Schwarzer Schwan
25. Juli 2014

Staatstragende Renditequellen

Traurig, aber wahr: Kaum ein Investment-Manager kann dauerhaft Alpha generieren. Volksvertreter in den USA dagegen schon.

Wie wirtschaftsnah sind eigentlich unsere Volksvertreter? Dieser Frage ging diese Woche eine Sonntagszeitung nach und fühlte vier Abgeordneten der Linken auf den Zahn. „Ich stehe zum Klassenkampf“, wird dort die Abgeordnete Ulla Jelpke zitiert, die „natürlich“ den Kapitalismus abschaffen will. „Der demokratische Sozialismus muss von Menschen erkämpft und gewollt werden“, darf die Abgeordnete Christine Buchholz zum Besten geben. 
In den USA scheinen Abgeordnete dagegen deutlich wirtschaftsaffiner zu sein und können sich zu ihren Diäten noch einiges hinzuverdienen. Darauf lassen verschiedene Studien schließen. Laut der Studie „Abnormal Returns from the Common Stock Investments of the U.S. Senate” aus dem Jahr 2004 schlagen die Senatoren den Markt um beeindruckende 12,3 Prozent pro Jahr. Mit dieser Performance kann kaum ein professioneller Asset Manager mithalten. Die gleichen Studienautoren publizierten im Jahr 2011, dass die jährliche Outperformance der ehrenhaften Insider – pardon, Members – of the US House of Representatives bei sechs Prozent liegt. 
Vielleicht ließe sich ja ein Fonds auflegen, mit dem man sich an den Trades der Abgeordneten beteiligen kann? Die US-Börsenaufsicht SEC hat jedoch anderes im Sinn. Sie geht derzeit lieber der Frage nach, warum die Aktienkurse von Krankenversicherungen, die von einer Änderung der Gesundheitsgesetze profitierten, schon kurz vor der offiziellen Bekanntgabe der Gesetze im Repräsentantenhaus explodierten. Das sich vor zwei Jahren selbst gegebene Insiderhandelsverbot scheinen die Abgeordnete also selbst nicht ernst zu nehmen. Weitere Ergebnisse der Studie waren, dass Demokraten deutlich besser als Republikaner und Mitglieder mit einer kürzeren Amtszeit deutlich besser als langjährige Amtsträger abschneiden.
Wer an dieser Stelle über Ethik sinniert und an die Justiz denkt, kommt vielleicht auf den Richter Thomas Griesa vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika. Er hatte kürzlich verfügt, dass Argentinien erst Hedgefonds, die Gaucho-Bonds nach der Staatspleite aufkauften, zu 100 Prozent bedienen muss, bevor die Gläubiger bedient werden dürfen, die in einen Schuldenschnitt einwilligten. Der Richter schickte die eine Milliarde Dollar, die Argentinien auf ein Konto in den USA für eben jene Gläubiger angewiesen hatte, postwendend zurück. Allerdings handelt es sich bei Griesa wohl kaum um einen Insider, der seinen Fuhrpark mit Hilfe seiner eigenen Urteile aufrüsten will. Griesa ist nämlich bereits 83 Jahre alt. Dies fördert das Vertrauen in die Urteilskraft der amerikanischen Politik und Justiz aber auch nicht gerade.   
Die Redaktion von portfolio wünscht allen Leserinnen und Lesern eine erholsame Sommerzeit. Der „Schwarze Schwan der Woche“ lässt sich nach der Sommerpause am 22. August wieder blicken. 
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