Schwarzer Schwan
17. Juli 2020

Steckt alle in die Tasche

Inflation-Handbagging

Emine Erdogan wird völlig unterschätzt. Die bessere Hälfte des türkischen Staatschefs ist nämlich absolut stilbildend. Emine machte als Repräsentationselement auf Staatsempfängen das Kopftuch in der säkularen Türkei salonfähig und ist für viele junge Muslima eine Modeikone. Selbst Der Spiegel schwärmt: „Sie pflegt einen hochgeschlossenen, aber eleganten Stil.“

Auch bei der Wahl ihrer Handtasche beweist die türkische First Lady exquisiten Geschmack: Auf einem G20-Gipfel glänzte Emine mit einem wunderschönen Hermes-Modell aus Krokodilleder, das mit einem goldenen Verschluss ausgestattet ist. Weniger passend war nur ein Neider aus der türkischen Journaille, der den Preis der Tasche – rund 45.000 Euro – thematisierte.

Dabei sind Handtaschen schon immer das Statussymbol von erfolgreichen Frauen. Man denke nur an Maggie Thatcher, deren Lieblingsaccessoire sogar unter dem Begriff „Handbagging“ Geschichte machte. Handbagging setzte Frau ein, um sich in der Männerwelt durchzusetzen – auch in ihrem ausschließlich aus Männern bestehenden Kabinett. Diese sollen ihr zu Füßen gelegen haben. „Sie hatten alle Angst vor ihr. Sie verstanden die unmissverständliche Drohung, die von ihr ausging, dass jeder, der anderer Meinung war, umgehend mit der ledernen Handtasche gezüchtigt werden würde“, säftelte Die Welt.

In der Türkei geht es zum Glück zivilisierter zu als in Großbritannien (oder bei der Welt): man beschreitet den Rechtsweg und gibt den Straftäter an die unbestechliche Justiz weiter, auf dass diese Gerechtigkeit übe. Der neidische Pressevertreter musste sich für seine schamlose Tat vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Journalisten vor, die Präsidentengattin beleidigt zu haben, weil seine Kolumne nichts Positives über sie enthalten habe. Diese Straftat gibt es zwar in den türkischen Gesetzen nicht. In einer lebendigen und tatkräftigen Justiz kann aber die nötige gesetzliche Grundlage bestimmt flugs nachgereicht werden.

Unsere Erdos

Dass teure Handtaschen für Emine ein Must-have sind ist klar, wenn man die Gepflogenheiten in der Familie Erdogan kennt. Diese betont zwar gern ihre Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen und sie soll ja auch in ihrem 1.000-Zimmer-Palast ganz normal wohnen. Aus abgehörten Telefonaten wird jedoch klar, dass auch die Erdos unter gehörigem Anlagedruck stehen. In diesen Telefonaten weist Erdogan seinen Sohn Bilal morgens an, alles Geld wegzubringen, das im Haus ist. Offenbar drohte der Besuch von Korruptionsermittlern. Am Abend des gleichen Tages – und einige Telefonate später – sagt Bilal: „Wir haben immer noch 30 Millionen Euro, die wir nicht verschwinden lassen konnten.“ Da ist es doch gut, auch ein paar Handtaschen zum Geldtransport nutzen zu können.

Vor allem ist eine Handtasche aber ein echtes Real Asset. Die Preisanstiege für Luxushandtaschen sind enorm und es gibt eigentlich keinen besseren Inflationsschutz als ein nach Hermes, Chanel oder Gucci diversifiziertes Handtaschen-Portfolio. Schließlich muss man sich auch als gläubige Muslimin von einem Ehemann emanzipieren, wenn dessen Politik zu zweistelligen Inflationsraten beiträgt. Die Handtasche braucht es zum Inflation-Handbagging. Nimm das, Teuerung!

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell. Der Schwarze Schwan zieht nun in den Sommerurlaub und kommt im August wieder.

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