zweimillionsten Quadratmeter feiern, den seine Firma bebaut hat.

Noch weiter geht der Hamburger Getränkeproduzent Premium. Hier kann der Chef nicht mal eben zehn Millionen spendieren – weil er sie nicht hat. Denn alle Mitarbeiter – vom Chef über die Buchhaltung bis zum LKW-Fahrer – verdienen das Gleiche. Ausnahmen gibt es nur für Kinder, für Arbeitsplatzbedarf und bei Behinderungen. Am Ende des Jahres wird zudem der Profit des Unternehmens unter den Mitarbeitern aufgeteilt.

Den Gewinn unter den Angestellten zu verteilen dürfte allerdings selbst Investoren, die einen starken Fokus auf das S in ESG legen, in die Flucht schlagen. Aus Governance-Perspektive ist am St.-John-Properties-Modell zu bemängeln, dass einmalige, leistungsunabhängige Boni zwar für eine bombastische Stimmung bei der Weihnachtsfeier sorgen, jedoch nicht von einer langfristigen Perspektive zeugen. Zumindest die Mitarbeitertreue dürfte sich jedoch – auf eine Wiederholung des Weihnachtstraums beim dreimillionsten Quadratmeter hoffend – stark erhöhen.

Besser setzt dies KKR in ihrem Portfoliounternehmen C.H.I. Overhead Doors, einem amerikanischen Garagentorhersteller, um, wie Co-Head of Americas Private Equity Pete Stavros auf der Superreturn 2019 in Berlin berichtete. Als man bei C.H.I. einstieg, habe man nicht nur wie üblich das Management mit einer Beteiligung bedacht, sondern die komplette Belegschaft. Dabei handele es sich um eine sehr kleine Dividende, beschwichtigte Stavros die Investorengemeinde. Allerdings mit großer Wirkung: In einem PR-Video meldet sich eine zu Tränen gerührte Mitarbeiterin zu Wort: „I knew how much all of these people really needed it. And I was even more excited for other people than me.”

„Not fire people every christmas“

Wichtiger für die Mitarbeiterzufriedenheit könnte aber eine andere, sehr einfache Maßnahme gewesen sein, wie Stavros berichtet: „Not fire people every christmas.“ Denn dies war im sehr saisonalen Geschäft des Garagentorherstellers schlichtweg die Praxis gewesen: Denn Garagentore liegen selten unter dem Weihnachtsbaum und so wurde ein guter Teil der Angestellten im Herbst entlassen und im Frühjahr neu eingestellt – mit entsprechend hoher Fluktuation. Die Bilanz der Private-Equity-Fonds, die vor KKR im Besitz von C.H.I. waren: 14 Arbeitsunfälle pro 100 Angestellte im Jahr, da ungelernte Fachkräfte und schwere Garagentüren eine diabolische Kombination eingegangen waren. Unter KKR seien die Arbeitsunfälle nun stark zurückgegangen.

50.000 Dollar Weihnachtsgeld gibt es nicht überall – aber nicht zum ersten Advent entlassen zu werden, kann ersatzweise auch ein Grund zur Freude sein.

Einen dicken Bonus, ein schönes vorweihnachtliches Wochenende und schon heute einen guten Rutsch wünscht Ihre Redaktion von portfolio institutionell! Und buchen Sie am besten schon heute Edward St. John für Ihre Weihnachtsfeier.

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